Even Lambs Have Teeth | Cover MB ©Pierrot Le FouDie beiden Studentinnen Sloane (Kirsten Prout) und Katie (Tiera Skovbye) wollen in ihren Semesterferien unbedingt ein Wochenende zum Shoppen nach New York. Da man in dem Alter aber schon längst kein Taschengeld mehr bekommt, müssen sich die beiden erst was verdienen, bevor sie es ausgeben können. Ihr Weg führt sie daher zu Katie’s Onkel Jason (Michael Karl Richards), welcher in der Nähe einer Biofarm lebt, auf der die jungen Damen einen Ferienjob angenommen haben. Allerdings werden sie nie dort ankommen, denn noch während sie auf den Bus warten, welcher sie zu besagtem Landgut bringen soll, lernen sie Jed (Garrett Black) und Lucas (Jameson Parker) kennen. Kaum haben sie die hübschen Burschen erblickt, drehen auch schon ihre Hormone am Rad. Die beiden Herren scheinen wirklich sympathisch zu sein und bieten den Freundinnen an, sie zu der Farm zu bringen. Also gut, was soll schon passieren? Naja, zum Beispiel, dass sie stattdessen zu einem vollkommen anderen Anwesen gebracht werden, wo sie ein ganz und gar unschönes Schicksal erwartet. Doch der Schein trügt, denn Sloane und Katie sind nicht so hilflos, wie sie nach außen hin wirken…

Das kontrovers diskutierte Rape & Revenge Subgenre hat im Horrorkino der letzten Jahre zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dies ist vor allem Steven R. Monroe‘s 2010er Neuverfilmung des Klassikers I Spit on your Grave zu verdanken, welche mittlerweile zwei Nachfolger und zahlreiche ähnlich geartete Werke nach sich gezogen hat. In diese Reihe gesellt sich nun auch Terry Miles mit Even Lambs Have Teeth. Dabei bewegt er sich rein storytechnisch auf nur allzu bekanntem Terrain, welches bereits aus der Betitelung des oben genannten Genres hervorgeht. Was er jedoch anders und zugleich richtig gut macht, ist die Art und Weise, wie er die Geschichte um die beiden Mädels optisch und akustisch transportiert. Gerade in der ersten Filmhälfte arbeiten er und seine Kamerafrau Anna MacDonald mit sehr interessanten Einstellungen und atmosphärischen Zeitlupenaufnahmen, welche von einem nicht minder großartigen Soundtrack untermalt werden. Streckenweise fühlte ich mich gar ein wenig an den Hochglanzslasher All the Boys love Mandy Lane erinnert. Dieser positive Ersteindruck schwand jedoch abrupt, als die beiden Hauptdarstellerinnen den Wechsel vom Opfer zum Täter vollzogen. Der Grund dafür ist weniger, dass dies schauspielerisch nicht gut umgesetzt wurde, sondern,

dass es viel zu schnell geht. In einem Moment hat man es noch mit zwei gebrochenen, jungen Damen zu tun, im nächsten Moment laufen sie erhobenen Hauptes (und selbstverständlich in Jeanshosen gekleidet, die nur etwas länger sind, als ein Gürtel breit ist) durch einen Baumarkt und decken sich mit Rachewerkzeug ein.

Dieser Charakterwandel ist bestenfalls schwer nachzuvollziehen und führt zu einem heftigen Bruch in der Inszenierung, welchen Terry Miles bis zum Ende hin sogar eher noch weiter aufreißt, anstatt sich um Schadensbegrenzung zu bemühen.

Insbesondere das plötzliche und wenig erklärende Ende gibt dem Streifen schließlich nochmal einen anständigen Dämpfer.

Gorehounds sollten sich übrigens nicht von dem verlockenden Cover täuschen lassen. Große Teile des FSK 18 Flatschens dürften auf die derbe Story zurückzuführen sein, denn obwohl es zahlreiche Gewaltszenen im Film gibt, ufern diese doch nur selten aus und werden fast nie explizit gezeigt. Zu Beginn hat mir das noch gut gefallen, da man die Misshandlung von Frauen, selbst, wenn sie nur fiktiv ist, inszenatorisch nun wirklich nicht zwingend in den Vordergrund rücken muss. Eine Andeutung reicht da schon und was sich im Kopf abspielt ist ja meist ohnehin schlimmer als jegliche visuelle Vorgabe. Im weiteren Verlauf hingegen hätte ich mir mehr in Sachen Effekte gewünscht. Die Tötungsmethoden zeichnen sich immerhin durch eine gewisse Kreativität aus, nur hat man eben nicht allzu viel davon. Sicher, auch hier muss man nicht unbedingt in die Vollen gehen, aber wenn es passt, und das wäre hier der Fall gewesen, dann immer her damit.

Es hätte wahrlich nicht viel gefehlt, um aus Even Lambs Have Teeth (“Auch Lämmer haben Zähne”) einen guten Rape & Revenge Thriller zu machen: Eine etwas flüssigere Charakterentwicklung, ein nachvollziehbares Ende und optional etwas mehr Bumms bei den Effekten. So wurde daraus leider ein Streifen, der trotz guter Ansätze nicht gänzlich zu überzeugen weiß.

Revenge on tour (in Bildern)

"Ähm...Tachchen!"

©Pierrot Le Fou

Geht gerne campen: Garrett Black.

©Pierrot Le Fou

Dieser Kerl hat wahrhaftig den Arsch offen!

©Pierrot Le Fou

Das Shoppingwochenende verlief dann doch etwas anders.

©Pierrot Le Fou

*Grunz*

©Pierrot Le Fou

Wenn sie ankommt, hilft auch kein beten mehr: Kirsten Prout.

©Pierrot Le Fou

Hat da was Rotes: Tiera Skovbye.

©Pierrot Le Fou

Zusatzinfos | Herkunftsland: Frankreich, Kanada | Originaltitel: Even Lambs Have Teeth | Regie: Terry Miles | Drehbuch: Terry Miles | Darsteller: Kirsten Prout, Tiera Skovbye, Michael Karl Richards | Produktion: Joshua Butler, Elizabeth Levine, Adrian Salpeter | Freigabe: FSK 18 | Uncut: Ja | Spieldauer: 80 Min. | Verleih: Pierrot Le Fou | DVD/BD VÖ: 18.11.2016 | MB VÖ: 22.11.2016
Even Lambs Have Teeth (2015)
Prädikat: Beginnt stark, stolpert dann aber zunehmend über die recht holprige Inszenierung.
Story50%
Schauspieler70%
Spannung70%
Inszenierung60%
63%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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