Wir erinnern uns: Mit Cabin Fever 2: Spring Fever hat Ti West das Regie-Erbe von Eli Roth angetreten und ein Sequel zu dessen (unter Kultverdacht stehendem) Cabin Fever verfilmt, das zwar über Mittelmaß lag, letztendlich aber nicht ganz überzeugen konnte, was hauptsächlich an der fehlenden konsequenten Umsetzung lag. An der zweiten Fortsetzung versucht sich nun Kaare Andrews, der bislang erst einen abendfüllenden Film herausgebracht hat, welcher für mich jedoch eine absolut positive Überraschung war (Altitude – Tödliche Höhe). Ansonsten kennt man ihn eher aus dem Bereich der Kurzfilme und als Comiczeichner für eine (gelinde gesagt) erfolgreiche Marke, die mit “M” anfängt und mit “arvel” aufhört;) Was also macht er aus dem Stoff um den Virus, der die Haut Blasen schlagen und sich schließlich ganz abschälen lässt? Kann er dem Original gerecht werden? Finden wir es heraus…

Cabin Fever: Patient Zero beginnt sehr spektakulär mit einer Reihe toller Zeitlupensequenzen. In Schutzanzüge vermummte Gestalten stürmen eine Hütte, in der sie einige übel zugerichtete Leichen und einen scheinbar unversehrten Mann finden. Diesen bringen sie in eine Forschungseinrichtung auf einer kleinen Insel. Es handelt sich nämlich um den namengebenden Patient Null, der den Virus in sich trägt, jedoch dagegen immun zu sein scheint. In einer Reihe von Versuchen möchte das Team von Dr. Edwards (Currie Graham, u.a. bekannt aus Pompeii) ein Heilmittel gegen die Krankheit finden. Parallel dazu kommt auf dem nicht weit entfernten Festland eine Hochzeitgesellschaft zusammen. Bräutigam Porter (Sean Astin, den man auch als Sam aus der Herr der Ringe-Trilogie kennt) wird von seinen Kumpels Dobbs (Ryan Donowho, welcher schon in o.g. Altitude mitgespielt hat), Josh (Brando Eaton) und der hübschen Brünetten Penny (Jillian Murray) mit einem Boot zu seinem Junggesellenabschied entführt. Und wo landet die mit Bier und Pott gut bestückte Gruppe? Richtig, auf besagter Insel, wo die Feierstimmung schon bald in Panik umschlägt. Nach dem zweiten Teil habe ich vieles erwartet, aber nicht, dass Cabin Fever: Patient Zero wirklich gut ist! Anstatt sich einfach nur des Namens zu bedienen und mit einem lauwarmen Aufguss des Themas nochmal etwas Geld zu scheffeln, liefert Kaare Andrews mehr als nur Durchschnittsware. Dachte ich zunächst, dass sich die Story einzig auf Rodriguez, den Patienten Null (Ernesto Baez) konzentriert, wechselt die Szenerie schon früh zu der Hochzeitsgesellschaft und öffnet so einen zweiten Erzählstrang. Hier entsteht bereits eine gewisse Spannung, weil die Frage im Raum steht, wie beide Geschichten ineinander laufen werden. Der Streifen hat aber noch mehr zu bieten: Die Darsteller leisten allesamt gute Arbeit, das Inselsetting weiß zu gefallen und lässt mit dem unterirdischen Labor blasse Erinnerungen an den ersten Teil von Resident Evil (gemeint ist das Spiel) aufkommen. Besonders gelungen ist der Mix aus Jump Scares, Splatter und Situationskomik. Die Schreckmomente werden nur vereinzelt, dafür aber sehr effektiv eingesetzt, denn obwohl sie meist vorhersehbar sind, wird bis dahin eine enorme Spannung aufgebaut. Lange ist es her, dass ich während einem Film wirklich mal wieder laut aufgeschrien habe.

Gi mi einen Kuss

“Gi mi einen Kuss!”

In Sachen grafischer Gewalt lässt sich der Film auch nicht lumpen. Zunächst dachte ich, dass man sich zurückgehalten hat, um auch in Deutschland die “Uncut”-Plakette auf das Cover klatschen zu können. Gegen Ende habe ich mich gefragt, wie man den Streifen bei der FSK ungeschnitten mit einer Freigabe ab 18 durchbekommen hat. Mit zunehmender Laufzeit schlägt das Splatterherz höher. Haut wird abgezogen, Arme abgerissen, Blut erbrochen und auch der zweckentfremdete Einsatz eines schwarzen Riesendildos wird Freunden bluthaltiger Filmkost gefallen. Was die Situationskomik angeht, war ich sehr begeistert, wie gut diese in den Film eingebaut wurde. Das funktioniert vor allem deswegen, weil die Charaktere nicht total verblödet sind (was bei Filmen und Fortsetzungen in diesem Genre ja eher an der Tagesordnung ist) und sich auch die Logiklöcher in Grenzen halten. Lediglich an zwei Stellen schießt man etwas über die Stränge. Da besagte Szenen aber im weiteren Verlauf zu den schönsten Splattermomenten des Films führen, sei dies verziehen. Cabin Fever: Patient Zero ist im übrigen, anders als der Titel vermuten lässt, kein Prequel im klassischen Sinne. Die Story weist keine Verbindung zu den anderen Teilen auf und leitet am Ende auch nicht das Original ein. Das könnte man dem Film nun zum Vorwurf machen, mich hat es nicht gestört. Wer also auf technisch einwandfreien Splatter steht, keinen Wert auf eine tiefsinnige Handlung legt und sich ergo einfach mal an einem bluttriefenden Streifen ergötzen möchte, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt, für den ist dieser hier genau richtig! A propos technisch einwandfrei: Wer das notwendige Equipment sein Eigen nennt, der sollte sich die 3D-Version des Films anschauen, die zwar keine Popouts bietet, dafür aber eine tolle Tiefenschärfe und ein klares Bild! Mir ist es unverständlich, wie der Film auf Metacritic im Schnitt gerade mal auf 28/100 Punkte kommt. Geschmäcker mögen ja verschieden sein, aber ich kann die teils vernichtenden Wertungen nicht ganz nachvollziehen. Die wenigsten Punkte erhält man allerdings u.a. von der Los Angeles und der New York Times, was nun auch keine Referenzen für das Genre sein dürften.

 

Zusatzinfos | Originaltitel: Cabin Fever: Patient Zero | Freigabe: FSK 18 | Uncut: ja | Spieldauer: 95 Min. | Studio (Verleih): Tiberius Film | BR/DVD VÖ: 06.02.2014

Cabin Fever: Patient Zero 3D (2014)
Prädikat: Eine Infektion, die Spaß macht!
Story60%
Schauspieler70%
Blutgehalt86%
72%Wertung

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