Bericht zur Sichtung von Banshee Chapter

Banshee Chapter

Einleitung

Ich sitze zuhause in meinem abgedunkelten Wohnzimmer. Draußen scheint die Sonne und ich habe richtig Bock auf das Kontraprogramm: Heute soll auf der Mattscheibe mal wieder ein echter „Schocker“ laufen. Ich nehme nochmal die Bluray Hülle zur Hand. In großen Buchstaben prangt die Aussage „Absolut furchteinflößend“ auf dem Cover – aber das muss noch lange nichts heißen, wie mich die Erfahrung gelehrt hat. Meist bedeutet es lediglich, dass der Film alles andere als gruselig ist. Aber es kam mir zu Ohren, dass dieser hier wirklich gut sein soll, also drücke ich auf Play…

Die Geschichte dreht sich um die Studentin Anne, welche sich um ihren Freund und Kommilitonen James sorgt. Dieser hat die Droge DMT-19 zu sich genommen. Angeblich soll die CIA damit in den Jahren von 1953 – 1970 im Rahmen des MKUltra-Programms illegale Experimente an Menschen durchgeführt haben um unter anderem die Möglichkeit der Gedankenkontrolle zu erforschen. Die letzte Aufnahme von James, in der er DMT-19 einnimmt, zeigt verstörende Bilder. Etwas ist schief gegangen. Aber was? War da kurzzeitig ein Schatten, eine fremdartige Präsenz im Hintergrund zu sehen? Annes‘ Freund meinte vorher noch, etwas komme auf das Haus zu. Dann ein Cut und plötzlich dieser schreckliche Anblick, die Hilferufe…

Seit dem Start sind jetzt gerade einmal fünfzehn Minuten vergangen und der erste Schreck hat gesessen…

Der Trip

Nur wenige Minuten später folgt der nächste, fein säuberlich vorbereitete Jump Scare. Als ich dieses mal zusammenzucke zieht ein stechender Schmerz durch meine Schulter, der mich auch Tage später noch an diesen Film erinnert. Der Arm steht für die restliche Laufzeit unter Beobachtung. Das ist auch gut so, denn Banshee Chapter hält noch einige Überraschungen bereit und auch, wenn nicht jeder Schreckmoment sitzt, ist es zumindest der Weg dorthin, der mir ein ums andere mal einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Gekonnt wird mit der Kamera gearbeitet, die das Geschehen im Dokumentarstil verfolgt. Größtenteils wird auf das typische Found Footage Wackelbild verzichtet, wofür ich in diesem Fall dankbar bin. Die Szenerien sind meistens dunkel, was zur beklemmenden Atmosphäre beiträgt und für zusätzliche Anspannung sorgt. Ich kenne das Gefühl, wenn ein Film so gruselig ist, dass ich mir nur noch wünsche, er möge endlich vorbei sein. So weit treibt es dieser hier nicht und doch erzeugt er ein stets präsentes Unwohlsein. Das es der Geschichte und den Charakteren an Tiefgang mangelt kümmert mich nicht weiter. Ich will mich gruseln! Gleichzeitig möchte ich aber auch wissen, wohin mich der Debütfilm von Blair Erickson noch führt. Was hat es mit der Droge auf sich? Warum werden alle, die sie einnehmen von scheinbar übernatürlichen Erscheinungen heimgesucht? Steckt tatsächlich ein Funken Wahrheit hinter der Geschichte, wie Originalaufnahmen aus den 70er Jahren glaubhaft machen sollen?

Geheime Experimente

Das Finale ist nicht ganz das erhoffte Fright Fest und wartet mit einem wenig drastischen Twist auf. Dennoch zucke ich auch in der letzten Viertelstunde noch ein paarmal zusammen. Der Film hat die aufgeworfenen Fragen beantwortet, aber eines möchte ich doch gerne noch wissen: Wieviel Wahrheit steckt in der Geschichte um die MKUltra-Experimente? Also schaue ich mir noch die Extras an, die allerdings recht übersichtlich geraten sind. In einem Interview behauptet Blair Erickson unter anderem, dass sein Drehbuch tatsächlich von wahren Begebenheiten inspiriert wurde. Erzählen kann der ja viel, also grabe ich noch etwas tiefer und werde fündig. In der Tat gab es ein von der CIA durchgeführtes Programm unter dem Namen MKUltra, bei dem teils ahnungslose Menschen unter Drogen gesetzt wurden, um die Möglichkeiten der Bewusstseinskontrolle zu erforschen. Dies gipfelte in einen Skandal, als Anfang der 70er Jahre Unterlagen zu den Experimenten an die Öffentlichkeit gelangten. Allerdings ließen sich daraus keine Rückschlüsse auf übernatürliche Ereignisse ziehen. Die meisten offiziellen Dokumente zu dem Projekt wurden seinerzeit aber auch von der CIA vernichtet, also wird es nie möglich sein, einen allumfassenden Einblick in die damaligen Forschungen zu erhalten. Es darf jedoch davon ausgegangen werden, dass es sich bei Banshee Chapter zum größten Teil um ein rein fiktives Werk handelt. Allerdings hat der Film insbesondere durch die sehr gut eingebauten Originalaufzeichnungen meine Neugier hinsichtlich der realen Hintergründe geweckt. Und so ließ er mir auch Tage später, als ich den Artikel über MKUltra gelesen habe, noch einen kalten Schauer über den Rücken laufen…

 

[otw_shortcode_info_box border_type=“bordered“ border_color_class=“otw-black-border“ border_style=“bordered“ shadow=“shadow-down-right“]Zusatzinfos | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 87 Min. | Studio: Koch Media GmbH | BR/3D BR/DVD VÖ: 12.02.2015[/otw_shortcode_info_box]

Banshee Chapter (2013)
Prädikat: Unheimliche Inszenierung eines dunklen Geheimdienstkapitels.
Story76%
Schauspieler78%
Inszenierung85%
Spannung92%
83%Gesamtwertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.