Angriff der Lederhosenzombies | Cover ©capelightZombies: Seit einigen Jahren sind die wandelnden Gammelfleischkameraden (wieder) unglaublich populär. Der nicht enden wollende Hype hat dazu geführt, dass sie zwischenzeitlich neben dem Horrorfilm auch in allen möglichen anderen Genres auftauchen. Egal ob Komödie (Shaun of the Dead), Schnulze (Warm Bodies), Grindhouse (Planet Terror) oder Found Footage (The Bay): Kaum ein Bereich der Kinolandschaft wurde noch nicht infiziert. Damit kratzen wir allerdings erst an der Oberfläche des Themas, denn wenn es um das Auftreten der immer hungrigen Gesellen geht, zeigen sie sich nochmal ein gutes Stück flexibler. Mal schlurfen sie schlafwandlerisch umher, mal rennen sie wie die Bekloppten auf ihre Opfer zu. Dabei ist es ihnen egal, ob sie als Nazis (Dead Snow), als Fußballfans (Goal of the Dead) oder sogar als Tiere (Zombiber) auftreten (um nur ein paar Beispiele zu nennen): Hauptsache ist, es kommt Fleisch auf den Tisch! Und so sehr ich mich auch jedesmal frage, wenn ein neuer Zombiestreifen im Kino oder den Läden erscheint, was denn jetzt noch Neues kommen soll, so wenig scheint den Filmschaffenden aller Herren Länder die Inspiration für frische Ideen auszugehen. Ein gutes Beispiel dafür ist Dominik Hartl’s Alpensplatter Angriff der Lederhosenzombies. Ich durfte mir das Teil schon vor dessen Veröffentlichung am kommenden Donnerstag anschauen und werde dir in den folgenden Zeilen verraten, ob der Inhalt so spaßig und „durch“ ist, wie der Titel verspricht…

Franz (Karl Fischer) ist Hotelier in einem Touristengebiet für Skifahrer. An sich ist das ja eine feine Sache, zumal er dort arbeiten darf, wo andere Urlaub machen. Doch seit einigen Jahren stellt er fest, dass es zunehmend wärmer wird, in der Hauptsaison weniger Schnee fällt und er über kurz oder lang um sein Geschäft fürchten muss (diese dämliche Erderwärmung). Um dem entgegenzuwirken entwickelt er Solanum, eine Flüssigkeit, mit der er seinen eigenen, künstlichen Schnee erzeugen kann. Für die Massenproduktion braucht er jedoch einen Investor. Daher hat er sich den reichen Chekov (Kari Rakkola) in der Hoffnung eingeladen, dass dieser ihm den Zuschlag gibt. Während der Vorführung seiner Erfindung kommt es allerdings zu einem folgenschweren Zwischenfall: Anstatt auf die Piste, schießt ein Teil der grünen Brühe in das Gesicht des Russen, dem es in den kommenden Stunden sichtlich schlechter geht und in dessen Gesicht sich eine unangenehm ausgeprägte Form des Herpes entwickelt (mit Eiterfüllung…nur für’s Kopfkino;). Parallel zu diesen Ereignissen findet sich ein kleines Filmteam in der Region ein, um einen Werbeclip zu drehen. Doch gerade Snowbordfahrer Steve (Laurie Calvert, The Quiet Ones), der Star der Show, nimmt die Angelegenheit nicht ganz so ernst, wie seine Freundin Branka (Gabriela Marcinková, Byzantium), welche ebenfalls Teil der Crew ist, sich das wünscht. Dieses Problem tritt allerdings ganz schnell in den Hintergrund, als die Gruppe beim abendlichen Umtrunk auf eine gar unfreundliche Partygesellschaft trifft…

