Carnage Park| 3D Cover ©Tiberius FilmKalifornien im Jahre 1978: In einem kleinen Wüstenkaff kommt ein heruntergekommener Chevrolet auf dem staubigen Parkplatz einer Bank zum Stehen. Der Fahrer, ‘Scorpion’ Joe Clay (James Landry HébertSuper 8) und sein Kumpel Lenny (Michael VillarBigfoot County) ziehen gerade noch genüsslich einen Joint durch, während sie die Einzelheiten ihres Plans durchgehen. Dann steigen sie aus, ziehen sich weiße Säcke über ihre Köpfe und stürmen das Gebäude. Kurze Zeit später finden sich die beiden mit einer Tasche voller Geld auf der Flucht vor der Staatsgewalt. Dass sie sich darüber hinaus mit der jungen Vivian (Ashley BellThe Day) eine äußerst widerspenstige Geisel in den Kofferraum gestopft haben, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Und spätestens, als die Verfolgungsjagd geglückt scheint, stellt sich heraus, dass der eigentliche Trip gerade erst begonnen hat. In der ganzen Hektik hat es sie nämlich auf das Grundstück von Wyatt Moss (Pat Healy) verschlagen. Hierbei handelt es sich um einen bestens ausgebildeten und (gelinde gesagt) wahnsinnigen Scharfschützen, der es gar nicht gerne sieht, wenn man ungefragt seinen Grund und Boden betritt. Sollte dies doch einmal geschehen, macht er sich einen Spaß daraus, die ungebetenen Gäste zu jagen und schließlich auf äußerst unschöne Art zur Strecke zu bringen…

Es wundert mich ein wenig, dass Carnage Park – Willkommen in der Hölle auf dem Cover der deutschen (3D) BluRay/DVD, welche hierzulande am 02.01.2017 erscheint, mit The Hills Have Eyes und The Devil’s Rejects verglichen wird. Zwar finden sich in Mickey Keating‘s (Pod) Geschichte um den amoklaufenden Sniper durchaus Parallelen zu besagten Werken, allerdings sind diese noch am Ehesten im Setting zu finden. Ansonsten sollte man weder touristenschlachtende, entstellte Gestalten, noch eine komplett durchgeknallte Familie erwarten. Stattdessen bewegt sich das hier präsentierte Katz-und-Maus-Spiel sowohl in Sachen Inszenierung, als auch in Bezug auf die Story vielmehr auf einer Ebene mit dem fantastischen Wolf Creek. Das dessen Klasse nicht ganz erreicht wird, liegt vor allem daran, dass Wyatt Moss als Killer nicht so gut zur Geltung kommt, wie Mick Taylor in Greg McLeans Australienthriller. Dabei hat man für diese Rolle mit Pat Healy einen Schauspieler an Bord geholt, der mich nach Ti West‘s The Innkeepers und E.L. Katz‘s Cheap Thrills nun schon zum dritten Mal voll und ganz überzeugen konnte. In Carnage Park zeigt er, dass er nicht nur einen drolligen Hotelangestellten und eine arme Sau drauf hat, die für Geld alles tun würde, sondern auch einen eiskalten Serienmörder glaubhaft verkörpern kann. Das ist auch sehr wichtig für Keating’s Werk, denn ohne Healy’s bedrohliche Präsenz (oft auch einfach nur durch seine Stimme, die hervorragend synchronisiert wurde!), wäre es schwer geworden, dem Zuschauer einen wirklich gefährlichen Jäger zu verkaufen. Dafür fehlt es einfach am Aufbau einer beängstigenden Atmosphäre, wie es McLean anno 2005 so großartig gelungen ist. Im Gegensatz zu Mick Taylor, welcher seinerzeit zunächst als hilfsbereiter Einsiedler mit dem Schalk im Nacken dargestellt wurde, bevor er sein Jagdmesser wetzte, ist Wyatt Moss von Anfang an eindeutig Böse. Hier hätte man sich zu Beginn vielleicht etwas mehr Zeit für eine langsam aber brutal steigende Spannungskurve nehmen sollen.

