Guardians | Steelbook ©Capelight PicturesSuperheldenfilme sind ohne Frage ein weltweites Phänomen und jedes Jahr wird das Genre mit Fortsetzungen von bekannten, aber auch mit vollkommen neuen Beiträgen bereichert. Neben den witzigen, allerdings doch recht bodenständigen Materialschlachten aus den USA, liefern vor allem asiatische Filmschmieden dabei gerne mal Ideen á la HK: Forbidden Superhero, einem Retter in der Not, welcher auf dem Kopf einen Damenschlübber trägt. Wenn jedoch in einem Streifen der Bösewicht mit einem unaufhaltsamen Durchfall nach altem Borschtsch (ein russisches Gericht) verglichen wird, hat das nochmal eine ganz besondere “Marke”. Dies ist allerdings nur eine von vielen weiteren, abgefahrenen Ideen, mit denen sich der russische Beitrag Guardians von Regisseur Sarik Andreasyan von der Masse abzuheben versucht, wobei alleine die Anlehnung des Titels an eine der aktuell populärsten, amerikanischen Filmreihen die Frage aufwirft, ob es sich hierbei vielleicht doch nur um einen billigen Abklatsch von Guardians of the Galaxy handelt. Diese und weitere Fragen beantworte ich im folgenden Artikel, angefangen bei der recht übersichtlichen Story:

Nach einem Laborunfall bekommt der Wissenschaftler August Kuratov (Stanislav Shirin) übermenschliche Kräfte und kann mit einem von ihm erschaffenen Modul fortan jede Maschine kontrollieren, die sich in seiner Nähe befindet. Und da der alte Kevin (wie ich ihn liebevoll nenne…ich meine…schaut euch doch mal unten sein Gesicht an!) etwas grimmig drauf ist, versucht er mit seiner neu gewonnenen Macht zu allererst die Weltherrschaft an sich zu reißen. Klar, man soll ja erstmal klein anfangen. Um diesen Plan zu vereiteln, werden vier Mutanten zusammengerufen, welche ausgerechnet Kuratov’s Testversuchen (vor der Kevin-Ära) entsprungen sind. Ihre Fähigkeiten und die Wut auf ihren “Erschaffer” scheinen das Einzige zu sein, was Selbigen jetzt noch aufhalten kann: Lernik (Sebastien Sisak) kann Gestein kontrollieren, Arseniy (Anton Pampushnyy) vermag es, sich in einen kuscheligen “Werbär” zu verwandeln, Temirkhan (Sanjar Madi) ist nicht nur äußerst geschickt im Umgang mit seinen geschwungenen Klingen, er kann sich darüber hinaus auch teleportieren und Kseniya (Alina Lanina), die Vierte im Bunde, kann sich unsichtbar machen. Nachdem man das illustre Trüppchen zusammengerufen hat, schmiedet man einen Plan und bläst ohne weitere Umschweife zum Angriff.

Und damit wäre ich auch schon beim ersten Aspekt, der mir an Guardians sehr gut gefallen hat: Er trödelt nicht lange rum und liefert quasi am laufenden Bande das, was ich mir von einem solchen Film erhoffe: Action, Kämpfe, Zerstörung und flotte Sprüche. All dies wurde optisch größtenteils ansprechend umgesetzt, wobei man hier und da schon merkt, dass für den Streifen ein recht übersichtliches Budget zur Verfügung stand. Von Produktionen der Marke “The Asylum” ist man allerdings noch weit entfernt. Gleiches gilt im Übrigen für die Darsteller, welche allesamt einen tollen Job machen und die zum Teil irre komischen Dialoge formidabel rüberbringen (an dieser Stelle möchte ich auch die tollen deutschen Synchronsprecher loben!). Gerade dieser Punkt ist es auch, der mir besonders zugesagt hat:

Guardians nimmt sich gerade so ernst, wie es für die Story wichtig ist. Alles, was darüber hinaus geht, wird mit Selbstironie und satirischem Einschlag auf die Schippe genommen.

Da sind auch die westlichen Superhelden nicht vor dem einen oder anderen Seitenhieb gefeit. Herrlich! Abstriche muss man aufgrund der (für das Genre) verhältnismäßig kurzen Laufzeit bei der Story und der Charaktertiefe der Figuren machen. Außerdem fällt auf, dass man bei der teilweise recht opulenten Zerstörungsorgie mit einem sehr übersichtlichen Cast gearbeitet hat. Man sieht kaum Menschen panisch durch die Straßen flüchten, was in so mancher Szenerie recht “leer” wirkt. Gestört hat mich das allerdings nicht, da man auf der anderen Seite einen herrlich amüsanten und einfallsreichen Streifen liefert, der sich trotz des etwas irritierenden (und hierzulande sicherlich auch sehr PR-lastigen) Titels tatsächlich von genreverwandten Vertretern abzuheben weiß und wirklich nichts mit Guardians of the Galaxy zu tun hat.

Insofern kann ich dir nur empfehlen, dem Teil eine Chance zu geben. Mir hat es tolle 1 1/2 Stunden beschert und meine erste Reaktion beim Abspann war: “Bitte macht dazu noch ein Sequel!”.

Heldenhafte Bildeindrücke

Ein bisschen wie Durchfall: August Kuratov (Stanislav Shirin)

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Macht sich gerne unsichtbar: Kseniya (Alina Lanina)

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Hat die Bärenmarke erfunden: Arseniy (Anton Pampushnyy)

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Ein steinharter Typ: Lernik (Sebastien Sisak)

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Der Schnitter: Temirkhan (Sanjar Madi)

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Das Back Office der Guardians.

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Zusatzinfos | Herkunftsland: Russland | Originaltitel: Zashchitniki | Regie: Sarik Andreasyan | Drehbuch: Andrey Gavrilov | Darsteller: Anton Pampushnyy, Sanjar Madi, Sebastien Sisak, Alina Lanina | Produktion: Lenny Levi, Maksim Oleynikov, Daniel Shapovalov | Freigabe: FSK 12 | Uncut: ja | Spieldauer: 89 Min. | Verleih: Capelight Pictures | Produktionsjahr: 2016 | DVD/BD/Steelbook BD VÖ: 02.06.2017
Guardians (2017)
Prädikat: Guardians braucht sich vor den "Großen" der Branche nicht zu verstecken!
Story65%
Schauspieler80%
Unterhaltung90%
Inszenierung80%
79%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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