Before I Wake | Poster ©CapelightNach dem Tod ihres Sohnes sind Mark (Thomas JaneDeep Blue Sea) und Jessie (Kate BosworthBlack Rock) nur noch ein Schatten ihrer selbst. Der Schmerz sitzt unendlich tief und selbst der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe bringt keine Besserung. Erschwerend kommt hinzu, dass alle Versuche, ein zweites Kind zu bekommen, gescheitert sind und es ganz danach aussieht, als sei ihnen auch in Zukunft kein weiterer Nachwuchs vergönnt. Für beide ist jedoch klar, dass ihr gemeinsames Glück nur zu dritt komplett ist. Also bewerben sie sich als Adoptiveltern und dürfen wenig später den kleinen Cody (Jacob TremblayRaum) als neues Familienmitglied willkommen heißen. Zunächst scheint es auch so, als würde es endlich wieder bergauf gehen…bis das Ehepaar eines nachts Dinge zu sehen beginnt, die so unglaublich wie wundervoll sind und vor allem Jessie gegen jede Vernunft neue Kraft geben. Nach einigen Tagen kippen die Hoffnung spendenden Ereignisse allerdings und aus dem anfangs kunterbunt strahlenden Farbenspiel erwächst ein tiefschwarzer Albtraum, welcher allen Dreien nach dem Leben trachtet.

Mit seinem neuesten Film Before I Wake beweist Regisseur, Drehbuchautor und Cutter Mike Flanagan (StillOculus), wie gut Horror mit Versatzstücken anderer Genres, in diesem Fall dem Drama, funktionieren kann. Und hier liegt auch die Crux seines Werkes, denn anders als beispielsweise bei Jennifer Kent‘s Der Babadook, welcher seine bodenständige und traurige Botschaft als Subkontext formulierte, ganz oberflächlich betrachtet aber ebenso als Gruselschocker zu funktionieren wusste, ist der dramatische Unterton hier sehr viel präsenter und greifbarer. Dies geht jedoch mitunter zu Lasten des Horrors, welcher zwar zweifelsohne vorhanden ist und mit einigen gut platzierten Spannungsmomenten sowie vereinzelten Jumpscares zu gefallen weiß, allerdings aufgrund des visuell recht freundlichen, ersten Drittels etwas spät in die Gänge kommt. Was andere nun als Längen bezeichnen mögen, stellte sich für mich als ein effektives und keineswegs langweiliges Mittel heraus, um die Kerngeschichte langsam zu entfal-

ten, den Zuschauer quasi damit einzulullen, und schließlich mit einer sehr realen als auch, psychologisch gesehen, interessanten Auflösung zu konfrontieren, die mich nicht nur ergriffen, sondern gar zu Tränen gerührt hat.

Der Star der Show ist dabei weder der großartige Thomas Jane noch seine Kollegin Kate Bosworth, wenngleich beide eine anständige Performance abliefern.

Schlussendlich ist es dann aber der kleine Jacob Tremblay, dessen fantastisches Schauspiel Flanagan’s Werk zu einem wahrhaftigen Horrordrama macht.

Bereits mit seinem ersten Auftritt kommt der junge Knirps so glaubwürdig und liebenswert rüber, dass man ihn einfach mögen muss. Umso schrecklicher wiegen daher auch die Ereignisse, die ihn schon eine Weile und nun auch seine Adoptiveltern heimsuchen. Man will einfach nicht, dass diesem zerbrechlich wirkenden Menschen, der offensichtlich schon zu viele schlimme Dinge erlebt hat, noch mehr aufgebürdet wird. Ich hoffe inständig, dass dieser “Zauber” in der synchronisierten Fassung nicht verloren geht (gesehen habe ich nur die Originalversion), da Tremblay vor allem durch seine Sprache und seine Stimme zu überzeugen weiß.

Before I Wake ist ein Film, an den man am Besten ohne große Erwartungshaltung herangeht, da er weder Grusel noch Tragik in Reinkultur verkörpert. Stattdessen bedient er beide Elemente auf Augenhöhe und verbindet sie zu einem sowohl spannenden als auch ergreifenden Genremix. Im Übrigen empfehle ich euch bei Interesse an diesem Streifen, den Trailer vorher nicht zu sichten, da dieser so manchen Jumpscare vorwegnimmt und zu sehr den Eindruck eines überwiegend horrorlastigen Werks vermittelt. Falls ihr euch vorab doch ein Bild machen möchtet, dann werdet ihr unterhalb dieser Review fündig;)

(Alp-)Traumhafte Bilder

Was ist Traum und was Realität?

©Capelight Pictures

Wunderschöne Ereignisse markieren die Ruhe...

©Capelight Pictures

...vor dem Sturm.

©Capelight Pictures

Nachts unter das Bett zu schauen, ist in solchen Filmen nicht die beste Idee.

©Capelight Pictures

Können Sie ihre Traumata gemeinsam überstehen?

©Capelight Pictures

Liefert ganz großes Kino ab: Jacob Tremblay.

©Capelight Pictures

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Before I Wake | Regie: Mike Flanagan | Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard | Darsteller: Thomas Jane, Jacob Tremblay, Kate Bosworth | Produktion: Mali Elfman, David S. Greathouse, Lew Horwitz | Freigabe: Ut.b.a. | Uncut: t.b.a. | Spieldauer: 97 Min. | Verleih: Capelight (Central) | Kinostart: 10.11.2016
Before I Wake (2016)
Prädikat: Ein fantastischer Alptraum, der nach dem Erwachen zur tragischen Realität wird.
Story85%
Schauspieler87%
Spannung80%
Inszenierung80%
83%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.