Nikolai Will hatte schon über 250 Sprechrollen in den Bereichen Film, Fernsehen und Theater. Zu sehen war er unter anderem in der erfolgreichen Serie Stromberg sowie in den Soaps Verbotene Liebe und Unter Uns. Aber nicht nur im locker flockigen Bereich der Abendunterhaltung hat er Rollen gehabt. Mittlerweile konnte man ihn auch schon oft in Genreproduktionen sehen. Anlässlich seiner Auszeichnung beim Horrorfilmdarsteller.de Voting (siehe Artikel hier) habe ich den sympathischen Schauspieler einmal etwas ausgequetscht. Viel Spaß beim Lesen des folgenden Interviews;)
 
Anawak: Du bist bereits seit Ende der 90er Jahre als Darsteller tätig, sowohl im Film, in der Werbung als auch am Theater. Wie kam es zu deiner Entscheidung, den Weg als Schauspieler zu beschreiten?
 
Nikolai Will: Ich erinnere mich praktisch kaum noch, mal nicht geschauspielert zu haben. Sobald es die Möglichkeit gab irgendwo aufzutreten, bspw. im Schultheater usw., musste ich sofort dabei sein. Selbst als Ministrant früher wollte ich in jeder Messe ne Fürbitte lesen und habe mir danach Feedback von den Leuten geben lassen, ob ich denn auch gut war :-).  Als sich später die Möglichkeit ergab in meiner Heimatstadt Würzburg an einer freien Bühne mitzuspielen, war ich sofort Feuer und Flamme, mit der Konsequenz, dass es ab da schulisch immer mehr abwärts ging.
 
Anawak: Die Liste der Filme und Serien, in denen du mitgespielt hast ist bemerkenswert. Wie bereitest du dich auf deine Rollen vor?
 
Nikolai Will: Von “Außen” nach “Innen”. Mir muss eine gewisse Optik, Sprache und Gang vorschweben und daraus entwickelt sich dann eine Figur und dann ist die Herausforderung dieser Figur eine Seele zu geben, damit es ein Mensch aus Fleisch und Blut wird. Mal gelingt es mehr und manchmal weniger.
 
Anawak: Lange Zeit warst du hauptsächlich im Komödiengenre unterwegs, seit einigen Jahren spielst du aber auch regelmäßig in Horrorfilmen mit und hast dort teilweise sehr ernste Rollen. Wie kam es zu diesem Wandel?
 
Nikolai Will: Das wirkt eher so, weil die komödiantischen Rollen oft die erfolgreicheren Teile waren, wie zum Beispiel die Sketche mit “Y-Titty” in denen mich knapp 30 Millionen Menschen gesehen haben und eben in der Werbung sind es meist auch komödiantische Parts für die ich gerne gebucht werde, da ich in der Lage bin sehr schnell, sehr unterschiedliche Figuren spielen zu können. Meiner Durchschnittsoptik sei Dank, kann ich mich sehr schnell verwandeln. Das Horrorgenre hat mich aus rein pragmatischen Gründen gereizt. Es werden dort viel öfter Werke in Spielfilmlänge verwirklicht, denn bis vor 3, 4 Jahren hatte ich kaum nen Spielfilm in der Vita, sondern hauptsächlich Serienparts und Kurzfilme.  Außerdem bin ich einfach auch ein großer Fan von Horrorfilmen.
 
Anawak: Seit vielen Jahren werden diese beiden Genres, also Komödie und Horror, schon miteinander kombiniert. Wie erklärst du dir, dass das beim Publikum so gut ankommt?
 
Nikolai Will: Was gibt es Geileres als ne Mixtur zwischen gruseln und dann wieder lachen können. Der Körper ist dauernd auf Adrenalin und es ist fast sowas wie das filmische Äquivalent zur Achterbahn, nur eben mit unseren Emotionen. “Z-OFFICE”, den ich gerade abgedreht habe, wird das beste Beispiel dafür sein!!
 
