Nach einem traumatischen Erlebnis in seiner Kindheit hat Chris Angst vor der Dunkelheit und lebt zurückgezogen in einem Pariser Apartment. Als im Fernsehen von einem Kometen berichtet wird, der an der Erde vorüberziehen soll, denkt er sich nichts weiter dabei. Auch den Worten eines zugegebenermaßen wenig glaubwürdigen Obdachlosen, der eine Invasion prophezeit, schenkt er keine weitere Beachtung. Anstatt in Panik zu verfallen, bandelt er lieber mit der hübschen Claire an, die gegenüber wohnt. Diese überredet ihn schließlich, sie zu einer Party anlässlich der Kometenapokalypse zu begleiten. Aller Angst vor der Nacht zum Trotz überwindet Chris sich also und geht zu der Fete. Was er nicht weiß ist, dass vor 10 Jahren schon einmal ein solcher Komet die Erde passiert hat und zwar in eben jener Nacht, in der sein Vater wie von Sinnen mit einem Messer auf die Mutter losgegangen ist. Nun droht sich die Geschichte zu wiederholen…

Das low-budgetierte Filme mit großen Vorbildern werben, ist ja weiß Gott nichts Neues. Die Billigfilmschmiede The Asylum macht das regelmäßig, in dem sie ganz frech Titel von Blockbusterproduktionen leicht umwandelt (Snakes on a TrainTransmorphersDeath Racers…klingelt’s?). Aber auch Aussagen wie “Für Fans von blablablub” zieren regelmäßig die Cover und versprechen meist vieles, wobei wenig gehalten wird. Zu letzterer Gattung darf sich auch David Cholewa‘s Dead Shadows zählen. “Frankreichs Antwort auf Attack the Block” prangt hier schön auffällig neben dem Titel. Würde ich es nicht besser wissen, hätte diese Aussage alleine schon mein Interesse geweckt, denn schließlich ist der Monstas-in-da-hood vs. Gangstas-with-tha-hoody-Streifen von Joe Cornish mit das Beste, was das Kino in Sachen Creature-Party-Horror in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Und ganz so falsch ist dieser Vergleich ja nicht einmal. Ähnlich wie in Attack the Block, kommen auch in Dead Shadows die Lebewesen aus dem All mit einem Kometentaxi zu uns, um in einer Nacht ihr Ding gegen die Menschen abzuziehen. In beiden Filmen werden letztere ziemlich überrumpelt und müssen sich mit dem zur Wehr setzen, was das private Waffenarsenal so hergibt. Ok, und das war es dann schon mit den Gemeinsamkeiten.

In nahezu allen weiteren Belangen steht Dead Shadows zu Attack the Block wie Mega Shark vs. Giant Octopus zu Jaws.

Das liegt insbesondere am augenscheinlich viel geringeren Budget. Bis auf wenige Ausnahmen merkt man dies vor allem an den schauspielerischen Leistungen. Zwar konnte man die Hauptrollen mit recht fähigen Leuten besetzen (glücklicherweise kann gerade Fabian Wolfrom als Chris noch am meisten überzeugen), danach geht es aber rapide bergab. Da gruselte es mich zwischenzeitlich schon alleine aufgrund der echt miesen Performance. In den Kampfszenen fällt das besonders auf. Dies wird dann noch hervorragend durch eine auffällig schlechte Vertonung abgerundet und spätestens nachdem man zum dritten mal den exakt gleichen und dazu noch videospielähnlichen Sound

hört, wenn jemand mit dem Baseballschläger auf die Mütze bekommt, darf man sich zurecht fragen, ob sich da ein Virus in die Audiosoftware geschlichen hat. Will man sich nun nicht ob solcher Kleinigkeiten ärgern, lädt dazu schlussendlich die Synchro ein. Ich habe wirklich noch nie einen französischen Film absichtlich über weite Strecken im O-Ton angeschaut, aber nach den ersten 15 Minuten konnte ich nicht mehr. Gerade die nicht nur vollkommen asynchrone, sondern auch höllisch grottige Vertonung einer Nachrichtensendung hat es mir angetan. Das Kind fällt in diesem Punkt schließlich nur deswegen nicht gänzlich in den Brunnen, weil man auch hier wenigstens für die Hauptrollen einigermaßen vernünftige deutsche Sprecher engagieren konnte. Wäre der Film von oben genannter Z-Movie Schmiede, würde ich all das komplett abfeiern. Aber Dead Shadows nimmt sich selbst einfach zu ernst, um als Partytrash durchgehen zu können. Fast schon etwas schade.

So, und nun mal Hand auf’s Herz: Trotz aller vernichtend anmutenden Kritikpunkte ist dieser Streifen kein Totalausfall. Wo die Soundeffekte bspw. ziemlich abkacken, kann das visuelle Pendant ab und an sogar den Sprung über die B-Movie Marke schaffen. Zwar wird auch hier keine konstante Qualität geboten, was ein wenig verwunderlich ist, aber wenn die Tentakelviecher angreifen, sieht das in der Regel schon nice aus.

Hinzu kommen einzelne Sequenzen, die durchblicken lassen, was für ein toller Film Dead Shadows hätte werden können.

Besonders begeistert war ich von der Szene, in der Chris in Zeitlupe durch die Partygesellschaft schlendert, während diese am ausflippen ist. In diesem Moment schaffen Bild und Musik eine tolle Atmosphäre, von der ich gerne mehr gehabt hätte. Lobenswert ist außerdem, dass man Versatzstücke unterschiedlicher Genres nutzt, um dem Zuschauer etwas Abwechslung zu bieten, zumal es während der gerade einmal 75 minütigen Laufzeit nur wenige Ortswechsel gibt. Tolle Ansätze wie die bereits erwähnten Kampfszenen scheitern dann leider auch wieder an der Umsetzung.

Was den Film zwar nicht besser macht, allerdings hinsichtlich weiterer Projekte des dahinterstehenden Teams nicht unerwähnt bleiben sollte, ist das Interview mit David Cholewa, welches in den Extras zu finden ist. Dieser entpuppt sich nämlich als absoluter Genre-Fan und holt einige Infos zu den Streifen, die ihn inspiriert haben, sowie zu seinen zukünftigen Plänen aus dem Nähkästchen. Die Aussage, dass man Dead Shadows zu einem international erfolgreichen Film machen wollte, lässt schließlich auch Rückschlüsse darauf zu, dass man sich vielleicht einfach zuviel vorgenommen hat. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass diese Crew noch ein Projekt auf die Beine stellen wird, welches im Gesamteindruck überzeugen kann. Man sollte die Jungs also im Auge behalten…



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Dead Shadows (2012)
Prädikat: Mehr Schatten als Licht...
Schauspieler40%
Story80%
Spannung70%
Technik60%
63%Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
51%

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