Es gibt solche Bands, die einen von früher Jugend an begleiten und immer für einen ganz besonderen Abschnitt im Leben stehen. Für mich ist Bush so eine Band und insbesondere deren „Sixteen Stone“ hat sich einen ganz besonderen Platz in meiner persönlichen Liste der besten Alben gesichert. Ich erinnere mich noch an einen Urlaub an der Nordsee, der an sich eigentlich überhaupt nicht schön war…dieses Album aber schafft es immer wieder, dass ich mit einem Lächeln an diese Zeit zurückdenken kann.

Später folgte „Razorblade Suitcase“, dass ich fast genauso liebte. Mit der 1999er Platte „The Science of Things“ konnte ich mich leider nie so richtig anfreunden. Großartige Songs wie „The Chemicals Between Us“, „40 Miles From The Sun“ und dem textlich erschreckend wahren und daher genialen „The Disease Of The Dancing Cats“ waren leider die Ausnahme und konnten das sonst recht steife Album für mich leider nicht retten. „Golden State“ ging dann komplett an mir vorbei…

Vor einigen Wochen dann stehe ich im Laden und erblicke vollkommen überrascht „The Sea of Memories“…naja, eigentlich entdeckte ich einfach nur eine CD-Hülle auf der neben etlichen unentzifferbaren Symbolen das Wort „Bush“ stand. Krass, die Band gibt’s ja wirklich noch, war es doch 10 Jahre lang still um sie geworden. „TSOM“, um den Titel mal abzukürzen, war gekauft, doch ich wartete nach der über 10 Jahre zurückliegenden, aber doch noch präsenten, durchwachsenen Erfahrung erstmal eine Weile bis ich die Scheibe in den Player schob…konnten die Bush-Songs anno 2011 die Band wirklich nochmal ins Rennen schicken?

Erstes Anhören: Geil! Die Platte rockt, ist dabei aber wieder schön melodisch und die Stimme von Gavin Rossdale so großartig und unverkennbar wie eh und je. Gleichzeitig scheint das Teil auch richtig abwechslungsreich zu sein…aber gut, der erste Kontakt mit einem Album hat schon oft den falschen Eindruck vermittelt…

…also gleich nochmal von vorne. Wie bei einer verschwommenen Sicht, die erst langsam aufklart werden nach und nach einzelne Facetten, darunter viele Höhen und ein paar Tiefen hörbar. „TSOM“ geht zwar sofort ins Ohr, aber irgendwas ist da noch, irgendwie…

…und nach mittlerweile dutzendfachem Durchhören weiß ich es: Es ist Bush! Ganz klar und eindeutig, die Band ist zurück und ich möchte fast behaupten so stark wie seit „Sixteen Stone“ nicht mehr. Und dabei haben sie sich definitiv weiterentwickelt, wagen Neues, bleiben sich dabei selbst treu und bügeln den Hörer mit ihrem Grunge nach 10 Jahren Band-Abstinenz mal eben dermaßen durch die Wand, als wäre nichts gewesen. Manch einer, der sich halt unbedingt das Maul darüber zerreißen will, könnte jetzt zu recht behaupten, dass sich fast schon zu viele poppige Töne in den Vordergrund drängen. Stimmt, denn selbst nach so häufigem Anhören gibt es immer wieder diese Stellen bei denen ich denke: „Oh fuck, bitte jetzt nicht noch mehr, sonst schafft ihr´s in die Hitparade“…aber zum Glück beweisen Bush soviel Feingefühl für Melodien, das genau im richtigen Moment wieder der fette Grunge einsetzt (wofür ja in der Regel schon eine Vibration von Rossdales´ Stimmbändern reicht). Oder es kommt mal eben der treibende Rock durch die Kopfhörer geschossen, das einem die Ohren schlackern. Jepp, Bush lassen es jetzt auch mal wieder lockerer angehen und vielleicht ist genau das die Belohnung für die lange Wartezeit. Es fühlt sich an, als sei ein Knoten geplatzt und sie spielen einfach mal wieder, als wäre es das Einzige, was sie wollen!

Bereits der Opener „The Mirror Of The Signs“ peitscht angenehm flott und lässig durch die Boxen und in dem Moment, wo Rossdale einsetzt, fühlt man sich ganz zuhause. Es folgen die ganz und gar „bushigen“ „The Sound Of Winter“ und „All My Life“. Bevor man jedoch „alles wie früher“ sagen kann knallt einem „The Afterlife“ entgegen bei dem es schwer sein dürfte still zu halten und nicht laut mitzusingen. Danach wird es ruhig und man darf sich in das wunderschöne „All Night Doctors“ fallen lassen. „Baby Come Home“ und „Red Light“ sind zwei Lieder, die ganz knapp an der Pop-Falle entlang schrammen, letzten Endes aber doch noch die Kurve bekommen. „She´s A Stallion“ könnte von „The Science Of Things“ stammen – aber in geil! Ebenso „I Believe In You“, das zunächst etwas disharmonisch daherkommt, seine Wirkung aber erst nach mehrmaligem Hören vollends entfaltet. Mit „Stand Up“ wird so langsam das Finale eingeleutet – sehr eingängig, aber gleichsam vertraut und vor Allem in den kleinen Details großartig! „The Heart Of The Matter“ ist Bush pur. Was, schon fast vorbei?! Leider ja, denn „Be Still My Love“, dass ganz ruhig und von Streichern begleitet eine wunderschöne Fortsetzung des 2001er Songs „Letting The Cables Sleep“ sein könnte, ist schließt das Album.

Und nun sitze ich in der Bahn und schaue nach draußen. Ein viel zu milder Winter wirft endgültig das Handtuch und macht dem Frühling Platz. Die Landschaft zieht an mir vorüber und ich drücke auf Play – „The Mirror Of Things“ – wieder. Ich bekomme nicht genug von diesem Album und es wirkt fast so, als hätte ich schon lange keine Musik mehr gehört, die mich so liebevoll an die Hand nimmt und mit sich zieht. Obwohl, damals, „Sixteen Stone“…

…Gavin Rossdale singt „[…]the sound of winter[…]“ und hier, an dieser einen Stelle muss ich ihm wiedersprechen…das ist Sommer.

Euer /anawak

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Über den Autor

Film- und Seriennerd, Musikliebhaber, Hörspielverrückter, Zocker und ein kleiner Dichter. Als Inhaber von B.M.T.H. möchte ich euch besondere Werke aus diesen Bereichen vorstellen. Außerdem werden hier erstmals meine selbstgeschriebenen Gedichte veröffentlicht. Wenn ihr mehr über mich und das Projekt B.M.T.H. erfahren wollt, dann besucht doch einmal den Bereich "Über mich";)

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