Wer kennt das nicht? Es ist gerade langweilig, gibt nichts zu tun, also schaut man mal in den App-Store, den Google Play Store und ähnliche, was es so neues an Spielen oder netten kleinen Helferlein für den Alltag gibt. Zwischenzeitlich kann man mit dem Handy oder dem Tablet ja auch so ziemlich alles machen: Vergessen die Rollläden runterzumachen? Mal eben die Überwachungskameras am Haus checken? Kontostand prüfen? Alles kein Problem mehr. Und so einfach und hilfreich diese Technik auch ist, sie birgt ebenso offensichtliche Risiken. Mehr als jemals zuvor begeben wir uns in eine Abhängigkeit, die schon lange nicht mehr überschaubar ist. Zudem präsentieren wir in den sozialen Netzwerken und den Apps, die zwischenzeitlich ja fließend ineinander übergehen (Stichwort: Mit Facebook Account registrieren!), unser Privatleben auf dem Silbertablett. Jetzt mal ganz ehrlich: Wer von euch hat noch einen Überblick darüber, wo er sich überall registriert hat, welche Daten angegeben wurden und wie all diese Anmeldungen unter Umständen miteinander verknüpft sind? Kürzlich kam ein Kollege zu mir und war ganz überrascht, dass ich für all meine Anmeldedaten noch ein Büchlein (also die Dinger mit dem Einband und viel weißem Papier dazwischen) mit mir herumtrage, wo ich doch sonst so technikaffin bin. Es gäbe ja mittlerweile zahlreiche Software, in der man so etwas speichern kann. Schon, so meine Antwort, eine App ist mir da allerdings einfach zu unsicher…aber angesichts dessen, dass ich in vielen Bereichen meines Alltags genau dieses Risiko eingehe, käme es darauf eigentlich auch nicht mehr an. Und im Grunde kann man sich dieser Entwicklung auch gar nicht mehr entziehen, da sie schon lange nicht mehr nur dazu dient, uns zu helfen, sondern sie ist in vielerlei Hinsicht ein Must-have geworden. Die damit verbundenen Bedenken und Ängste werden heutzutage auch immer wieder über das Medium Film be- und verarbeitet. App nimmt sich nun konkret dem titelgebenden Thema an und ist zugleich der erste Second-Screen-Film…wat?! Second-Screen? Ok, eins nach dem anderen…erst zur Story, die zugegebenermaßen sehr schnell zusammengefasst werden kann:

Psychologiestudentin Anna wacht nach einer durchzechten Nacht in ihrem Bett auf. Ihr erster Blick geht auf’s Handy, wo sie von der App „Iris“ begrüßt wird. Auch, wenn Anna sich nicht daran erinnern kann, diese installiert zu haben, lässt sie sich auf einen Versuch ein. „Iris“ fordert sie zunächst immer wieder auf, ihr Fragen zu stellen, die sie anhand von Daten aus dem Internet auch prompt beantwortet („Ok Google“ lässt grüßen). Seltsam ist dabei jedoch unter anderem, dass das kleine Programm nicht nur reagiert, wenn Anna es braucht, sondern auch von selbst aktiv wird. Kurze Zeit später werden beschämende Videos, die jedoch keiner bewusst aufgezeichnet hat, über Whats App & co. scheinbar wie von Zauberhand verteilt. „Iris“ scheint also mehr zu sein, als ein kleines Helferlein auf dem Smartphone…und sie hat gerade erst angefangen…

Bevor man App in vollem Umfang genießen kann, bedarf es etwas Vorbereitung. Zunächst sollte man die dazugehörige Software herunterladen, die sinnvollerweise auch genauso heißt: App. Super, wie soll man das denn bitte in einem APP-Store

finden? Am besten geht man über Google oder man nutzt folgenden Link für die Androidversion (KLICK) oder diesen hier für die iOS Nutzer unter euch (KLICK). Hier sind die Links zu den gängigsten App-Stores zu finden. Das Teil ist mit knapp 80 mb (iOS) auch nicht so groß. Danach öffnet man „Iris“ und und stellt das Smartphone/Tablet in die Nähe des Fernsehers oder der Boxen. Warum? Die App registriert über das Gerätemikrophon, an welcher Stelle des Films man sich gerade befindet, was allerdings etwas oldschool wirkt. Hinzu kommt, dass es mitunter auch notwendig sein wird, den Ton etwas lauter zu stellen. Bei mir hat es auf etwas höherer Zimmerlautstärke aber gut funktioniert. Beim ersten Start der App flimmert erst einmal ein grünes Buchstabenwirrwarr über das Display, so als ob sich das Programm jetzt erst installieren würde. Sehr cool! Als nächstes erscheint ein…naja, nennen wir es mal ein mechanisches Auge – und das war’s. Und nun? Die ersten zwei Minuten hatte ich ja ernsthafte Zweifel, ob das auch so reibungslos funktioniert, als es jedoch im Film zu einem Zugunglück kommt, erscheint plötzlich (und erstaunlicherweise ohne spürbare Verzögerung) ein passender Zeitungsartikel auf meinem zweiten Bildschirm. Alter…das war schonmal irgendwie…krass! Noch viel geiler kamen folgende Sequenzen, die zwar nichts über die Story verraten, jedoch zugunsten derer, die sich den Film anschauen und den Aha-Effekt bewahren wollen, in den Container kommen;)

[spoiler]Eine Szene wird auf beiden Monitoren zunächst exakt gleich gezeigt, dann wechselt aber auf dem Fernseher die Perspektive, während der vorher eingeleitete Kameraschwenk auf dem iPad einfach weitergeführt wird und ein Haus zeigt, in welchem die nächste Szene spielt.[/spoiler]

[spoiler]Ohne erkennbaren Zusammenhang, erscheint auf meinem iPad der Wählbildschirm und eine Nummer wird wie von selbst eingegeben (es wird natürlich nicht wirklich gewählt). Wenige Sekunden später klingelt bei einem Kerl im Film das Handy. Als er abnimmt, erklingt nur eine gruselige, verrauschte Stimme.[/spoiler]

Obwohl schon alleine diese Idee das große Highlight des Films ist, zumal sie auch noch sehr gut funktioniert, hat man sich auch sonst nicht lumpen lassen. Die Schauspielleistungen sind durchweg klasse und auch der Wandel Annas (Hannah Hoekstra) vom zurückhaltenden Mäuschen zur Kampfsau war bei weitem nicht so unglaubwürdig, wie ich im ersten Moment befürchtet habe. Zwar fragte ich mich an ein paar Stellen, warum zum Teufel denn jetzt nicht anders reagiert wird und auch das abrupte Ende nach nicht einmal 80 Minuten war etwas enttäuschend. Diese Kritikpunkte verschmerze ich jedoch gerne angesichts dessen, dass es sich bei App nicht nur um plumpe Unterhaltung, sondern ein echtes Filmerlebnis handelt.

 

 
Hinweis: Ab sofort könnt ihr unten eure eigene Wertung zu dem Film abgeben. Dafür müsst ihr nicht auf B.M.T.H. registriert sein. Einfach auf der Leiste eine Wertung anklicken (erscheint, wenn ihr mit dem Mauszeiger über die Leiste geht).

App (2013)
Prädikat: Eine großartige Filmerfahrung am Puls der Zeit!
Idee & Umsetzung87%
Schauspieler83%
Story75%
Spannung80%
81%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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