Doch es gibt noch eine weitere Parallele zu Wolf Creek: Beide Filme basieren laut eigener Aussage auf wahren Begebenheiten. Während man allerdings in Bezug auf den Outbackslasher mittlerweile ein paar Infos zu den tatsächlichen Ereignissen im

Internet findet (siehe beispielweise bei Moviepilot), habe ich trotz längerer Suche nichts zu den in Carnage Park verarbeiteten Geschehnissen gefunden. Vielleicht hat Mickey Keating es in seinem Drehbuch aber auch so gemacht, wie sein Kollege vor 11 Jahren und fasste eine Reihe von Morden, die von unterschiedlichen Tätern begangen wurden, in eine Story mit einem einzigen Killer zusammen. Ich fände es auf jeden Fall spannend, mehr darüber zu erfahren, was angeblich Ende der 70er Jahre in Kalifornien passiert ist. Allerdings wird weder das, noch irgendein anderes Thema in den Extras der Heimkinoversion behandelt, da diese ausschließlich Trailer enthalten – sehr schade!

Und auch, wenn das jetzt so klingt, ist der Streifen alles Andere als Durchschnittskost. Grund hierfür ist vor allem das fesselnde Schauspiel, wobei ich diesbezüglich besonders Ashley Bell nochmal hervorheben möchte. Sie verkörpert die ganz untypische Frauenrolle, in der deutlich mehr Kämpferin als Opfer steckt, sehr stark.

Dieses Gespür für eine realistische Darstellung zeigt sich darüber hinaus in den Nachtszenen gegen Ende. Hier stehen keine Strahler irgendwo hinter einem Stein, die es dem Zuschauer leicht machen, alles zu erkennen, während der Protagonist sich durch das vermeintliche Dunkel tasten muss (so ein Schwachsinn…siehe dazu auch meine Kolumne mit dem Titel Licht und Schatten).

Nein, wir sind gemeinsam mit den Darstellern in der Dunkelheit und müssen uns auf unser Gehör verlassen. Spätestens an dieser Stelle beweist Regisseur und Drehbuchautor Mickey Keating Mut zur Inszenierung abseits des Mainstreams und trifft damit bei mir voll ins Schwarze. Dann hätten wir noch die klasse Songauswahl, welche mich gerade zu Beginn mit einem zufriedenen Lächeln an Pulp Fiction denken ließ, sowie der mal seichte, mal krachende Soundtrack von Giona Ostinello, welcher es sehr gut versteht, die Szenen akustisch immens aufzuwerten. Hinzu kommen einige gut platzierte Jump Scares, die ich in solcher Intensität nicht wirklich erwartet habe, und die grafische Gewaltdarstellung, welche das rote FSK-Siegel absolut rechtfertigt, ohne jedoch den Bogen zu überspannen. Angesichts dieser Highlights kann ich die zuvor genannten Kritikpunkte durchaus verschmerzen und spätestens im letzten Drittel hat mich das nervenaufreibende Finale nochmal dermaßen gepackt, dass die vereinzelten Längen im zweiten Drittel komplett vergessen waren.

Übrigens: Wer darüber nachdenkt, sich die 3D-Version zuzulegen, der sollte sich diese vorher vielleicht besser ausleihen, denn leider handelt es sich erneut um eine mäßige Konvertierung, deren Tiefeneffekte ich schon nach wenigen Minuten gar nicht mehr wahrgenommen habe. Abgesehen davon braucht Carnage Park diese Technik auch gar nicht, um zu überzeugen, denn auch ohne 3D bekommt man hier insgesamt einen spannenden Thriller, der mit zunehmender Laufzeit immer besser wird. In diesem Sinne: Kaufen!

Fotos vom Schützenfest

Nicht der Einzige, der einen an der Waffel hat: 'Scorpion' Joe Clay (James Landry Hébert)

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Der Kapuzenheinz on Tour!

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Muss bald eine schwere Entscheidung treffen: Sheriff Moss (Alan Ruck)

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Steht erst am Anfang eines wahren Höllentrips: Vivian (Ashley Bell)

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Angenehme Gespräche mit freundlichen Bankangestellten (nicht!).

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Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Carnage Park | Regie: Mickey Keating | Drehbuch: Mickey Keating | Darsteller: Ashley Bell, Pat Healy, James Landry Hébert | Produktion: Jaremy Aiello, Brent Aiello-Ortner, Shaul Dina | Freigabe: FSK 18 | Uncut: Ja | Spieldauer: 90 Min. | Verleih: Tiberius Film | DVD/BD/3D BD VÖ: 02.01.2017
Carnage Park - Willkommen in der Hölle 3D (2016)
Prädikat: Wyatt Moss möchte man als Nachbarn nicht geschenkt bekommen. Trotz einzelner Schwächen ein überzeugend inszenierter und sehr gut gespielter Horrorthriller.
Story65%
Schauspieler90%
Spannung80%
Inszenierung88%
3D-Effekte50%
75%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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