10 Cloverfield Lane | Cover ©Paramount / Universal PicturesEs ist etwa acht Jahre her, als ich in der Videothek vor einem Streifen stand, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts gehört oder gelesen hatte. Cloverfield hieß das Teil und so nichtssagend wie der Titel, war auch das Cover: Hier war die amerikanische Freiheitsstatue mit abgerissener Birne zu sehen und was auch immer für die Enthauptung der französischen Fackelträgerin verantwortlich war, es hatte direkten Kurs auf die Metropole New York genommen, von wo auch schon deutliche Rauchschwaden und Feuer aufstiegen. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich damals überhaupt den Text auf dem Backcover gelesen oder den Streifen einfach so eingetütet habe…wahrscheinlich reichte schon das Artwork, welches wenigstens einen Katastrophenfilm versprach, um mein Interesse zu wecken. Meine erste Sichtung war Liebe auf den ersten Blick, denn die hier gezeigte Kombination aus Monster-, Katastrophen- und Actionfilm mit der damals schon von mir so hoch geschätzten Found Footage Optik hat mich schlichtweg überwältigt. In den nächsten Jahren folgten zahlreiche weitere Abende, die ich mir mit diesem Werk versüßte und es konnte mich jedesmal auf’s Neue fesseln. Irgendwann gab es dann im World Wide Web die ersten Gerüchte zu einem potentiellen Nachfolger samt Teaser, bei dem ich aber nicht so recht wusste, ob er ernst zu nehmen war. Doch alleine die Aussicht, dass nochmal ein zweiter Teil nachgeschoben wird, versetzte mich in helle Aufregung. Dann aber wurde es wieder ruhig um „Cloverfield 2″…bis zum Frühjahr diesen Jahres.

Da nämlich ließ Produzent J.J. Abrams vollkommen überraschend die Bombe platzen und kündigte mit 10 Cloverfield Lane einen offiziellen Nachfolger des damaligen Blockbusters an. Zeitgleich stellte er mit dem dazugehörigen Trailer erneut sein Feingefühl für das Mysteriöse unter Beweis, denn selbiger warf gerade ob des Titels doch einige Fragen auf. Scheinbar spielte das komplette Werk in einem Schutzbunker unter der Erde und es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass man erneut die zerstörerische Wucht des Originals würde bestaunen können, geschweige denn irgendwelche Monster. Wieviel Cloverfield steckte also in dem Streifen? Abrams selbst hielt sich bedeckt und meinte lediglich, dass beide Filme „Blutsverwandte“ seien. Diese Aussage klärte so ziemlich gar nichts (wenn nicht sogar noch weniger;), zeigte aber, dass der Bursche ein wahrer Meister darin ist, sowohl Presse als auch Zuschauer genau so weit im Ungewissen zu lassen, dass man es nicht abwarten kann, sich selbst ein Bild zu machen und allen, die dies noch nicht konnten, in keinster Weise zu spoilern. Ein super Beispiel ist da ja die Serie Lost, bei der jeder, der sie gesehen hat, weiß, dass man die Geschichte selbst erlebt haben sollte und es ein Unding wäre, das Ende vorweg zu nehmen, egal, ob man dieses nun mochte oder nicht. Und ebenso verhielt es sich auch wieder bei 10 Cloverfield Lane: Ab dem Tag der Bekanntgabe konnte man die Spannung, das aufgeregte Knistern, welches dieses Werk schon vorab erzeugte, nicht verleugnen. Als dann die ersten Reviews in der Presse erschienen, las man überall den Respekt gegenüber dem von Abrams geschaffenen Mysterium heraus. Man hielt sich zurück, versuchte tunlichst zu vermeiden, irgendetwas zu verraten und wies stattdessen darauf hin, dass man sich den Film selbst anschauen sollte. 

Eben diesen Respekt möchte auch ich dem Film erweisen und natürlich euch, die ihr diesen eventuell noch nicht gesehen habt. Insofern verzichte ich in diesem Artikel einmal auf jegliche Zusammenfassung der Story, zumal es auch sonst genügend über das Werk zu schreiben gibt…

Das oben ausgesprochene Lob für Abrams gilt in gleichem Maße für Dan Trachtenberg, der hier als Regisseur sein Spielfilmdebüt (!) abliefert, sowie für die Drehbuchautoren Josh Campbell und Matthew Stuecken. Alle Drei beweisen ein 

unglaublich gutes Feingefühl für die Charaktere und lassen diese sich in genau dem Tempo entfalten, dass es trotz des beengten Settings zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. 

Ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe, dass mich jede Sekunde von 10 Cloverfield Lane in dessen Bann gezogen hat, was vor allem an den interessanten Figuren liegt, welche tiefgründig sind, dabei aber auch mysteriös genug bleiben, um es dem Zuschauer zu erlauben, sich seine eigene Interpretation darüber zurechtzulegen, was jeden der Drei antreibt. Dies gelingt aber auch und vor allem durch das Schauspiel des großartigen John Goodman (Red State), der höchst talentierten und facettenreichen Mary Elizabeth Winstead (The Thing anno 2011) sowie des sympathisch-naiv aufspielenden John Gallagher Jr. (Jonah Hex). Sie alleine tragen den Film und zeigen mit ihrer bravourösen Leistung einmal mehr, warum sie zu den ganz großen Genredarstellern unserer Zeit gehören. Unterstützt werden sie von einer klasse Kameraführung, einem stimmigen Setting sowie einer großartigen Musik- und Sounduntermalung. So liefert der Streifen also auch dann ganz großes Kino ab, wenn man ihn nur für sich nimmt. Aber wie steht es nun um die Verbindung zum vermeintlichen Vorgänger?

Auch die Antwort zu dieser Frage sollte sich am besten jeder selbst beantworten, denn wie von Werken nicht anders gewohnt, bei denen J.J. Abrams als Produzent in Erscheinung tritt, ist es auch hier eine Sache der Interpretation. Meines Erachtens steckt jedoch deutlich mehr dahinter, als das, was man hier und da im Internet liest, nämlich, dass der zunächst unter dem (Deck-)Namen The Cellar entstandene Film nur deswegen noch mit dem großen Titel versehen wurde, weil man sich erhoffte, von eben diesem zu profitieren. Immerhin erfreut sich Cloverfield eines hohen Bekanntheitsgrades. Wenn es jedoch jemandem zuzutrauen ist, im stillen ein Werk zu produzieren, auf das Viele so sehr gehofft haben, und dieses dann erst kurz vor der Veröffentlichung bekannt zu geben, dann ist es Abrams. Doch selbst, wenn die oben genannte These zutrifft, schmälert das weder die Qualität des Films, noch die dahinterstehende Idee mit der Verbindung zu Cloverfield. Denn durch eben diese Aussage in Kombination mit der Namenswahl konnte ein Mysterium und eine Spannung erschaffen werden, wie es heute leider nur allzu selten der Fall ist.

Wann bekommt man schonmal ein Werk vorgesetzt, auf das man sich freut wie Bolle, zugleich aber gar nicht genau weiß, was einen da eigentlich erwartet? Und mit eben dieser Vorfreude darauf, endlich herauszufinden, wie es um die Verbindung zum Vorgänger bestellt ist, spielt Trachtenberg’s Streifen über die gesamte Laufzeit.

Dies lässt im Film eine zweite Spannungsebene entstehen, die stets genau so präsent ist, dass man sie nicht vergisst. Dieses Brodeln über der Oberfläche, dieses Hütchenspiel mit dem Ungewissen ist schlichtweg genial. 

In diesem Sinne kann ich euch den Streifen nur wärmstens empfehlen, doch macht euch gefasst darauf, dass euch nicht alles vor die Füße gelegt wird. 10 Cloverfield Lane ist ein Mystery-Thriller in Reinform und dies resultiert in Kombination mit der sehr wohl vorhandenen Blutsverwandtschaft zu Cloverfield in einem Film, wie man ihn nicht allzu oft zu sehen bekommt. Hut ab!

 

 

Bilder aus der 10 Cloverfield Lane

Blick ins Ungewisse. (Mary Elizabeth Winstead)

©Paramount / Universal Pictures

Fällt ihnen langsam die Decke auf den Kopf?

©Paramount / Universal Pictures

Ein Kartenspiel im kleinen Kreis.

©Paramount / Universal Pictures

Einer der ganz Großen unserer Zeit: John Goodman.

©Paramount / Universal Pictures

Komplettiert das Trio: John Gallagher Jr.

©Paramount / Universal Pictures

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: 10 Cloverfield Lane | Regie: Dan Trachtenberg | Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken | Darsteller: John Goodman, Mary Elizabeth Winstead, John Gallagher Jr. | Produktion: J.J. Abrams, Bryan Burk, Drew Goddard, Matt Reeves, Lindsey Weber, Jon Cohen, Bob Dohrmann, Ben Rosenblatt | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 104 Min. | Verleih: Paramount / Universal Pictures | DVD/BD VÖ: 11.08.2016
10 Cloverfield Lane (2016)
Prädikat: Ein mysteriöses Meisterwerk des Genrekinos!
Story90%
Schauspieler90%
Spannung93%
Inszenierung93%
92%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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