Als Cineast kann man schon einmal den Überblick über die jährlich stattfinden Filmfestivals verlieren und auch das Horrorgenre ist schon lange keine Randerscheinung mehr auf diesen vielbesuchten Events. Das ist auf der einen Seite eine sehr erfreuliche Entwicklung, die Kehrseite der Medaille ist allerdings, und vielleicht kennt ihr das ja, dass man irgendwie immer das Gefühl hat etwas zu verpassen, egal wie sehr man versucht auf dem Laufenden zu bleiben. Es freut mich daher immer wieder auf’s Neue, wenn ich euch auf Filme oder Events aufmerksam machen kann, die man als Genrefreund definitiv im Auge behalten sollte. Daher möchte ich heute euer Augenmerk auf das Filmfestival in Braunschweig richten, welches vom 11.-16. November stattfinden wird. Ganz besonders möchte ich auf das Werkstattgespräch zu dem Film German Angst hinweisen, der 2015 in die deutschen Kinos kommen soll.

Der Titel klingt ja recht bizarr und sobald man die Namen hinter dem Projekt erfährt, darf man auch davon ausgehen, dass der Film selbst ebenfalls aus dem Rahmen dessen fallen wird, was im Kino so geläufig ist. Niemand Geringeres als Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marschall haben sich zusammengetan um diesen Episodenfilm zu erschaffen, den sie in drei Teilen erzählen, von denen jeder einen übernehmen wird. Aber bevor ich näher auf German Angst eingehe, nochmal ein kurzer Rückblick zu dem bisherigen Schaffen dieser kreativen Köpfe.

German Angst
German Angst

Jörg Buttgereit ist ein echter Tausendsassa: Egal ob Kino, Theater, Hörspiel oder Filmkritik – ist man an jenen Themen interessiert, kommt man nicht umhin, auf diesen Regisseur, Schauspieler und Autor zu stoßen. Ich persönlich hatte meine ersten Berührungspunkte mit seinem Schaffen, als ich auf seine Kolumne in der Filmzeitschrift Deadline aufmerksam geworden bin. Dies ist selbstverständlich nur ein kleiner Teil seines kreativen Gesamtkunstwerks. Neben zahlreichen Kurzfilmen hat er bei Titeln wie Nekromantik und Der Todesking Regie geführt und das Drehbuch geschrieben. Auch das Theater bekam in den vergangenen Jahren regelmäßig Nachschub von ihm (bspw. Captain Berlin vs. Hitler und Der Elefantenmensch).

Michal Kosakowski kennt man vor allem aus dem Bereich der Kurz- und Experimentalfilme. Sein Debütfilm Zero Killed von 2011 wurde auf über 40 Filmfestivals gezeigt. Auch Dokumentationen (bspw. Just Like the Movies von 2006) und Videoinstallationen (also z.B. die Präsentation von Videomaterial auf mehreren in einem Raum verteilten Monitoren als künstlicherische Ausdrucksform) gehören zu seinem Portfolio. So bringt er also ebenfalls ein breitgefächertes Portfolio ein und man darf gespannt sein, wie Michal Kosakowski’s Visionen den Film bereichern werden.

Der dritte im Bunde, Andreas Marschall, ist auch schon viel rumgekommen und war zunächst als Kunstmaler, Schallplatten-Illustrator sowie Regisseur von Musikvideos (u.a. für Guano Apes, In Extremo und Kreator) tätig. Nach seinem Debütfilm Tears of Kali landete er 2011 mit Masks gleich den nächsten Volltreffer. Beide Werke beziehen sich auf die „fehlgeleiteten künstlerischen und gesellschaftlichen Experimente der 70er Jahre“ (EPD Film) und formen sie zu einer ganz eigenen Dimension des Horrors.

Wie ihr seht, kommt mit German Angst ein Filmprojekt von drei äußerst erfahrenen Genre-Regisseuren auf uns zu und wir dürfen gespannt sein…aber auf was eigentlich? Darüber werden die Herrschaften persönlich im Werkstattgespräch berichten. Fest steht schomal, dass wir uns auf drei Geschichten über Liebe, Sex und Tod freuen dürfen, die den Horrortraditionen der 20er Jahre huldigen. Aus dieser Filmzeit seien Referenzwerke wie Der Golem oder Nosferatu genannt. Es darf also davon ausgegangen werden, dass 2015 etwas ganz Großes auf uns zukommt und ich bin gespannt, was ich euch in den nächsten Monaten noch über German Angst berichten kann.

German Angst
German Angst

Um die Vorfreude noch mehr zu schüren, zeigen die drei Genrekenner auf dem Filmfestival Braunschweig in ihrer Retrospektive „German Angst at Midnight“ fünf Streifen, die sie schockiert und zu ihrem neuen Werk inspiriert haben. Andreas Marschall kuratiert bspw. die Filme Es geschah am hellichten Tag mit Heinz Rühmann und den Heimat-Horrorfilm In drei Tagen bist du tot 2. Michal Kosakowski zeigt The Boys from Brazil mit Gregory Peck als Nazidoktor Mengele, der versucht Hitler zu klonen. Außerdem bringt er Im Glaskäfig nochmal auf die große Leinwand, der von Klaus, einem Naziarzt handelt, welcher nach einem Selbstmordversuch vom Nacken abwärts gelähmt ist und sich, als er einen jungen Pfleger an die Seite bekommt, als Pädophiler Mörder herausstellt. Jörg Buttgereit stellt Possession vor, ein Beziehungsdrama mit großartigem Cast (u.a. Sam Neill und Isabelle Adjani).

In drei Tagen bist du tot II (c) Miguel Dieterich
In drei Tagen bist du tot II © Miguel Dieterich

So wird sich die Vorstellung des Projekts German Angst über das gesamte Filmfestival erstrecken. Eine tolle Idee, wie ich finde und ich hoffe, ich konnte auch euer Interesse wecken. Wer also in der nächsten Woche noch nichts vor hat und offen für Filme ist, die über den Tellerrand hinausblicken, der weiß, was er zu tun hat…auf nach Braunschweig!;)

Sollte ich Neuigkeiten über das vorgestellte Projekt erfahren, werdet ihr es natürlich als Erste erfahren.

Hier geht es zur Webseite des Filmfestivals in Braunschweig: KLICK.

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