Die Schläfer - Unheimliches Erwachen in der Antarktis ©vitaphonDr. Vincent Lürssen ist Neurobiologe und arbeitet für die ESA (Europäische Weltraumorganisation), in deren Auftrag er an einem Experiment in der Antarktis teilnimmt. Ziel seiner Untersuchungen ist es, die Auswirkungen lang anhaltender Isolation sowie extremer Umweltbedingungen auf den menschlichen Organismus und insbesondere die Psyche zu erforschen. Es ist immerhin kein Geheimnis, dass der Homo Sapiens zukünftig noch weiter das All auskundschaften und zu diesem Zwecke auch tiefer in das schier grenzenlose Vakuum eindringen will. Dies ist nach aktuellem Stand der Technik bereits möglich, jedoch wissen wir noch nicht allzu viel darüber, auf welche Strapazen sich die Astronauten einstellen müssen. Also begibt sich Lürssen (André Beyer) zum Südpol, wo sich die internationale Forschungsstation Darwin befindet. Hier wird er zusammen mit einem buntgemischten Team aus Wissenschaftlern sowie dem obligatorischen Gastronom neun Monate nahezu keinen Kontakt zum Rest der Welt haben – also eine perfekte Ausgangslage für seine Tests. Neben dem Doc besteht die Gruppe aus dem italienischen Geologen Simone Cesari (Stephan Ziwich), dem amerikanischen NASA-Ingenieur Scott Hanson (Andreas Kleb), dem syrischen Koch Samir bin Jalud al Hami (Arno Mo Abd-el Kader Lüning), der isrealisch-amerikanischen Meteorologin Lia Orli Ruben (Petra Springhorn), dem britischen Funker David Cronenburg (Ralf Bettinger), der kroatischen Evolutionsbiologin Maja Jovanovic (Katja Pilaski), der russischen Ärztin Jekaterina Komarowa (Liudmyla Vasylieva) sowie dem norwegischen Stationsingenieur Jonas Fjelstad (Alexander Schattenberg). Neben der erwähnten Untersuchungen sollen sie während der langen Zeit im ewigen Eis den sogenannten Lake Vostok erforschen. In diesem mehrere Kilometer unter der Oberfläche befindlichen Süßwassersee vermutet man nämlich Leben, welches sich über viele millionen Jahre unabhängig entwickelt hat. Und kaum haben sich die Damen und Herren auf der Darwin eingefunden, machen sie sich auch schon an die Arbeit. Doch kaum einer von ihnen hätte ahnen können, welch bahnbrechende und tödliche Entdeckung sie hier machen…

Mit 150 Minuten Laufzeit gehört das aus der Feder von Autor, Komponist und Software-Entwickler Thorsten Gellrich stammende sowie unter der Regie von Petra Springhorn und Andreas Kleb verwirklichte Hörspiel Die Schläfer – Unheimliches Erwachen in der Antarktis (Herausgeber: vitaphon) definitiv zu den umfangreicheren Werken seiner Art. Und obwohl ich mir die Geschichte nun schon weit über ein Dutzend Mal angehört habe, ist mir dabei nie der Begriff „langatmig“, geschweige denn „langweilig“ in den Sinn gekommen. Ganz im Gegenteil. Nicht nur, dass die Story ein in diesem Medium stark unterrepräsentiertes Genre, nämlich das des SciFi Horror, bedient, es wurde auch extrem professionell und mit unfassbar viel Liebe zum Detail produziert. Das beginnt bereits bei den Charakteren, die ich oben, bis auf wenige Nebenrollen, ganz bewusst komplett aufgeführt habe, um damit jedem einzelnen Sprecher ob der tollen Leistungen meinen Respekt zu erweisen. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle allerdings nochmal Petra Spring-

horn, welche mir als lebensfrohe Lia immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Hinzu kommt, dass die Protagonisten sehr schön ausgearbeitet wurden. Besucht man zum Beispiel die Webseite des Hörspiels, wird man neben zahlreichen Angaben zu den involvierten Personen, der Story und äußerst sympathischen Bildern aus der Produktionsphase auch einige tolle Hintergrundinfos zu den Figuren finden, welche das Gehörte nochmal vertiefen. Das bedeutet allerdings nichts, dass sie im Werk selbst nur oberflächlich behandelt werden. Ganz im Gegenteil: Ich hatte sofort zu jedem von ihnen einen Zugang, sei es aufgrund der sehr greifbaren, akustischen Darbietung seitens der Sprecher oder wegen der vereinzelt eingestreuten Einblicke in die Vergangenheit der Forschungsmitglieder. Letzteres trifft jedoch nicht auf jeden zu, was auch gut so ist, da andernfalls wieder die Gefahr bestanden hätte, den eigentlich Plot aus den Augen zu verlieren. Umso schöner finde ich es, dass man mit dem online Portal für Interessierte noch einiges an Informationsfutter liefert.

Das geht sogar so weit, dass im Netz ein fiktiver Blog von Dr. Lürssen erstellt wurde, welcher auch Fotos von Dr. Jens Dreyer beinhaltet. Dieser arbeitete von 2010 bis 2011 auf der Forschungsstation Anmundsen-Scott, die im Hörspiel eines der nächstgelegen, von Menschen bewohnten Ziele in der Antarktis ist.

Für all die erwähnten Aspekte gibt es von mir ein fettes WOW!

Was die Geschichte anbelangt möchte ich gar nicht viel mehr verraten, außer, dass du dich auf eine spannende, akustische Reise zwischen Wissenschaft und Fiktion begeben wirst, die zahlreiche Verweise auf Genregrößen wie John Carpenter’s The Thing oder Ridley Scott’s Alien aufweist, dabei aber immer noch eigenständig genug bleibt, um überraschen zu können. Übrigens erinnert mich auch der Soundtrack, welcher vom Drehbuchautor selbst komponiert wurde, an eben diese beiden Filmklassiker, womit dem Hörspiel schon alleine in musikalischer Hinsicht die kleine Meisterleistung gelingt, zwei meiner Lieblingswerke zu kombinieren. Ein weiteres Lob geht an Michael Böhm für die gelungene Cover Illustration. Ich würde mir wünschen, dass man bei diesem Medium öfter mal solche Augenschmankerl geliefert bekommt.

Eigentlich gäbe es noch so viel mehr über Die Schläfer zu berichten, doch am Besten hörst du es dir selbst an und entdeckst die vielen kleinen Details, die in diesem mysteriösen, sympathischen und teils sogar recht emotionalen Ohrenblockbuster stecken. Meine Gehörgänge wird er definitiv noch einige Male durchwandern;)

Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Regie: Petra Springhorn & Andreas Kleb | Drehbuch: Torsten Gellrich | Sprecher: André Beyer, Katja Pilaski, Stephan Ziwich, Petra Springhorn | Musik: Torsten Gellrich | Regie: Petra Springhorn, Andreas Kleb | Foley & Sounddesign: Clemens Endreß | Aufnahme & Mischung: Kay Poppe | Uncut: Ja | Spieldauer: 150 Min. | Verleih: vitaphon | Produktion: Springhorn-Entertainment | CD VÖ: 14.03.2013 | Link zum Shop: vitaphon | Webseite Produktionsfirma: Springhorn Entertainment
Die Schläfer - Unheimliches Erwachen in der Antarktis (2013)
Prädikat: Großartig inszenierte Reise an den Südpol, die sich gekonnt zwischen Horror, SciFi und Wissenschaft bewegt und hervorragend besetzt wurde.
Story80%
Sprecher90%
Sounddesign90%
Artwork90%
88%Prädikat
Leserwertung: (0 Votes)
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