Independence Day2: Wiederkehr | Cover ©Fox DeutschlandZiemlich genau zwanzig Jahre ist es her, seit Roland Emmerich mit Independence Day eine effektreiche und vor amerikanischem Patriotismus regelrecht triefende Materialschlacht ins Kino brachte, welche die Herzen der Zuschauer im Sturm eroberte. Doch was anderen Werken aus der Hollywoodschmiede gerne zum Vorwurf gemacht wird, funktionierte in diesem Falle ganz hervorragend. Dies lag vor allem daran, dass Emmerich, der damals nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch mit verfasste und als Produzent für sein Projekt einstand, genau den richtigen Ton traf. Die Effekte waren revolutionär, die an sich extrem schmale Story wurde mit liebevoll ausgearbeiteten Figuren vorangetrieben, die von großartigen Schauspielern mit Leben gefüllt wurden. Außerdem war das Teil so unglaublich lustig und sympathisch, dass selbst die zahlreichen und höchst klischeebehafteten Sprüche und Handlungen irgendwie cool waren. All dies gilt noch bis heute und so erfreut sich der Film nach wie vor einer großen Fangemeinde, von der über die Jahre hinweg immer wieder der Wunsch nach einem Nachfolger geäußert wurde. Als dieser letztlich bestätigt wurde, war zumindest bei mir die Freude groß, vor allem, weil erneut der Meister der Materialschlachten höchstpersönlich auf dem Regiestuhl Platz nahm. Das einzig Doofe: Will Smith erteilte dem zweiten Teil schon früh eine Absage. Aber hey, ansonsten konnte Emmerich immerhin den gesamten Originalcast um sich versammeln. Was sollte da noch schiefgehen? So Einiges…

In den vergangenen zwei Dekaden hat die mittlerweile in weltweitem Frieden lebende Menschheit gelernt, sich die seinerzeit geborgene Alientechnologie zunutze zu machen. Das Ergebnis ist ein großer Entwicklungsschub, wodurch es den Erdlingen möglich geworden ist, neue Fluggerätschaften zu entwickeln, von denen einige sogar ganz fix mal eben ins All düsen können. Und da man fest davon ausgeht, dass die außerirdischen Besucher aus den 90ern irgendwann wieder die Tür eintreten, um gewaltigen Rabatz zu machen, hat man sich auch darauf vorbereitet. In der Area 51 wurde zu diesem Zwecke eine neue und stark befestigte Kommandozentrale errichtet, die das umliegende All Tag und Nacht abscannt. Außerdem gibt es Geschütztürme, neue Waffen für das Fußvolk und ein paar Gefangene konnte man auch konservieren, um etwas an ihnen herumzuforschen. Als es dann jedoch wirklich soweit ist, baut die ach so friedliche Menschheit erstmal richtig Scheiße und sieht sich im nächsten Moment einer deutlich größeren Bedrohung gegenüber, als sie es für möglich gehalten hätte (im wahrsten Sinne des Wortes). Und so muss man erneut alles mobilisieren, was man hat, um den scheinbar sicheren Untergang unserer Erdenrasse abzuwenden.

Als ich vorgestern noch auf Facebook gepostet habe, dass ich mir den Streifen an jenem Abend anschauen werde, haben einige Freunde und Bekannte noch versucht, mich auf das Schlimmste vorzubereiten. Da ich aber zu dem Zeitpunkt schon in der Warteschlange stand, um mich mit Popcorn und Flüssigem einzudecken, außerdem bereits meine Karte hatte und mir ohnehin immer mein eigenes Bild machen möchte, kam ein Zurück nicht mehr infrage. Meine Erwartungen hatte ich vorab ohnehin schon auf ein Minimum reduziert und so erhoffte ich mir wenigstens anständige Action over the top, witzige Dialoge und freute mich vor allem auf ein Wiedersehen mit den in dutzenden Sichtungen des Erstlings immer wieder auf’s Neue lieb gewonnenen Charakteren. Das im Kinosaal vielleicht um die zwanzig Leute saßen empfand ich ebenfalls nicht als abschreckend, sondern eher als extrem lässig…endlich konnte ich mich mal vor der Leinwand anständig breit machen. Nachdem ich also meine Couch-Position bezogen und die 3D-Brille auf Hochglanz poliert hatte, ging das Licht aus und der Vorhang auf…

