31 Poster | ©TiberiusFilmWir schreiben den 31. Oktober 1976, den Tag vor Allerheiligen oder auch Halloween genannt. Eine Gruppe Hippies fährt in einem abgewrackten Bus durch das Land, um sich in Zirkuszelten und auf Jahrmärkten ihre Brötchen zu verdienen. Offensichtlich machen sie das auch schon eine ganze Weile, denn der bunte Haufen zankt und lacht miteinander wie eine Familie. Und genau diese enge Bindung werden sie auch schon bald brauchen, denn als die Nacht hereinbricht, werden sie von vermummten Gestalten überwältigt und zu einem Ort verschleppt, an dem sie sich eigentlich wie zuhause fühlen müssten: Ein Rummel. Allerdings müssen die Damen und Herren von der Flowerpower Fraktion bald feststellen, dass es sich hier vielmehr um die Perversion dessen handelt, womit sie sonst ihr Geld machen. Nur eines ist wie gehabt: Es geht um Spiel und Spaß. Blöd nur, wenn dies bedeutet, dass man sich zwecks Belustigung irgendwelcher reichen Schnösel von (gelinde gesagt) geistig verwirrten Killern durch ein Labyrinth aus Wahnsinn und Gewalt jagen lassen muss. Ach ja, einen Namen hat dieses “Kill me if you can” auch: 31.

Wenn es eine Sache gibt, die Zottelkopf Rob Zombie beherrscht, dann ist es Film- und Musikfans zu polarisieren. Das trifft auch bzw. vor allem auf die jeweiligen Zielgruppen seiner Künste zu. Die Einen sind der Meinung, dass er immer nur kopiert und einzig durch seinen provokanten Stil auffällt, die Anderen feiern ihn aufgrund seines Hangs zum Extremen, Dreckigen und Ungeschönten. Ich zähle mich spätestens seit seinem Regiedebüt Haus der 1000 Leichen zu letztgenannter Gruppe. Für mich ist dies bis heute einer der wenigen Streifen, die mir durch ihre kranke Inszenierung und die abgrundtief bösen Antagonisten den Boden unter den Füßen weggezogen haben. Hier gibt es einfach nichts Schönes und das Teil wird zu 100% von düsteren Bildern, Blut sowie Ideen dominiert, die nur von jemandem stammen können, dessen Augen bereits durch die Pforten der Hölle geblickt haben. Klingt pathetisch, aber genau so habe ich das bei der Erstsichtung empfunden. Als dann mit The Devil’s Rejects das Sequel erschien, war ich zwar immer noch angetan, aber so sehr wie der Erstling konnte mich dieses Werk nicht mehr umhauen. Dennoch war Zombie’s Handschrift unverkennbar und auch das darauffolgende Remake von Halloween konnte mich überzeugen. Danach habe ich aber keinen weiteren seiner Filme gesichtet. Umso gespannter war ich also auf 31, vor allem, weil ich wissen wollte, ob er zwischenzeitlich “verweichlicht” oder seiner abgedrehten Bildsprache treu geblieben ist. Was von beidem zutrifft, erfahrt ihr jetzt sofort…ihr müsst nur weiterlesen;)

Der Streifen wird mit einem Monolog von Richard “Doom-Head” Brake (Kingsman – The Secret Service) eröffnet, dem der Wahnsinn in die Augen geschrieben steht. Während er redet, schaut er direkt in die Kamera, wodurch der Eindruck entsteht, dass er direkt zum Zuschauer spricht. Sowohl dieses Intro als auch der darauffolgende Vorspann, der die Hauptdarsteller im Stile einer Super 8 Aufnahme einführt, bauen eine klasse Atmosphäre auf, welche im Anschluss bravourös von den Protagonisten weitergetragen wird. Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass sich die Story, welche einmal mehr aus der Feder des Regisseurs selbst stammt, um eine so abgefuckte wie sympathische Gruppe dreht. All das er-

innert wieder sehr an den altbekannten Stil von Rob Zombie, was jedoch vielmehr ein Plus- als ein Kritikpunkt ist. Der Bursche versteht es eben, Charaktere zu zeichnen, die man mag, obwohl, oder vielleicht auch gerade weil sie anders, derb und einfach gestrickt sind. Erfreulich ist außerdem, dass es für Kenner seiner Filme ein Wiedersehen mit so manch bekanntem Gesicht gibt. Seine Frau Sheri Moon gehört ja ohnehin zu seinem Stammcast, aber auch einige der anderen Darsteller hat der Industrial Musiker schon früher vor der Kamera gehabt: Jeff Daniel Phillips sowie der großartige Malcom McDowell waren unter anderem in Halloween II zu sehen und Meg Foster spielte in Lords of Salem mit. Das ist insofern eine Erwähnung wert, als das man gerade diesen Schauspielern anmerkt, dass sie Zombie’s Stil kennen und diesen entsprechend auf die Leinwand transportieren können. Aber auch der restliche Cast versteht es, die kranke Geschichte mit einer entsprechend bizarren Darbietung zum Leben zu erwecken. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle nochmal Richard Brake, der einen 1A Psychopathen abgibt. Schade ist nur, dass Sid Haig dieses Mal nicht an Bord ist. Er hat ja in fast allen Filmen von Rob Zombie mitgespielt, sodass ich auch hier wenigstens einen kleinen (Cameo-)Auftritt von ihm erwartet hätte…aber sei’s drum.

