Gefahr aus dem Weltall | Cover ©Koch Media GmbHWillkommen im Jahre 1953, als die Filmwelt noch (größtenteils) schwarz-weiß, Computer Generated Imagery (CGI) ein futuristischer Fachbegriff und Männer noch echte Kerle waren. Hier treffen wir auf den adretten Hobbyastronomen John (Richard CarlsonDer Turm der schreienden Frauen), welcher sich einen romantischen Abend mit der hübschen Ellen (Barbara RushDie Pranke des Tigers) machen möchte. Hierfür hat er die junge Dame auf sein Domizil mitten in der Mojave-Wüste Arizona’s eingeladen (ein Schelm, wer da Böses denkt;). Doch gerade, als die beiden in die warme Sommernacht hinausgegangen sind, um sich durch ein Teleskop die Sterne anzusehen, werden sie Zeugen eines unfassbaren Ereignisses: Nicht weit von ihnen entfernt zieht ein gleißend heller Feuerball über den Himmel und kracht mit einem lauten Tosen auf die Erde. Während der Schock bei Ellen noch tief sitzt, kann ihr Freund es kaum erwarten, sich die Absturzstelle genauer anzusehen. Also steigen die beiden ins Auto und schauen sich das Ganze aus der Nähe an. Anders als zunächst erwartet ist es jedoch kein Meteorit, sondern ein kugelförmiges Gebilde aus Metall, das dort inmitten eines riesigen Kraters liegt. John’s Neugier ist kaum zu bremsen und er tritt näher heran. Dabei stellt er fest, dass es sich offensichtlich um eine Art Raumschiff aus einer anderen Welt handelt und kann sogar noch einen kurzen Blick auf dessen Insassen werfen. Im nächsten Moment löst sich eine Steinlawine und verschüttet das fremdartige Objekt. Als dann schließlich Presse und Staatsgewalt vor Ort ankommen, sind alle Spuren unter der Erde begraben und der Sternengucker wird ob seiner Geschichte nur milde belächelt. Doch er will unbedingt in Erfahrung bringen, warum die Wesen bei uns sind und weshalb sie plötzlich anfangen, sich als Menschen auszugeben. Im Laufe seiner Recherchen findet er heraus, dass unsere Rasse sich selbst auf eine Katastrophe zusteuert und er der Einzige zu sein scheint, der das Unheil noch abwenden kann…

Ich beschreibe das klassische Kino der damaligen Zeit gleich aus mehreren Gründen gerne als “unschuldig”. Der augenscheinlichste Aspekt ist dabei die Technik: Damals war bzw. konnte man schlichtweg noch nicht so zeigefreudig sein, wenn es um die Effekte ging. Splatter-, Monster- oder Actionszenen, wie man sie heutzutage gewohnt ist, waren seinerzeit noch undenkbar. Dennoch oder gerade deshalb finde ich es für mich persönlich so wichtig, dass ich mich ab und an “erde”, indem ich mir bewusst ein Werk anschaue, welches noch ohne all diese Möglichkeiten auskommen musste, dabei jedoch nicht selten die Grundlage für heutige Blockbuster legte. So war Jack Arnold‘s Gefahr aus dem Weltall einer der ersten Filme, die in anaglyphem 3D gezeigt wurden. Diese hat man ja auch kurz vor der großen 3D-Welle vor ein paar Jahren wieder vermehrt im Laden gesehen (mir fällt da spontan der Animationsstreifen Coraline ein). Hierfür benötigte der Zuschauer noch keinen speziellen Fernseher. Stattdessen legte man einfach die Disc ein und setzte sich eine der (in aller Regel der Verpackung beiliegenden) Pappbrillen mit verschiedenfarbigen Folien (meistens Rot und Blau) für jedes Auge auf. Und genau in diesem Stil blickte das damalige Publikum schon auf die Leinwand.

Der zweite Aspekt, den man im neuzeitlichen Kino immer wieder mal antrifft, ist die Idee von Außerirdischen, welche die Körper von Menschen übernehmen bzw. kopieren. Zu nennen wären hier unter Anderem Philip Kaufman‘s Die Körperfresser kommen anno 1978 oder der Thriller Invasion von Oliver Hirschbiegel und James McTeigue aus dem Jahr 2007. Dies sind natürlich nur ein paar Beispiele für ähnliche geartete Grusler. Die Idee von Drehbuchautor Ray Bradbury, welche Jack Arnold als Vorlage für sein Werk diente, ist jedoch in einem Punkt besonders: Sie erzählt nicht einfach nur von Aliens, die uns kopieren, sondern auch von unserer Abneigung gegenüber allem, was uns unbekannt und fremd ist. In dieser Hinsicht ist der Streifen derzeit (leider) auch wieder sehr aktuell…

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb ich solche Filme nicht nur gerne schaue, sondern sogar als äußerst (manches mal sogar zu) entspannend empfinde: Die Sprache in Wort und Bild. Nehmen wir vergleichsweise mal einen Transformers von Michael Bay oder einen World Invasion: Battle Los An-

geles von Jonathan Liebesman. Wenn man sich diese oder ähnliche geartete Werke direkt nach Gefahr aus dem Weltall anschauen würde, wäre ein Herzinfarkt oder ein epileptischer Anfall wohl vorprogrammiert. Wie viele andere Streifen aus der späten Nachkriegszeit ist auch Arnold’s Beitrag zum Science Fiction Genre herrlich unaufgeregt. Er erzählt seine Geschichte ganz ruhig, ohne ständige Explosionen oder extreme Jumpscares (obwohl es zwei Szenen gab, die ich tatsächlich als recht spooky empfand). Es wird auch nicht am laufenden Band geflucht und wenn, dann mit Worten, die man heute schlimmstenfalls als den zarten Versuch eines Kraftausdrucks wahrnehmen würde (so etwas wie “Schurke” oder “Lump”). Ja, ich bin fast dazu geneigt, das Adjektiv “süß” zu benutzen.