Gut 2 Stunden später hing ich immer noch rum, wie ein Schluck Wasser in der Kurve, mittlerweile allerdings weniger der Gemütlichkeit wegen, sondern aus Langeweile. In meinem Kopf schwirrten Gedanken zwischen absolutem Missverständnis und dem Versuch herum, dem Gesehenen noch etwas Positives abzugewinnen. Ok, zumindest zum Teil wurden meine Erwartungen erfüllt: Effektreiche Action war am Start und da ich grundsätzlich nichts gegen 08/15 CGI deluxe habe (wenngleich ich handgemachte Effekte bevorzuge), wurde ich an der Front gut unterhalten. Es gab gerade hier auch so manch geilen Moment, beispielsweise die epische Landung des Raumschiffes auf unserem Planeten. Auch, dass man endlich mal mehr von dem Aliengesocks gesehen hat, gefiel mir. Und dann hätten wir noch die Darsteller, die im Großen und Ganzen gut, wenn auch etwas gelangweilt spielen, wobei ich dies gar nicht mal Jeff Goldblum, Bill Pullman und ihren Kollegen ankreiden möchte. Nein, sie sind hier 

schlichtweg einer Grundproblematik ausgeliefert, unter der das gesamte Werk leidet: Independence Day 2: Wiederkehr ist in nahezu allen anderen Bereichen in hohem Maße uninspiriert!

Am härtesten sind hiervon ausgerechnet die einst so großartigen Figuren betroffen. Roland Emmerich’s größte Stärke ist in meinen Augen seit jeher, Charaktere in einer Art und Weise einzuführen, dass es nicht lange braucht, um einen Bezug zu ihnen zu finden. Gerade bei seinen Werken ist das auch immens wichtig, weil es ja meist nicht lange dauert, bis die Effekte das Unterhaltungssteuer übernehmen und auch dafür schätze ich ihn! Umso unverständlicher ist es für mich, dass er die von ihm entworfenen Figuren hier dermaßen verfeuert, dass dagegen selbst ein Alien³, bei dem das Drehbuch einen Großteil der lieb gewonnenen Charaktere aus dem Vorgänger einfach mal unter den Tisch hat fallen lassen, als „gnädig“ eingestuft werden kann. Ja, es schmerzt zu sehen, wie beispielsweise ein David Levinson (Jeff Goldblum) mit einem halbherzigen Bezug auf seine Vergangenheit einfach mal so in die Handlung geschmissen wird. Fragen wie „wo kommt er her?“, „was hat er getrieben?“ und „warum sucht er gerade jetzt den so passenden Landungsort eines Alienschiffes auf?“ werden erst gar nicht gestellt. Ebenso affektiert wirkt die Verbindung zu Cpt. Steven Hiller (Will Smith’s Figur aus Teil eins), für die man sich einfach seines mittlerweile erwachsenen Sohnes Dylan (Jessie T. Usher) bedient, welcher natürlich in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und dessen Ruhm abstaubt. Dann wäre da noch Präsident Whitmore (Bill Pullman), der sich zu Beginn kaum aus seinem Bett kratzen kann und nur mithilfe eines Gehstocks in der Lage ist, einen Fuß vor den anderen zu setzen, später dann aber nach einer scheinbar unfassbar kräftespendenden Rasur ganz heroisch Bäume ausreißt. Whaaaaat?! Ganz schlimm fällt dieser Aspekt auf, als ohne Einleitung plötzlich eine Gruppe Kids auftaucht und man nur in einem kurzen Satz erfährt, dass ihre Eltern bei der Verwüstung, die das Raumschiff bei seiner Landung verursacht hat, ums Leben gekommen sind. Das war’s! Was bei einer Komparsen- oder Statistenrolle noch in Ordnung wäre, ist für diese Figuren, die zumindest in zweiter Reihe ein Teil der Handlung darstellen, ganz klar ein Fauxpas.

