Dark House CoverElf Jahre ist es nun her, seit Tobin Bell in seiner Rolle als Jigsaw Genregeschichte schrieb. Und egal, ob man die sechs Nachfolger von James Wan‘s Meisterwerk SAW nun mag oder nicht: Der in seiner Rolle als krebskranker Spielchentreiber mehrfach totgeweihte Bell hat sich über die Zeit einen Status erspielt, der bei vielen Fans dem eines Robert Englund (Freddy Krüger aus A Nightmare on Elm Street) oder eines Kane Hodder (Jason Voorhees aus Freitag der 13.) gleichzusetzen sein dürfte. Und ähnlich wie diesen beiden Herrschaften hat es sich auch Tobin Bell vorzugsweise im Horrorfilm gemütlich gemacht. Kein Wunder also, dass er in Victor Salva‘s Dark House die Rolle eines sehr undurchsichtigen und düsteren Kerls einnimmt, der eine Gruppe junger Leute in Angst und Schrecken versetzt. Allerdings scheint er nochmal seinen Geräteschuppen durchforstet und neben der Säge auch eine Axt gefunden zu haben, die er hier gleich mal testet. Kann das gutgehen?

Bevor die Action allerdings beginnt, wird der Zuschauer erst einmal mit den eigentlichen Hauptdarstellern bekanntgemacht. Dreh- und Angelfigur ist der 23-jährige Nick (Luke Kleintank), der es im Leben nicht leicht hat. Seinen Vater hat er nie kennengelernt und seine Mutter lebt seit Jahren in einer psychiatrischen Anstalt. Dort frönt sie ihrem Hobby, dem Pillenkonsum. Zu allem Überfluss hat Nick auch noch eine äußerst unangenehme Fähigkeit: Wenn er Menschen berührt, dann sieht er deren Tod vor Augen, allerdings nur, wenn dieser sehr brutal ist. Kein Wunder also, dass der Bursche eher mies gelaunt durch die Gegend läuft und eine Menge Fragezeichen aus seiner Vergangenheit mit sich herumträgt. Als eines nachts jedoch seine Mutter bei einem Brand ums Leben kommt, scheint sich ein Lichtblick am Horizont aufzutun: In ihrem Testament steht, dass Nick ein Haus erbt und zwar nicht irgendeins, sondern genau die Bude, die er seit seiner Kindheit immer wieder gezeichnet hat. Keine Frage, er muss sofort dorthin. Sein bester Kumpel Ryan (Anthony Rey) und seine Freundin Eve (Alex McKenna) begleiten ihn. Nach einigen Verwirrungen, die u.a. mit einer urbanen Legende um das Haus zu tun haben, finden sie das Gebäude schließlich. Dort werden sie von Seth (Tobin Bell) recht unfreundlich in Empfang genommen. Nick kann seine Neugier allerdings nicht im Zaum halten und drängt den Mann, ihn in das Haus zu lassen. Seth lässt ihn widerwillig herein und während die beiden drinnen ein Schwätzchen halten, tauchen draußen plötzlich einige finstere Gesellen mit Äxten auf…

Tatsächlich kann ich nicht mehr über die Story preisgeben, ohne zu spoilern. Aber selbst, wenn diese Gefahr nicht bestünde, würde ich nicht mehr zum weiteren Ver-

lauf erzählen wollen, denn Dark House erlebt man am besten möglichst unvoreingenommen. In seinem Spannungsaufbau hat er mich sogar an den großartigen The Cabin in the Woods erinnert. Interessanterweise nutzen beide Filme auch eine Hütte im Wald als zentralen Bezugspunkt. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Drehbuchautor Charles Agron setzt auf ein anderes Thema und Victor Salva weiß dieses gekonnt umzusetzen. Spätestens mit dem Auftauchen von Seth zieht die Spannung deutlich an und es werden immer neue Fragen aufgeworfen, deren Beantwortung lange auf sich warten lässt und mich sehr gut bei der Stange gehalten hat (obwohl ich wohlgemerkt hundemüde war!). Was hat es mit dem Kerl im Obdachlosenoutfit auf sich? Warum spricht immer wieder eine geheimnisvolle Stimme aus den Wänden? Und warum hüpfen die dunklen Gestalten so irre bekloppt durch die Gegend, während sie Jagd auf ihre Opfer machen?

Die letzte Frage ist nicht nur als Spaß, sondern auch als Kritik zu verstehen, denn das erste Auftreten der axtschwingenden Herrschaften ist äußerst komisch, soll aber scheinbar bedrohlich wirken. Viele Zuschauer werden sich in diesem Moment ein Lachen kaum verkneifen können. Bei der finalen Aufklärung macht das Rumgehampel sogar einen gewissen Sinn und wahrscheinlich konnte es aus Budgetgründen nicht besser umgesetzt werden, aber leider nimmt der Streifen hier und auch im weiteren Verlauf ein wenig die Atmosphäre raus. Ansonsten ist diese aber gut gelungen.

Fans von blutiger Filmkost dürfte es übrigens freuen, dass die rote FSK-Plakette durchaus ihre Berechtigung hat. Die Mordszenen werden zwar nicht inflationär und auch nicht immer explizit gezeigt, Blut gibt es aber dennoch genug. Eine Szene (ich nenne sie mal liebevoll “face off”) erinnert sogar ein wenig an John Carpenter‘s The Thing, weil der hier gezeigte Effekt genauso gut aus dem Klassiker stammen könnte. Auch die Darsteller machen einen anständigen Job, allen voran Tobin Bell, der trotz seiner eher kurzen Screentime wieder einmal unter Beweis stellt, wie gut er in das Genre passt. Hier kann er sein Schauspiel wunderbar ausleben und trägt so bedeutend dazu bei, dass der finale Twist sogar recht gut funktioniert.

Somit ist Dark House zwar kein Meisterwerk, aber definitiv überdurchschnittlich gut. Durch seinen Spannungsaufbau und die recht ungewöhnliche Story hebt er sich von ähnlichen Genrevertretern ab und es sei allen, die sich von langweiligen Covern schnell abschrecken lassen, empfohlen, dem Streifen dennoch eine Chance zu geben. Der Inhalt ist nämlich definitiv nicht langweilig…



Zusatzinfos | Originaltitel:  Haunted | Freigabe: FSK 18 | Uncut: ja | Spieldauer: 102 Min. | Studio (Verleih): Ascot Elite Home Entertainment | BR/DVD VÖ: 24.03.2015

Dark House (2014)
Prädikat: Gut.
Story80%
Schauspieler80%
Spannung85%
Inszenierung75%
80%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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