Die Mauer

Ich habe das Ende des Waldes erreicht und bin tagelang
über eine grau-schwarze, vertrocknete Ebene auf das Ende des
Regenbogens zugelaufen, das in weiter Ferne durch die herbstlichen
Wolken brach und hinter einer Mauer den Boden berührte.

Seitdem ist einige Zeit vergangen…

Ich sitze auf der aufgebrochenen Erde, hinter mir die Grenze aus Stein,
deren Ende in der Ferne ungreifbar für den Blick der Augen ist.
Die Asche meiner Gedanken liegt verstreut auf dem Boden,
wird ab und zu vom Wind erfasst und über das Mauerwerk geweht.

Ich habe schon oft versucht einen Blick über die Mauer zu werfen,
war es mir doch unmöglich über sie zu klettern.
Kurze Augenblicke in denen ich die andere Seite sah.
Die Gedanken, die um die Erinnerung an eben jene Momente tanzten
verweilten nicht lange, verbrannten, bis ihre Überreste zu Boden fielen.

Die mit einem Pickel in das Gestein geritzten Formeln und Zeichnungen
sind verblichen, vom Regen weggespült.
Sie haben ihren Zweck nicht erfüllt

Ich blicke das Werkzeug an, das nun neben mir auf dem Boden liegt…

Meine Hand umfasst den Griff, ich gehe auf die Steingrenze zu.
Ich schreie, hole aus und schlage das spitze Metall gegen die Mauer.
Der fremde Klang meiner Stimme bricht gegen den Wall,
während die Wucht meiner Hiebe das Gestein und die Formeln zerreißt.
Splitter und harte Stücke schneiden sich in meinen Körper
und ich merke nicht, wie der Regenbogen hinter der Mauer langsam verblasst.

Der Staub hat sich gelegt…
Ich steige über die Trümmer auf die andere Seite.
Die farblose Ebene setzt sich fort,
einige junge Bäume jedoch sprießen aus dem Boden.

Eine Weile vergeht…

Ich schaue nach unten und sehe, wie vor meinen Füßen,
aus der Asche meiner Gedanken, zwei gelbe Sonnenblumen erblühen

08/11/2004
/anawak

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