Das soll jedoch keineswegs die Qualität des Films in Zweifel stellen. So gelingt es der Crew und insbesondere Kameramann Clifford Stine beispielsweise gut, den Fakt zu kaschieren, dass der Streifen nicht wirklich in der Wüste, sondern in einem Studio gedreht wurde. Gänzlich können sie den kammerspielartigen Look zwar nicht verschleiern, aber auch das hat wieder etwas für sich. Dadurch wird stellenweise eine Atmosphäre erschaffen, die man sonst nur im Theater vorfindet. Insgesamt haben mir die Sets also absolut gefallen und so wirklich sicher, dass ich die letzten knapp 1 1/2 Stunden eine künstliche Kulisse vor mir hatte, war ich erst, als der Regisseur diese Informationen in den Extras geliefert hat (was ihr dort sonst noch findet, steht übrigens im letzten Absatz). Darüber hinaus möchte ich noch den stimmungsvollen Score von Irving GertzHenry Mancini und Herman Stein positiv hervorheben, der mal herrlich kitschig und dann wieder bedrohlich mit tiefen Bässen daherkommt und dabei die jeweiligen Szenen akustisch hervorragend einrahmt. Bezüglich der Darsteller habe ich auch keinen Grund zur Klage. Gerade sie sind es, die mit ihrem Schauspiel “der alten Schule” einen Großteil dazu beitragen, dass der Film so sympathisch ist. Was mir jedoch nicht gefallen hat, sind die Aliens selbst. Da hätte sich die Marketingabteilung der Universal Studios an das ursprüngliche Vorhaben von Jack Arnold halten sollen, diese überhaupt nicht zu zeigen. Aber nein, man wollte unbedingt, dass man die Außerirdischen auch mal zu Gesicht bekommt, um damit die Werbung aufzupeppen. Herausgekommen sind dabei Wesen, die ich einmal vorsichtig wie folgt beschreiben möchte:

Glubschäugiger Gummikloß mit hervorstehender Stirn und einer Haarpracht, welche nur ein zutiefst böswilliger Friseur zustande bringen würde. Für die Bilder in deinem Kopf übernimmt der Autor dieser Zeilen keine Gewähr…

So, und bevor ich nun langsam zum Ende komme, möchte ich unbedingt noch ein paar Worte zu der optisch restaurierten Fassung aus dem Hause Koch Media verlieren. Diese ist nämlich nicht weniger als eine Augenweide. Gerade die 3D-Effekte, welche nun natürlich auf die neue Technik portiert wurden und für die man dementsprechend einen 3D-fähigen Fernseher braucht, wissen absolut zu begeistern. Nach Ant-Man fällt mir kein Streifen ein, indem ich eine schönere Tiefenschärfe und ähnlich viele Pop-Out-Effekte gesehen habe. Da wurde richtig gute Arbeit geleistet. Ach ja, wer die benötigte Hardware nicht sein Eigen nennt oder sich einfach mal die volle Retro-Breitseite geben möchte, den wird es freuen, dass sich in den Extras die originale Super-8-Fassung mit der anaglyphen Technik wiederfindet. Passend dazu wird eine Pappbrille geliefert. Ganz großes Kino! Außerdem hat man u.a. noch ein Interview mit dem Regisseur, eine Geschichte des Science Fiction Films im Hause der Universal Studios, welche das Werk seinerzeit erstmalig veröffentlicht haben, und verschiedene Trailer von Gefahr aus dem Weltall auf die Disc gepresst. Gerade bei letztgenanntem Extra musste ich schmunzeln, da es den Hinweis “bitte setzen Sie jetzt Ihre 3D-Brille auf” damals schon gab. Tja, wie sagt man so schön: Es kommt alles irgendwann wieder. Und wenn das dann auch noch liebevoll umgesetzt wurde, wie diese Neuauflage, dann kann da nichts Schlechtes dran sein!

Science Fiction Bilder in Schwarz Weiß (?!)

Hatten gerade eine Begegnung der dritten Art: Richard Carlson und Barbara Rush.

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Mit dem Klappscheinwerfer Licht ins Dunkel bringen...

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Auch die unschuldigen Minenarbeiter sind vor den Glubschaugen nicht sicher.

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Die Wüstenschockstarre ist in Arizona weit verbreitet...

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Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: It Came from Outer Space | Regie: Jack Arnold | Drehbuch: Ray Bradbury | Darsteller: Richard Carlson, Barbara Rush, Charles Drake | Produktion: William Alland | Freigabe: FSK 12 | Uncut: Ja | Spieldauer: 80 Min. | Verleih: Koch Media GmbH | DVD/BD VÖ: 01.12.2016
BMTH Classics #04: Gefahr aus dem Weltall (1953)
Prädikat: Ein äußerst sympathischer Science Fiction Beitrag in einer liebevoll restaurierten Fassung.
Story80%
Schauspieler85%
Spannung60%
Inszenierung85%
3D-Umsetzung95%
81%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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