Bevor ich aber abschweife, noch ein paar Worte zu der Inszenierung. Während mir die raue Bildsprache, das Produktionsdesign sowie Maske und Make-Up sehr gut gefallen haben, fand ich es ärgerlich, dass die Ortswechsel sehr entlarvend in Szene gesetzt wurden. So sind die Protagonisten in einer Szene in einem Zirkuszelt und in der nächsten, ohne jeglichen Übergang, in einer von Rohren durchzogenen Halle. Storytechnisch macht das Sinn, allerdings ist der Bruch zwischen den Locations so stark, dass es mit zunehmender Laufzeit immer offensichtlicher wird, dass die Schauspieler sich nun an einem ganz anderen Set befinden. Im Film ist das ja nun nicht unüblich: In einer Szene steht ein Darsteller beispielsweise vor einem Haus, in der nächsten sieht man aus dem Inneren des Gebäudes, wie er dieses betritt. Das beide Aufnahmen an vollkommen unterschiedlichen Drehorten gedreht wurden, fällt jedoch nicht auf, da dies meist durch einen geschickten Schnitt und die entsprechende Beleuchtung gut kaschiert wird. Bei 31 gelingt beides nicht wirklich und vor allem die an sich tolle Idee, jede der Locations in eine andere Farbe zu tauchen, verstärkt diesen Eindruck noch zusätzlich. Schade, denn so wurde ich immer wieder aus dem Erzählfluss gerissen. Hinzu kommt das teils unglaubwürdige Verhalten von Charly (Sheri Moon Zombie) und ihren Freunden. Direkt zu Beginn des “Spiels” werden sie beispielsweise von einem kleinen Nazizwerg gejagt und laufen in Panik vor ihm davon. Also ich habe ja weiß Gott nichts gegen Kleinwüchsige, aber in dieser Situation wirkte die Flucht einfach etwas lächerlich…so einen laufenden Meter tritt man im Zweifel einfach um!

Trotz dieser Kritikpunkte hatte ich meinen Spaß mit dem Streifen, was vor allem dem rohen Stil zu verdanken ist, der mich sehr an die früheren Rob Zombie Werke erinnert hat. Wer also noch nach einem neuen Film für das diesjährige Geisterfest sucht, der sollte sich für Ende Oktober schonmal einen Kinobesuch eintakten, denn am 27.10.2016 kommt das Teil in die hiesigen Lichtspielhäuser.

Manege frei für ein paar Bilder!

Lasset die Spiele beginnen!

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"Hier gibt es nichts zu lachen - bitte weitergehen!"

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Ist einfach immer gut gelaunt: Malcom McDowell.

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Da kommt ein Clown aus'm Heu (tralalala).

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Werden wohl keine besten Freunde mehr: Richard Brake und Sheri Moon Zombie.

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31: Ein knüppelhartes Spiel! (Sheri Moon Zombie).

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Nein, dieser Mann ist kein Vampir...und ganz dicht im Kopf ist er auch nicht.

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Bis einer einen Finger verliert! (Mitte: Lawrence Hilton-Jacobs, rechts: Irgendeine gruselige Puppe)

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Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: 31 | Regie: Rob Zombie | Drehbuch: Rob Zombie | Darsteller: Sheri Moon Zombie, Malcom McDowell, Elizabeth Daily, Meg Foster, Richard Brake | Produktion: Albert T. Dickerson III, Eric Thirteen, Bradley Curneal | Freigabe: FSK 18 | Uncut: Ja | Spieldauer: 102 Min. | Verleih: Tiberius Film/24 Bilder | Kinostart Deutschland: 27.10.2016
https://www.youtube.com/watch?v=AhHadWdp7oE
31 (2016)
Prädikat: Dreckig, brutal und bizarr - Rob Zombie entführt uns einmal mehr in seine kranke Welt des Wahnsinns.
Story65%
Schauspieler85%
Spannung80%
Inszenierung78%
77%Wertung
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