Die Nacht der lebenden Idioten | Banner ©Sandermania

 

Die Nacht der lebenden Idioten | Poster ©SandermaniaDie Halloweenzeit ist in der deutschen Independentfilmszene auch immer die Zeit, in der uns Alex Lotz mit einem neuen Special aus dem Hause Sandermania so richtig in Gruselstimmung bringt. Das Schaurig-Schöne daran: Man weiß nie so recht, was sich der Bursche als Nächstes ausdenkt, denn seit dem Jahr 2010 huldigte er immer wieder mit neuen und ausgereifteren Ideen dem Geisterfest. So hat er uns bereits die Halloweenfolgen von legendären Serienformaten wie Roseanne, den Simpsons oder Alle unter einem Dach vorgestellt, zeigte uns seine liebsten Horrorgames, besuchte eine verlassene Villa (natürlich bei Nacht), legte sich mit Kids an, die das Spiel “Süßes oder Saures” etwas zu ernst nahmen und in 2015 eröffnete er die Jagd auf ein kiffendes Pizzamonster. Für die 7. Episode hat er sich nun etwas ganz Besonderes ausgedacht: Mit dem Kurzfilm Die Nacht der lebenden Idioten verneigt er sich nicht nur vor einem DER Zombieklassiker schlechthin, er liefert auch sein bislang aufwendigstes und bestes Halloweenspecial ab. Bevor ich nun aber ins Detail gehe, gibt’s einen kleinen Abriss zur Story…

Vor einigen Jahren hat Johnny (Jonathan SchäbleJerks) einen verfluchten Eimer erstanden, dessen Besitzer des Todes ist, wenn er ihn nicht immer am 31. Oktober mit Süßigkeiten füllt. Einfach zum Supermarkt laufen und das Teil mit Mars, Bounty, Twix und Co. vollstopfen ist jedoch nicht. Nein, es funktioniert nur, wenn man ganz klassisch von Haus zu Haus zieht und Trick’r Treat spielt. Dummerweise liegt das Behältnis noch bei seiner Ex-Freundin Barbra (Judith O’Dea) auf dem Dachboden. Also macht sich Johnny mit seinem Kumpel Sander (Alex Lotz) auf den Weg zu ihr. Dieser führt die beiden über einen Friedhof, wo sie zufälligerweise besagter Freundin begegnen. Als diese die Jungs erblickt, flüchtet sie jedoch in Panik zurück zu ihrem Haus.

Nun könnte man sich fragen, was mit der werten Dame denn nun los ist, doch das spielt bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Das Besondere an diesem Short ist nämlich, dass hier Originalszenen aus George A. Romero‘s Die Nacht der lebenden Toten mit Aufnahmen von Alex Lotz so gut zusammengeschnitten werden, dass daraus ein ganz neues und vor allem ur-komisches Werk entsteht. Um den Ef-

fekt eines homogenen Films zu erzeugen, musste der Regisseur, Drehbuchautor und Cutter zusammen mit seinem Locationmanager Jonathan Schäble allerdings Einiges an Vor- und Nacharbeit leisten.

Das Ergebnis ist beeindruckend, da audiovisuell betrachtet kaum ein Unterschied zwischen dem Kultstreifen von 1968 und den neu hinzugefügten Szenen zu sehen bzw. zu hören ist.

Damit ist es allerdings nicht getan, denn auch, wenn Look und Sound stimmen, muss man noch ein Gespür dafür beweisen, welche Sequenzen wie miteinander verknüpft werden können. Da spielen vor allem die Dialoge eine große Rolle, zumal diese, wenn sie nicht zueinander passen, schnell die Illusion eines einheitlichen Werks zerstören. Und auch hier wird nicht nur voll abgeliefert, sondern neben Optik und Klang das dritte große Highlight des Kurzfilms geschaffen. Lotz setzt nämlich die Originalszenen in einen gänzlich neuen Kontext, aus dem heraus am laufenden Band äußerst witzige Momente entstehen. Dabei wird Romero’s Klassiker allerdings mit genau dem Respekt angepackt, den er verdient! Anstatt diesen in Scary Movie-Manier durch den Kakao zu ziehen, nimmt der Inhaber von Sandermania Productions sich lieber selbst auf’s Korn, baut ganz offensichtlich Filmfehler ein, die er dann auch gleich entsprechend kommentiert, oder er lässt sein Filmteam einfach mal Regieanweisungen für den 60er Jahre Kultstreifen geben, welche von den damaligen Darstellern Duane Jones und Judith O’Dea natürlich sofort “umgesetzt” werden. Apropos Filmteam: Hierbei handelt es sich auch wieder um die beiden bereits genannten Herren plus Alex Schäble als “Mann mit der Klappe”. Um Verwirrungen vorzubeugen: Du hast richtig gezählt! Die Nacht der lebenden Idioten ist ein Projekt, welches von gerade mal 3 Leuten ohne jegliches Budget auf die Beine gestellt wurde und dafür, dass man letzten Endes ein so verdammt lustiges, kurzweiliges und audiovisuell überzeugendes Resultat rausgehauen hat, gebührt ihnen allen mindestens der gleiche Respekt, den sie auch ihrer Vorlage entgegenbringen. Daher meine klare Empfehlung an dich, die Webseite von Alex Lotz (siehe hier) aufzusuchen und dir das Teil reinzupfeiffen.

Bilder von damals und heute…

Dieses mal sind es keine Zombies, vor denen sie sich fürchtet: Judith O'Dea.

*Ahem*, also bitte! (vlnr.: Jonathan Schäble, Alex Lotz)

©Sandermania Productions

Das Objekt der Begierde: Der verfluchte Trick'r Treat Eimer.

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Der Film im Film mal etwas anders.

©Sandermania Productions

Sagt Keller, meint aber Dachboden (oder so ähnlich): Duane Jones.

Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Originaltitel: Die Nacht der lebenden Idioten | Regie: Alex Lotz | Drehbuch: Alex Lotz | Darsteller: Alex Lotz Jonathan Schäble, Alex Schäble | Freigabe: Ungeprüft | Uncut: Ja | Spieldauer: 16 Min. | Veröffentlichung: 31.10.2016 | Link zum Film: Sandermania
Die Nacht der lebenden Idioten (2016)
Prädikat: Großartig inszenierter Short mit viel Liebe zum Detail.
Story70%
Schauspieler75%
Spannung75%
Inszenierung90%
78%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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