Hoch die Flaschen! | ©Alexander Olijnyk

Es ist Samstag, der 22. Oktober 2016, 19:30 Uhr. Mit ein paar Freunden und meiner besseren Hälfte treffe ich vor dem Gevelsberger Kino „Filmriss“ ein. Hier steht bereits eine größere Traube von Menschen, die sich unterhalten, Bier trinken, rauchen oder sich freundschaftlich in die Arme nehmen, weil man sich seit einer Weile nicht mehr gesehen hat. Ich brauche noch einen Moment, um richtig anzukommen und da ich ohnehin erstmal niemanden sehe, der mir auf Anhieb bekannt vorkommt, begebe ich mich schonmal nach drinnen. Auch hier ist Einiges los, denn man möchte sich an der Bar noch mit Getränken und Snacks eindecken, oder hat einfach nur vor der herbstlichen Frische reißaus genommen. Nachdem ich meine Karte bezahlt, dafür einen schicken Hi8-Stempel kassiert und die ersten Leute begrüßt habe, gehe ich nochmal schnell raus eine dampfen. Immerhin haben sich die knapp 200 Personen hier nicht einfach so eingefunden: Es ist der Premierenabend von Stefan Sierecki’s Diplomfilm Hi8-Resurrectio. Bis dieser jedoch über die Leinwand flimmert, müssen wir uns noch ein wenig gedulden.

Als ich nämlich etwas später im Kinosaal Platz genommen habe, stellt sich zunächst der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent des Streifens persönlich vor. Man merkt ihm schon an, dass er etwas aufgeregt ist, was ich durchaus verstehen kann, zumal er sein Spielfilmdebüt heute zum ersten Mal einem größeren Publikum präsentiert. Da würde mir auch gehörig die Düse gehen. Vorher, so kündigt er an, würden aber noch 3 Kurzfilme gezeigt werden: Erst Rene Zhang’s Interimere, danach Sierecki’s Vordiplom Film Secret Love und zuletzt ein Werk, das eine kleine Überraschung sein soll. Nun denn, Licht aus, Spot an.

Nach einer guten halben Stunde hat sich erstgenannter Streifen als ein abstrakt-düsteres Werk, dessen Story sich einem nicht gleich erschließt, und der zweite als ein schmerzhaft realistischer Ausflug in die Welt eines jungen Homosexuellen entpuppt. Uff, das war schonmal harte Kost. Vielleicht war das auch den Veranstaltern bewusst und sie haben deswegen vor dem nicht minder derben Hauptfilm noch etwas Food-Comedy eingeschoben: Bei besagter Überraschung handelt es sich nämlich um eine so abgedrehte wie lustige Varieté Show mit einem Döner und zwei Zwiebeln als mehr oder weniger begabte Gesangstalente samt einem Finale, dass es in sich hat. Dieser 10-Minüter wird übrigens Teil der Anthologie The ABC’s of Goddam Trash sein, die sich (Genrekenner ahnen es schon) an dem Aufbau von The ABCs of Death orientiert (eine Review zu allen 3 Kurzfilmen folgt noch). Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß und gemessen an der Stimmung im Saal ging es mir nicht alleine so. Im Anschluss gibt es ein Päuschen, um das Bier wegzubringen, die Vorräte aufzustocken oder schnell noch ein Kippchen durchzuziehen, bis es schließlich soweit ist: Hi8-Resurrectio erlebt seine Uraufführung. Da parallel zu diesem Bericht auch eine Besprechung zu dem Film erschienen ist (siehe hier), werde ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.

Gut 70 Minuten später schließt sich der Vorhang wieder, das Licht geht an und Stefan Sierecki bittet alle Anwesenden von Cast und Crew zu sich nach vorne. Hier nimmt er sich ausgiebig Zeit, um jeden Einzelnen vorzustellen und mit Applaus ehren zu lassen. Dann meldet sich noch Matthias Schmidt aka Moloch, einer der Hauptdarsteller und Unterstützer des Projekts, zu Wort und dankt allen, die den Film ermöglicht haben. Zu guter Letzt wird noch Adriano Ingrao auf die Bühne gebeten. Der Inhaber des Webportals Horrorfilmdarsteller.de und seines Zeichens selbst angehender Regisseur macht das Publikum mit wenigen aber wahren Worten darauf aufmerksam, dass der Genrefilm in Deutschland immer noch ein Nischendasein fristet und man die Macher solcher Werke doch unterstützen möge, indem man die DVD/BluRays kauft. In all diesen verdienten Lobeshymnen geht am Ende leider die zuvor angekündigte Frage und Antwort Runde unter, wobei ich ehrlich gesagt selbst erst später wieder daran gedacht habe.

So neigt sich der Abend denn langsam seinem Ende und während die Gesellschaft nochmal vor bzw. im Kino zusammenkommt, nutze ich die Gelegenheit für einen kleinen Plausch mit den Darstellern Oliver Troska, Joris Schwarz, Moloch sowie Uwe Choroba und last but not least Piet Baltissen von den Screen-Buddies, einen kurzen Austausch mit dem Regisseur von Hi8-Resurrectio und ein Gespräch mit Elisabeth Mader von BlackCat BodyArt, die neben Philipp Rathgeber, welcher leider nicht anwesend sein konnte, für die SFX verantwortlich zeichnete. Nach und nach löst sich der Pulk dann aber auf, was etwas schade ist, weil es doch schön gewesen wäre, wenn man nochmal für einen gemeinsamen Umtrunk eine Bar aufgesucht hätte. Dennoch kann die Veranstaltung als voller Erfolg bezeichnet werden, zumal die 4 1/2 Stunden wie im Flug vergangen sind. Als ich nämlich zum ersten Mal an diesem Abend auf die Uhr schaue, zeigt sie bereits nach Mitternacht. Höchste Zeit, dass zuvor ausgefallene Abendessen nachzuholen und so hocke ich nach mehrmaligem Verfahren (wohlgemerkt auf einer einzigen, langgezogenen Straße – das muss man erstmal schaffen…scheiß Navi!) mit meinen Leuten in einem Fastfood Restaurant. Danach gibt es noch ein paar Gläschen von dem ins Hotel geschmuggelten Prosecco (ich bin unschuldig!) und gegen 3:30 Uhr falle ich dank eines gelungenen Events zufrieden in die Kiste.

Abschließend möchte ich allen danken, die diese Premiere zu einem kurzweiligen, lustigen und sehr lockeren Erlebnis gemacht haben. Ich hoffe, das man sich bald wiedersieht!

In diesem Sinne – bis dahin!

euer /anawak

Premierenbilder

Stefan Sierecki heißt die Meute Willkommen.

Kleiner Zwischenstopp vor dem Hauptfilm.

PARTY!!!

Adriano Ingrao und Sabrina Arnds.

Auf der Suche nach verschollenen Crewmitgliedern.

Jetzt schau doch nicht so böse, Mario!

Peace, Bruder!

Einem der Herren scheint es nicht geschmeckt zu haben...

Vlnr.: Uwe Choroba und Mario M. Rossi Rosko.

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