Zwei junge Frauen sitzen in einem Café und unterhalten sich über dies und das: Tassen…Zigaretten…Außerirdische. Das Übliche eben. Schnell wird klar, dass sie an all diesen Themen irgendetwas auszusetzen haben, was sie durch den inflationären Gebrauch von immer gleichen Schimpfwörten kundtun. Doch wer soll etwas an den Missständen ändern? So schnell, wie die Frage gestellt ist, so flott ist sie nach einem direkten Blick in die Kamera auch schon wieder abgebügelt, um sich im Anschluss erneut der Hasstirade auf scheinbar alles und jeden zu widmen…

Was will uns Jaschar L Marktanner mit diesem, von ruhigen Klavierklängen untermalten Kurzfilm in schwarz-weiß sagen? Es ist ein schmaler Grat, auf dem er sich bewegt, da die Message, welche er transportieren möchte, nicht so einfach zu greifen ist. Dies liegt vor allem an der doch sehr knapp bemessenen Laufzeit von gerade mal 4 Minuten, in der man sich zu Beginn fragt, warum da zwei Damen (Kira Mathis, Mary Krasnoperova) sitzen, die ständig nur am Fluchen sind. Doch dann gibt es plötzlich diesen einen Moment, in dem die 4. Wand durchbrochen wird und die Intention des Regisseurs und Drehbuchautors zutage tritt: Sein Short soll all jenen den Spiegel vorhalten, die sich in genau der gleichen Manier nur allzu gerne in die Spirale aus Wut und Hilflosigkeit ob einer vermeintlich ausweglosen Situation begeben. Es ist dieses Gehabe, welches ja auch und vor allem von einer gewissen Tageszeitung mit vier großen Buchstaben bis auf’s Unausstehlichste kultiviert wird, das Jascher L Marktanner anprangert. Dafür steht auch der Titel AUFDRUCK, wobei man gut daran getan hätte, es bei dem ursprünglichen und besser passenden Begriff LABEL zu belassen: Man verpasst den Problemen eine möglichst simple Etikette, schreit sie mit niveaulosen Formulierungen in die Welt hinaus und vermeidet es tunlichst, eine Lösung anzubieten, das eigene Hirn anzustrengen oder (Gott bewahre!) den Arsch hochzukriegen, um eine Besserung herbeizuführen…ach nö, dann doch lieber schauen, was die Anderen machen. Diese Denke, welche mit dem nur allzu unangenehmen Blick der Protagonistinnen direkt in die Kamera visualisiert wird, ist nicht nur wenig hilfreich, sondern im schlimmsten Falle destruktiv. Dabei bietet sich den beiden Frauen bei der Abrech-

nung sogar noch die Möglichkeit, sich zumindest über die “zu kleinen Tassen” zu beschweren. Aber nein, man lächelt der Bedienung lieber falsch ins Gesicht, gibt ein fettes Trinkgeld und fängt, kaum das der Angestellte von dannen gezogen ist, wieder mit dem Geläster an. Das solch verlogene Charaktereigenschaften derzeit nur allzu populär sind, beweisen ja auch die kürzlich stattgefundenen Wahlen in Übersee. Es ist bitter und wird hier so ungefiltert wie schmerzhaft real dargestellt.

Doch so sehr das Gezeigte auch zum Fremdschämen einlädt, muss man sich im Anschluss an diesen Kurzfilm fragen, wieviel davon vielleicht in einem selbst steckt.

Neben der brandaktuellen Drehbuchidee gibt es auch an ihrer Präsentation kaum etwas zu bemängeln. Vor allem die Musik von Lukas Grepel möchte ich an dieser Stelle positiv erwähnen. Zusammen mit dem an Arthouse Filme erinnernden schwarz-weiß Look hebt sie zwischen all dem Gefluche gekonnt den ernsten Subtext  hervor. Abgerundet wird die Inszenierung durch das bodenständige Schauspiel der beiden Hauptdarstellerinnen, die dem Zuschauer ihre unsympathischen Figuren in angebrachter, abgefuckter Manier vor den Latz knallen. Alldem steht einzig die bereits erwähnte, kurze Laufzeit entgegen. Mit einem 10-Minüter hätten sich bestimmt noch mehr Möglichkeiten ergeben, um das Thema etwas intensiver zu veranschaulichen. Aber auch so ist AUFDRUCK ein gelungenes Werk mit wichtigem Inhalt.

Kürzlich ist das Teil auch öffentlich zur Verfügung gestellt worden und kann auf Youtube gesichtet werden (siehe hier). Nehmt euch ruhig mal die paar Minuten, um euch selbst eine Meinung zu bilden;) Ich für meinen Teil habe es nicht bereut.

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Originaltitel: LABEL | Regie: Jaschar L Marktanner | Drehbuch: Jaschar L Marktanner | Darsteller: Mary Krasnoperova, Kira Mathis | Produktion: Jaschar L Marktanner | Freigabe: Ungeprüft | Uncut: Ja | Spieldauer: 4 Min. | VÖ: 12.09.2014 | Link zum Kurzfilm: Youtube
AUFDRUCK (2014)
Prädikat: Gut inszenierter Short mit zeitgemäßem Subtext.
Inhalt75%
Schauspieler70%
Inszenierung75%
73%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

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