Couchsurfers | Poster ©Film FatalMit der Gründung seiner Firma CouchSurfing International Inc. im Jahre 2003 trat der Amerikaner Casey Fenton eine Welle der Begeisterung für den gleichnamigen Trend los, welcher bis heute anhält. Doch um was geht es hier eigentlich? Ganz einfach ausgedrückt, handelt es sich um ein Netzwerk, dessen Mitglieder auf dem dazugehörigen Internetportal kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. Will heißen: Wenn du mal ein Wochenende nach, sagen wir, Berlin willst, aber kein Hotelzimmer bezahlen kannst bzw. möchtest, dann dürfte die Wahrscheinlichkeit recht hoch sein, dass jemand in der Hauptstadt eine Räumlichkeit zum Pofen anbietet. Um diese Option wahrnehmen zu können, muss man sich aber auf der Webseite registrieren und Daten hinterlassen, anhand derer sich der Gastgeber ein Bild von einem machen kann. Andersherum gilt natürlich das Gleiche, also auch der „Einheimische“ muss Informationen von sich preisgeben. Dies und die dazugehörigen Bewertungen untereinander sollen eine gewisse Sicherheit geben, sodass man sich nicht jemanden ins Haus holt oder bei jemandem einzieht, der gar Böses im Sinn hat. Doch so richtig wird man wohl nie wissen, wer die Person hinter dem Profil ist. Die dem „innewohnende“ Gefahr ist es, die Julian Schöneich’s aktueller Kurzfilm behandelt…

Sam (Samira Julia Calder) und Brenda (Natasha Manzungu) wollen ein paar Tage in Hamburg verbringen, um die Stadt und vor allem das Nachtleben zu erkunden. Anstatt sich jedoch ganz tourimäßig mithilfe eines Reiseführers durch die Straßen zu wurschteln, suchen sie den direkten Kontakt zu jemanden, der hier lebt und ihnen quasi aus erster Hand die eine oder andere Empfehlung aussprechen kann. Also ist Couchsurfing angesagt. Ihr Gastgeber ist der freundliche Grinsemann Max (Alexander Bornhütter), welcher sie kurz nach ihrer Ankunft aufgabelt und in seine Wohnung geleitet. Diese macht einen anständigen Eindruck und die Ladies sind begeistert! Nur ins Schlafzimmer zu gehen untersagt ihnen der Hausherr. Gut, warum sollten sie auch, denken sie sich und bereiten sich, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, auf einen feucht-fröhlichen Abend vor. Diesen sollten sie auch genießen, denn schon bald wird es erst ganz hell und dann ganz dunkel um sie herum…

In Couchsurfers verarbeitet Julian Schöneich (Roulette – A Game of ChanceSt. Pauli Zoo) direkt zwei topaktuelle Themen, von denen das erste für den Titel Pate stand und das zweite in pervertierter Form für einen fiesen Twist am Ende sorgt. Hierauf möchte ich allerdings aus Spoilergründen nicht näher eingehen. Nur soviel: Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent hat mich im brutalen, kompromiss-

lose Finale innerhalb weniger Sekunden zweimal überrascht. Zuerst dachte ich, dass er die vierte Wand durchbricht und ich bei meiner Recherche zur Entstehung des Streifens etwas übersehen habe, nur, um kurz darauf von der eigentlichen Auflösung umgehauen zu werden. Sehr stark! Auch sonst liefert er wieder einmal eine tolle Qualität ab: Weder in Sachen Schauspiel, noch in Bezug auf die Inszenierung habe ich etwas zu meckern.

Das Teil schaut, vor allem für eine Independentproduktion, richtig gut aus, die Darsteller machen einen super Job und innerhalb der knapp 17 Minuten Laufzeit kommt anständig Spannung auf.

Im Anschluss hatte ich direkt Blut geleckt und freue mich seitdem auf die beiden quasi-Fortsetzungen, welche in diesem und im nächsten Jahr folgen werden. Dabei wird jeder Teil der Trilogie in sich abgeschlossen sein und das Thema des Missbrauchs von Internetseiten als roter Faden dienen. Episode 2 ist sogar schon abgedreht und wird im Sommer/Herbst 2017 unter dem Titel Honey, I Am Home uraufgeführt. Nummer 3 soll im kommenden Jahr erscheinen. Danach strebt man mindestens eine Veröffentlichung als VOD (Video on Demand), wenn nicht sogar als Retail-Version an. Wer nicht solange warten möchte, sollte einmal die Facebookseiten von Film Fatal und Couchsurfers im Auge behalten, um über zukünftige Kinoaufführungen informiert zu sein. Eine andere Option, sich den Short anzuschauen, gibt es aktuell leider noch nicht.

Tja, und als ich gerade dabei war, den Filmemacher über sein Projekt auszuquetschen, nutzte ich die Gelegenheit und fragte, wie er denn auf die Idee zu dieser Anthologie gekommen ist. Daraufhin meinte er, dass seine Freundin mal als Couchsurferin unterwegs war und diese Erfahrung im Anschluss als (Zitat) „creepy“ bezeichnet hat. Leider ist sie damit nicht alleine, denn schon seit einigen Jahren rankt sich um den Trend so manch düsteres Kapitel, wie beispielsweise das Schicksal einer jungen Urlauberin aus Hongkong, welche von ihrem britischen Gastgeber vergewaltigt und fast ermordet wurde. Doch obwohl Julian Schöneich’s Streifen rein fiktiv (wenngleich aber nicht ganz abwegig) ist und es sich bei solchen Vorkommnissen um die Ausnahme handelt, zeigt sich hier einmal mehr, dass das Leben selbst oft die Vorlage für die grausigsten Geschichten liefert…

Bilder von der Couch

Die beiden Damen lassen es im Nachtleben krachen!

©Film Fatal

Sam und Brenda treffen zum ersten mal auf Max... (Alexander Bornhütter).

©Film Fatal

...und machen sich im Anschluss ein Bild von seiner Behausung.

©Film Fatal

Es sollten nur ein paar schöne Tage werden (vlnr.): Sam (Samira Julia Calder) und Brenda (Natasha Manzungu)

©Film Fatal

Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Originaltitel: Couchsurfers | Regie: Julian Schöneich | Drehbuch: Julian Schöneich | Darsteller: Samira Julia Calder, Natasha Manzungu, Alexander Bornhütter | Produktion: Claire Bouillet, Sebastian Diehm, Julian Schöneich | Freigabe: t.b.a. | Uncut: ja | Spieldauer: 17 Min. | Verleih: Film Fatal | Produktionsjahr: 2016 | Erstaufführung: 14.10.2016 | DVD und/oder Online VÖ: Voraussichtlich 2018 als Trilogie | Soziale Medien: Film Fatal, Couchsurfers | Webseite: Film Fatal
Couchsurfers (2016)
Prädikat: Spannender und kompromissloser Thrill der Marke St. Pauli - läuft!
Story85%
Schauspieler85%
Spannung80%
Inszenierung80%
83%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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