Was passiert eigentlich nach dem Tod? Seit Menschengedenken wünschen wir uns auf diese Frage eine Antwort. Fahren wir, je nachdem, wie wir unser Leben verbracht haben, in den Himmel oder die Hölle? Werden wir wiedergeboren? Ist es vielleicht einfach vorbei, dunkel, wie wenn man eine Lampe ausknipst? Oder wandeln wir als Geister über die Erde? Seit jeher hat die menschliche Phantasie zahllose Theorien über das jenseitige Da- bzw. Nichtsein hervorgebracht und diese finden sich im kreativen Output einer jeden Epoche wieder. Für die Neuzeit trifft das vor allem auf Filme zu. Gerade in den letzten Jahren war der Tod im Kino so präsent wie selten zuvor. Egal ob Zombies, Vampire, Geister oder gar der Tod selbst – das Leben danach ist bei Freunden des Films wieder ganz weit oben dabei. Auch After.Life, das Spielfilmdebut der polnischen Regisseurin Agnieszka Wojtowicz-Vosloo, macht dies zum zentralen Thema. Ich hatte den Streifen schon eine ganze Weile auf dem Radar. Am Wochenende habe ich ihn mir dann endlich mal gegeben und möchte euch meine Eindrücke natürlich nicht vorenthalten;)

Anna (Christina Ricci) und Paul (Justin Long) stecken in einer echten Beziehungskrise. Missverständnisse am laufenden Band und Veränderungen im Leben beider rütteln an der trauten Zweisamkeit. An einem Abend, den Paul sich eigentlich ganz anders vorgestellt hatte, kommt zu einer weiteren Auseinandersetzung in deren Folge Anna sich wutentbrannt in ihr Auto setzt und losfährt. Was dann geschieht dürfte nicht schwer zu erraten sein: Es kommt zu seinem Unfall, der für Anna tödlich endet. So zumindest der erste Anschein. Schon kurze Zeit später erwacht sie auf einem Metalltisch, während der Bestatter Eliot Deacon (Liam Neeson) sie gerade für ihre Beerdigung vorbereitet. Dieser setzt, auch nachdem die vor ihm Liegende plötzlich anfängt mit ihm zu sprechen, unbeeindruckt seine Arbeit fort. In den folgenden Gesprächen mit Anna beteuert Eliot immer wieder, dass sie tot sei und vom Leben ablassen müsse. Lediglich er könne sie aufgrund einer besonderen Gabe verstehen und mit ihr sprechen. Am Wahrheitsgehalt dieser Aussage zweifelt aber nicht nur die vermeintlich Tote, sondern bald auch der Zuschauer…

After.Life ist ein sehr ruhiger Film, was jedoch noch lange nicht heißt, dass er spannungsarm ist. Größtenteils folgt man den Geschehnissen im Bestattungsinstitut, wo Anna sich immer wieder auf’s Neue dagegen sträubt zu glauben, dass sie tot sein soll. Diese Frage ist es auch, die die Spannung stets aufrecht erhält, denn regelmäßig werden Hinweise gestreut, die den Zuschauer mal dahin tendieren lassen, dass Eliot ein geisteskranker Serienmörder ist, nur um kurze Zeit später wieder Argumente dafür liefern, dass Anna wirklich eine Art Übergang zwischen Leben und Tod erfährt. Das diese Frage am Ende auch nicht abschließend geklärt wird, öffnet gar den Raum für Interpretationen. Innerhalb der Laufzeit von 1 3/4 Stunden weist der Film zwar die eine oder andere Länge auf, kann dies aber durch eine klassisch-gruselige Atmosphäre ausgleichen und gibt den Schauspielern genügend Zeit um ihre Rollen zu entfalten. Insbesondere Liam Neeson besticht einmal mehr durch intensives Schauspiel und auch, wenn man über die Person des Bestatters wenig erfährt, schafft Neeson es alleine durch seine ruhige Darstellung, der Figur die notwendige Tiefe zu verleihen. Am Ende bleibt ein Film, der zwar nicht überragend ist, aber durch eine tolle Atmosphäre besticht und es einmal ruhig angehen lässt. Ist ja heute in diesem Genre auch nicht mehr unbedingt üblich;)

Prädikat: Atmosphärischer Grusler nach alter Schule.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.