Das Baumhaus | Cover ©TiberiusFilmCrawford und sein kleiner Bruder Killian sind zwei Lausbuben wie sie im Buche stehen. Insofern kümmert es sie auch nicht weiter, dass ihnen ihre Mutter sagt, sie sollen brav sein, während sie mit ihrem neuen Freund über das Wochenende einen Ausflug macht. Nö, in den Wald fahren und Böller hochjagen ist da doch viel spannender. Und so schwingen sich die beiden auf das Bike, fahren raus in die Natur und warten, bis es dunkel ist – man will schließlich auch möglichst viel von dem Spektakel sehen. Als es schließlich soweit ist, entdecken die beiden im Schein der explodierenden Raketen ein Baumhaus. Sie sind natürlich neugierig und schauen nach, ob es darin irgendetwas Interessantes gibt. Ja, gibt es, allerdings anders, als gedacht: In einer Ecke finden sie die völlig verängstigte und verletzte Elizabeth, die davon berichtet, dass sie ihren verschwundenen Bruder im Wald suchen wollte und dann von etwas Unbekanntem angegriffen wurde. Ohne lange zu zögern macht sich Crawford auf den Weg, um Hilfe zu holen. Als er jedoch nach einigen Stunden noch nicht zurückgekehrt ist, befürchten Killian und Elizabeth das Schlimmste. Klar, jetzt könnte man selbst losziehen, doch da gibt es ein Problem: Sie sind nicht alleine…

Das Baumhaus hatte bei mir schon alleine aus einem Grund gleich zu Beginn einen Stein im Brett: Der Film schaffte es, mich an die Zeit zu erinnern, als ich noch ein junger Frechdachs war (?!), der mit Freunden draußen herumgetollt ist, um allerhand Unsinn anzustellen. In diesem Punkt erinnert Michael G. Bartlett‘s Regiewerk sogar ein bisschen an den großartigen, auf einem Buch von Stephen King basierenden Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommer von 1986. J. Michael Trautmann (Killian) und Daniel Fredrick (Crawford), die bis zu dem Zusammentreffen mit Dana Melanie (Elizabeth) als Hauptakteure agieren, haben diese Nostalgie durch ihr Schauspiel sogar noch verstärkt. Insbesondere von Ersterem war ich begeistert, weil er die Darstellung des introvertierten kleinen Bruders, der mit einigen unschönen Erinnerungen an sein Elternhaus zu kämpfen hat, mit Bravour meistert.

So zeigt sich auch gerade in Bezug auf seine Figur und die Rückblicke in deren Vergangenheit, dass die Protagonisten hier nicht einfach als Mittel zum Zweck eingesetzt werden, was in diesem Genre ja leider allzu oft der Fall ist. Das tut dem Werk insbesondere ab dem Punkt gut, wo Crawford und Killian das Baumhaus betreten, denn nun wird es deutlich ernster und bedrohlicher. Diese Spannung kann auch eine ganze Weile aufrechterhalten werden, da man den Zuschauer lange Zeit darüber im Dunkeln lässt, wer oder was die Angreifer sind und was sie vorhaben. Die bodenständige Auflösung dieser Frage besticht schließlich dadurch, dass sie nicht mehr zu sein versucht, als die Story hergeben würde.

Klingt also alles ziemlich gut. Leider hat der Streifen aber auch mit ein paar Problemen zu kämpfen. Da wären zum Einen die nicht allzu authentischen Dialoge, die mitunter recht zusammenhanglos sind. Die Konversationen schlagen immer wieder Haken, woraus ein äußerst ungewohnter Gesprächsfluss resultiert, der mich ein ums andere Mal aus der Story gerissen hat. Aber auch außerhalb der Dialoge war mir die Logik nicht immer so ganz schlüssig. Schade, denn das geht auch auf Kosten der an sich tollen Atmosphäre. Der zweite Kritikpunkt ist das Ende (keine Sorge, ich bleibe spoilerfrei), wo Drehbuch und Regie das Feingefühl, welches man zuvor bei dem Mysterium um die geheimnisvollen Gestalten noch an den Tag legte, abhanden kommt. Da wird einem innerhalb von fünf Minuten ein Finale vor die Füße gerotzt, das so unpassend wie over the top ist. Als der Film dann auch noch relativ plötzlich zuende war, brauchte ich erst einmal eine Weile, um mir klar zu werden, ob und wie sehr diese Kritikpunkte meinen positiven Eindruck von Bartlett’s Werk mindern. Nun sind ein paar Tage vergangen und ich habe Das Baumhaus als einen spannenden und im Grundton sehr atmosphärischen Streifen mit guten Darstellern in Erinnerung, der in den Details und im Finale leider etwas schwächelt. Dennoch möchte ich euch die Empfehlung aussprechen, dem Teil eine Chance zu geben.

 

Bilder aus dem Baumhaus

Lausbuam on Tour!

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Neue Trendsportart: Abhängen.

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Home sweet home - oder doch nicht?

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Erinnerungen. (Clint James)

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Sucht nach einem Ausweg: J. Michael Trautmann

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Die Grillsaison ist eröffnet!

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Jetzt werden andere Seiten aufgezogen.

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Völlig erschöpft: Dana Melanie.

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So ein Wald kann ein gefährliches Pflaster sein.

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Betreten verboten!

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Was hat es mit diesem Licht wohl auf sich?

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Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Treehouse | Freigabe: FSK 18 | Uncut: Ja | Spieldauer: 100 Min. | Verleih: Tiberius Film | DVD/BD VÖ: 14.04.2016

 

Das Baumhaus - Betreten verboten! (2014)
Prädikat: Einfach mal was Anderes und trotz der Fehler definitiv sehenswert.
Story70%
Schauspieler80%
Spannung80%
Inszenierung65%
Atmosphäre80%
75%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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