Howl 3D | CoverZugbegleiter zu sein ist absolut kein einfacher Job: Ständig in beengte und mitunter vollkommen überfüllte Abteile eingezwängt muss man sich die faulen Ausreden der Schwarzfahrer anhören und bei Verspätungen ist man sowieso der Arsch. Als jahrelanger Zugfahrer habe ich solche Situationen schon oft erlebt. Manche Bahnangestellte bleiben dann ganz ruhig, andere gehen voll auf Konfrontation. Joe (Ed SpeelersA Lonely Place to Die) gehört eher zu denjenigen, die besonnen bleiben und das Gemecker der Kunden in sich hineinfressen. Dabei hätte er gerade in dieser Nacht allen Grund, aus der Haut zu fahren: Seine Angebetete Ellen (Holly WestonJohn Carter) hat ihm eine Abfuhr erteilt und mit der langersehnten Beförderung wird es auch nichts. Die hat stattdessen sein Kollege abgestaubt, der auch direkt die erste Gelegenheit nutzt, Joe das dick unter die Nase zu reiben. Aber gut, durchatmen, nach vorne schauen. Doch als wäre seine Lebenssituation nicht schon festgefahren genug, hat sein nächster Zug mitten in der Nacht einen Defekt. Die Maschinen sind aus, nichts geht mehr und ausgerechnet diese Gleisstrecke wird von dichtem Wald flankiert. Sogar die Funkverbindung zur Zentrale spinnt rum. So bleibt den Angestellten und den Passagieren nichts anderes übrig, als auszuharren und zu hoffen, das der Zugführer die Technik wieder in den Griff bekommt. Als eben dieser jedoch plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist, verstärkt sich das Gefühl, dass hier noch mehr im Argen liegt. Die Gruppe wird nervös und noch während man sich über das weitere Vorgehen berät, taucht eine wolfsähnliche Bestie aus dem Wald auf und greift den Zug an…

Nach Wer, zu dem kürzlich erst die Besprechung online ging (Klick), haben wir es hier mit einem recht klassischen Genrevertreter zu tun. Die Werwölfe in Paul Hyett‘s zweiten Regiewerk Howl sind eine eindeutige Fusion aus Mensch und Tier. Das ist auch absolut ok, man kann das Rad ja schließlich nicht ständig neu erfinden. Was man aber machen kann, ist, bekannte Zutaten zu einer atmosphärisch dichten, spannenden und effekttechnisch gut gemachten Einheit zu kombinieren. Dies gelingt Hyett auf ganzer Linie! Gerade seine langjährige Erfahr-

ung im Bereich Special Make Up Effects merkt man seinem Streifen positiv an. Da fällt es auch nicht so sehr ins Gewicht, dass man ab und an mit CGI nachgewerkelt hat, was gerade in diesem Subgenre ja nicht unbedingt notwendig ist. 

Diese Computereffekte werden aber wohl gewählt eingesetzt und machen einen guten Eindruck, der ebenso auf das von Ricky Eyres (The BeachSolomon Kane) designte Zug- und Waldsetting zutrifft.

Ich bin ja sowieso ein bekennender Fan von Filmen, in denen eine kleine Gruppe von der Außenwelt abgeschnitten wird. Die Stärke eines solchen Plots zeigt sich auch hier, weil der Fokus deutlich mehr auf der Charakterentwicklung liegt. Positiv überrascht war ich daher auch von den Darstellern, insbesondere von Ed Speelers, der die Rolle des introvertierten Burschen klasse verkörpert und das richtige Feingefühl für die Entwicklung seiner Figur an Bord (oder sollte ich eher sagen im Abteil? Höhö!) hat. Seine Kollegen, darunter u.a. Shauna Macdonald aus den Höhlenschockern The Descent 1 und sowie der charismatische Sam Gittins, der noch am Anfang seiner Karriere steht, von dem man aber hoffentlich noch viel sehen wird, stehen dem in nichts nach. Lobenswert ist darüber hinaus das konsequente Finale, das vielleicht nicht jedem gefallen wird, aber das Leben ist nunmal kein Ponyhof.

Ich habe wahrlich kaum etwas an dem Streifen zu meckern. Ok, für einen Werwolffilm hätte er etwas blutiger sein können (obwohl die rote Suppe natürlich schon vereinzelt spritzt) und auch eine richtige Verwandlung wäre schön gewesen (das gehört einfach dazu). Das ist jedoch alles hätte/könnte/wollte (und, äh…wäre) mit dem man im Detail rumstochern kann, wenn man unbedingt möchte. Oder, man nimmt Howl einfach so, wie er ist: Ein stimmungsvoller, spannender Streifen mit tollem Cast, den man sich am besten anschaut, wenn draußen ein voller Mond am wolkenlosen Himmel steht;) 

 

Noch nicht genug? Hier gibt’s ein paar Bilder.

Das volle Programm!

3D BD Mediabook, DVD, BD Steelbook...

Ruhige Zugbegleiter...

...und nicht ganz so ruhige Fahrgäste.

Guckt mich doch nicht so erschrocken an!

Hey, du da! Ticket zeigen!

Doch nur ein Wildschaden?!

Sind wir bald da?!

Zusatzinfos | Herkunftsland: Großbritannien | Originaltitel: Howl | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 92 Min. | Verleih: capelight pictures | DVD/BD/3D BD (Mediabook) VÖ: 08.04.2016
Howl (2015)
Prädikat: Klasse...und ich fahre dann zukünftig vielleicht doch lieber mit dem Auto.
Story75%
Schauspieler85%
Spannung90%
Inszenierung90%
85%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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