Sam und Tommy sind Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Während Sam Karriere beim Militär gemacht hat, kommt Tommy gerade auf Bewährung aus dem Knast. Kurze Zeit später wird Sam nach Afghanistan geschickt, wo es zu einem verheerenden Zwischenfall kommt. Während zuhause alle glauben er sei tot, ist Sam in die Fänge von Terroristen geraten, die ihn unmenschlicher Folter aussetzen. Nach mehreren qualvollen Monaten wird er schließlich befreit und kehrt nach hause zurück…Er wird jedoch nie mehr der sein, der er einmal war…

Regisseur Jim Sheridan (“Get Rich or Die Tryin´”) hat mit “Brothers” einen Anti-Kriegsfilm geschaffen, wie ich ihn so noch nicht gesehen habe. Sheridan führt den Zuschauer zunächst in eine Familie ein, wie sie (nach Hollywood-Maßstäben) typischer kaum sein könnte: Der Vater Hank ist ein ehemaliger Militärangehöriger voller Stolz auf seinen Sohn Sam, der in dessen Fußstapfen getreten ist und gleichzeitig ein glückliches Familienleben mit seiner Frau Grace und 2 Töchtern führt. Tommy hingegen ist das schwarze Schaf und Hank wird nicht müde ihm dies gegen den Kopf zu werfen.

Als es zu dem Unglück in Afghanistan kommt zeigt sich deutlich, wie sehr alle Betroffenen versuchen sich in der neuen Situation zurecht zu finden. Hier kommt es nun unerwartet zu einem Wandel von Tommy, der anfängt sich anstelle seines Bruders um dessen Familie zu kümmern. Sehr gut ist, dass sich das Drehbuch dabei nicht in irgendwelchen Romanzen zwischen dem abtrünnigen Bruder, der langsam erwachsen wird, und seiner Schwägerin verliert, sondern den Focus auf der ursächlichen Tragödie beibehält. So wird parallel gezeigt, was Sam in Gefangenschaft erlebt. Bereits hier beginnt ein intensiver Gefühlswechsel, der bis zum Ende des gut 100 minütigen Films stetig zunimmt. Während zuhause die Familie langsam wieder zusammenwächst und Tommy eine engere Beziehung zum Vater aufbaut, erlebt Sam in Afghanistan die Hölle auf Erden. Das Tommys´Charakterwandlung und generell dieser Teil des Films etwas gerafft wirken macht nur Sinn, denn auch dies kann man als Vorbereitungsphase auf das letzte Drittel betrachten. Hier wird es schließlich intensiv, spannend, traurig und teils nur schwer erträglich.

Brothers - Grace und IsabelleNatalie Portman und Bailee Madison trumpfen mit einer großen Leistung auf!

Das “Brothers” diese starke Sogwirkung entwickelt und mich zum Ende hin fast im Minutentakt hat schwer durchatmen lassen liegt vor Allem an den großartigen Schauspielern: Jake Gyllenhaal (Tommy), Tobey Maguire (Sam) und Natalie Portman (Grace) bieten eine atemberaubende Performance und mich wundert es, dass aus den 2 Golden Globe Nominierungen keine Auszeichnung geworden ist. Das alle 3 Schauspieler ihr Werk überdurchschnittlich beherrschen dürfte längst klar sein…was sie hier jedoch bieten bügelt einen förmlich durch die Wand. Während Gyllenhaal und Portman die ersten beiden Drittel voll auftrumpfen können und Maguires´ Schauspiel eher zweitrangig ist dreht dieser danach umso mehr auf…und dann ist es im wahrsten Sinne des Wortes autemberaubend und so intensiv, dass ich nicht mehr wusste, wohin mit den Gefühlen. Eine zerrissene Persönlichkeit so glaubhaft darzustellen ist eine wahre Meisterleistung. Mein Kompliment! Auch erwähnt werden sollte Bailee Madison, die Isabelle, Sams´ älteste Tochter, darstellt. Das junge Mädel spielt einfach großartig und vermittelt bravourös die enge Bindung zu ihrem Onkel Tommy. Auch sonst wird bis in die kleinste Nebenrolle ganz großes Kino geboten.

Brothers - SamTobey Maguire in Höchstform…

Musikalisch hält man sich zurück und setzt ganz gezielt an wenigen Stellen im Film Musik als Mittel zum Zweck ein. Hierdurch wurden meine Emotionen noch zusätzlich intensiviert, sodass ich förmlich gezwungen wurde mich vollends der Atmosphäre von “Brothers” hinzugeben…

So ergibt sich schlussendlich, dass entgegen vielen anderen Anti-Kriegsfilmen, die oftmals noch relativ locker daher kommen, “Brothers” einen mit voller Wucht trifft und gnadenlos vor Augen führt wie schlimm Krieg sein kann – und ist.

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