Also eines muss man Regisseur und Drehbuchautor Dominik Hartl lassen: Was er hier mit einem verhältnismäßig kleinen Team auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich. Denn obwohl der Titel als auch die Story seinen Streifen u.a. in das Trashgenre einordnen lassen, trifft dies mitnichten auf die Inszenierung zu. Die Darsteller machen einen klasse Job, der Look ist alles andere als billig, das Produktionsdesign weiß zu überzeugen, die Masken sowie das Make-Up sind hochwertig und die größtenteils handgemachten Effekte wurden hervorragend umgesetzt. Dass man ab und an deutlich erkennt, wenn Aufnahmen vor dem Greenscreen entstanden sind, fiel für mich nicht groß ins Gewicht, da der Film sich generell nicht allzu ernst nimmt und es so wieder stimmig ist. Auch bezüglich der Splattereinlagen kommen Gorehounds gerade im letzten Drittel voll und ganz auf ihre Kosten, was jedoch nicht heißen soll, dass alles, was davor kommt, zu vernachlässigen ist. Dafür sorgt das kreative Drehbuch, welches Hartl zusammen mit Armin Prediger geschrieben hat. Zwar hätte ich mir eine etwas höhere Gagdichte gewünscht, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Besonderes Lob geht an dieser Stelle noch an Paul Gallister, dessen fantastischer Retro-Soundtrack leider nur selten eingesetzt wird, und Margarete Tiesel, die einen herrlich amüsanten „Rita-minator“ gibt.

Dass das Bild am Ende nicht ganz so rund ist, liegt vor allem daran, dass man sich dazu entschieden hat, den Film bis auf wenige Ausnahmen auf englisch zu drehen. Gerade bei dem Titel hatte ich große Hoffnungen auf ein weiteres Genrewerk der Marke Blutgletscher. Hier hat mir seinerzeit besonders gut gefallen, dass man sich dazu entschlossen hat, die Schauspieler komplett in ihrer Muttersprache sprechen zu lassen. Das machte Marvin Kren’s Streifen nicht nur authentisch, sondern auch äußerst originell und das, obwohl man nicht immer alles verstanden hat;) Sicher lässt sich das mit einem internationalen Cast nicht umsetzen, aber wenigstens bei der Vertonung für das nationale Publikum hätte man österreichische Synchronsprecher zum Einsatz bringen können, anstatt (zumindest, wenn ich von dem Trailer ausgehe) auf Hochdeutsch zu setzen. Naja, zumindest kann man sich beim O-Ton an dem wunderbar trolligen Englisch der alteingesessenen Österreicher erfreuen;)

Ansonsten bekommt der Film von mir schon alleine deswegen eine klare Kaufempfehlung, weil er zeigt, wie man mit Kreativität, Humor, dem richtigen Team und einem ordentlichen Schuss Wahnsinn selbst einem arg abgenutzten Genre noch neue Facetten abgewinnen kann.

Einmal Fotos „Rot-Weiß“, bitte!

"Mein Herr, das sollte sich mal ein Augenarzt anschauen!"

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Rockt wie Sau: Margarete Tiesel aka Rita-minator!

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Blut und Schnee, ja das ist schee (hossa!)

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Haben sich die Aprés-Ski-Party anders vorgestellt: Laurie Calvert und Gabriela Marcinková.

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Zusatzinfos | Herkunftsland: Österreich | Originaltitel: Attack of the Lederhosenzombies | Regie: Dominik Hartl | Drehbuch: Dominik Hartl, Armin Prediger | Darsteller: Laurie Calvert, Gabriela Marcinková, Oscar Dyekjær Giese, Margarete Tiesel | Produktion: Markus Fischer | Freigabe: FSK 18 | Uncut: ja | Spieldauer: 74 Min. | Verleih: Capelight | Produktionsjahr: 2016 | DVD/BD VÖ: 24.02.2017
Angriff der Lederhosenzombies (2017)
Prädikat: Ein herrlich abgedrehter Zombiespaß mit einigen erfrischenden Ideen. Prost!
Story70%
Schauspieler80%
Unterhaltung85%
Inszenierung80%
79%Wertung
Leserwertung: (1 Judge)
100%

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