All dies wäre vielleicht noch irgendwie verschmerzbar, wenn da nicht der Eindruck hinzu käme, dass ID 2 aus schlecht aufeinander abgestimmten Einzelteilen und dazu noch sehr lückenhaft zusammengeschustert wurde.

In den Luftkämpfen beispielsweise hatte ich mitunter keinen Überblick mehr, wer jetzt auf wen schießt und wer wem den Arsch rettet, was keineswegs an einer zu hektischen Kamera lag. Da hat entweder die Postproduktion Murks gemacht, oder sie haben das Beste aus dem vorhandenen Material zusammengeflickt. Das Ergebnis sind darüber hinaus Szenen, in denen vollkommen unglaubwürdig und überhastet ein neuer Präsident vereidigt wird, der dann später in einem Halbsatz (!) noch erwähnen darf, dass heute ja der 4. Juli ist. Dessen ermutigende Rede, um nochmal die letzten Reserven der Kampftruppen herauszukitzeln, wirkt dann im Vergleich zu Bill Pullman’s starkem Auftritt anno 1996 ebenso langweilig und lächerlich, wie die zahlreichen Momente, in denen Roland Emmerich sich selbst zitiert. Das wirkt dann so, als wolle man das leck geschlagene (Raum-)Schiff noch irgendwie retten, indem man sich an der Coolness des Erstlings bedient. Die hat damals aber nur in der Fusion mit dem fantastischen Ganzen funktioniert, was im Nachfolger an zahlreichen Stellen große Risse aufweist, durch die immer mehr Inhalt in das große weite All gesogen wird…

Selbst nach zwei Tagen, in denen ich die Eindrücke etwas verdauen konnte, hat sich nichts daran getan, dass Independence Day 2 eine größtenteils enttäuschende Fortsetzung geworden ist, die bestenfalls als durchschnittliche Popcornunterhaltung zu gefallen weiß, vorausgesetzt, man schaltet das Hirn auf Standby. Und doch hoffe ich, dass es einen dritten Teil geben wird, und sei es nur, um der Reihe den Nachfolger zu bescheren, den sie verdient hat. Das Ende des Films öffnet einem weiteren Pre-/Sequel zumindest Tür und Tor und auch Hr. Emmerich selbst hat sich schon zu einem potentiellen Plot geäußert (siehe bspw. Filmstarts). Es kann also durchaus sein, dass die Aliensäcke nochmal gezeigt bekommen, wo der Hammer hängt…dann aber bitte anständig!

 

 

Invasion der Bilder

Immer diese ungebetenen Gäste und ihre unmöglichen Manieren!

@Fox Deutschland

Er ist mittlerweile in Rente: Bill Pullman.

@Fox Deutschland

Dann müssen eben andere die Welt retten - darunter: Liam Hemsworth,...

@Fox Deutschland

...Rain Lao...

@Fox Deutschland

...und Jessie T. Usher als der mittlerweile erwachsene Sohn von Will Smith's Figur.

@Fox Deutschland

Es gibt aber auch ein paar "alte" Gesichter, z.B. der großartige Jeff Goldblum.

@Fox Deutschland

Andere werden nur mal am Rande erwähnt. (Will Smith)

@Fox Deutschland

Natürlich darf auch die Materialschlacht nicht fehlen...will heißen: Zerstörung...

@Fox Deutschland

...noch mehr Zerstörung...

@Fox Deutschland

...und zum Abschluss noch etwas...na, ihr wisst schon.

@Fox Deutschland

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Independence Day: Resurgence | Regie: Roland Emmerich | Drehbuch: Dean Devlin, James A. Woods, Nicolas Wright, Roland Emmerich | Produktion: Dean Devlin, Roland Emmerich | Freigabe: FSK 12 | Uncut: Ja | Spieldauer: 121 Min. | Verleih: Fox Deutschland | DVD/BD VÖ: 31.12.2016
Independence Day 2: Wiederkehr (2016)
Prädikat: Actiongeladenes Zerstörungsorgie ohne Seele.
Story45%
Schauspieler70%
Spannung35%
Inszenierung45%
49%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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