Anawak: Konzentrieren wir uns auf deine Rollen im Fantasygenre: Es fällt auf, dass du dort häufig den Bösewicht spielst. Du bist bspw. schon als Nazi in Caedes – Forestglade of Death aufgetreten, hast einen Zombie in einer Apothekenwerbung gespielt oder warst ein Arzt, der mit Organen handelt. Wo liegt für dich der Reiz an solch kontroversen Rollen?
 
Nikolai Will: Man darf so viele Emotionen/ Facetten spielen, wie es mir oft als Hauptfigur nicht gestattet ist. Die “konventionelle” Hauptfigur muss auch oft ein Stückchen Leerfläche beinhalten, damit der Zuschauer die Möglichkeit hat, von dieser Figur an die Hand genommen und durch die Handlung geleitet zu werden. Als Bösewicht ist mir auch gestattet, mal nen dickeren Pinselstrich in der Darstellung verwenden zu dürfen und ich kann mich da oftmals mehr verwandeln. Außerdem dachte ich immer als Jugendlicher, mich wird mit meinen braunen Augen nie jemand unheimlich finden, weil ich einfach viel zu brav aussehe. Ich denke aber, da hab ich mich jetzt eines Besseren belehrt :-).
 
Anawak: Im Millenniumjahr hast du den bayerischen Jugendfilmpreis gewonnen, 2010 die goldene Rheinnixe. In diesem Jahr machst du mit deinem Siegerplatz beim Horrorfilmdarsteller.de Voting dein erstes Preistrio komplett. Erzähl uns etwas darüber, wie es zu deiner Teilnahme am Voting kam.
 
Nikolai Will: Dann müsste doch 2020 der nächste Preis kommen, oder :-)? Die Trophäe ist einfach megaschick und ich musste Sie deshalb haben. Außerdem finde ich es super dass die Independentszene jetzt so nen coolen Preis hat und ich bin glaub ich alleine durch die schiere Menge meiner Projekte ein guter, repräsentativer Preisträger geworden.
 
Anawak: Gibt es einen Film, in dem du gerne mitgespielt hättest oder eine Rolle, die du gerne einmal verkörpern würdest?
 
Nikolai Will: Meine Traumrolle im Theater war der Harold in “Harold und Maude”, eine Rolle in dieser Richtung oder Rollen wie man sie oftmals in skandinavischen, schwarzen Komödien findet, sind absolut nach meinem Geschmack! Etwas wo sowohl meine ernsthafte als auch meine komödiantische Seite zum Tragen kommt und natürlich am allerliebsten das Ganze in Spielfilmlänge ;-)!
 
Anawak: Kannst du dir eine Rolle vorstellen, die du nicht spielen würdest und wenn ja, warum?
 
Nikolai Will: Nichts wo Gewalt reiner Selbstzweck ist oder Kindern/Tieren Gewalt angetan wird!
 
Anawak: Was war bislang deine intensivste Schauspielerfahrung?
 
Nikolai Will: Das ist sehr, sehr schwierig. Es sind ja bisher schon über 250 Rollen vor der Kamera gewesen, natürlich auch viel Kleinkram. Die Rolle in Benjamin Bechtold’s “Dämonisch” hat mir viel bedeutet, auch, wenn Sie viele gar nicht mal als meine wichtigste/beste Rolle bezeichnen. Aber ich habe mich so sehr mit diesem kranken Charakter beschäftigt – einen verkrüppelten, zurückgebliebenen Typen der eine Frau als Hund hält – dass ich darüber während der Dreharbeiten krank geworden bin und bis heute nicht sagen kann, ob es lediglich psychosomatisch war. Der Rolle kam es aber sehr zu Gute.
 
Anawak: Gibt es für dich als Schauspieler Unterschiede zwischen Rollen in Horrorfilmen und denen in anderen Produktionen?
 
Nikolai Will: Kurz und knapp: Nein! Mir ist nur wichtig, dass die Produktionen so professionell wie nur möglich sind und ich erfahrene Schauspieler an meiner Seite habe. Gleiches gilt natürlich auch für “hinter der Kamera”.
 
Anawak: In welchen Projekten dürfen wir dich zukünftig erwarten und kannst du vielleicht schon etwas Konkretes verraten?
 
Nikolai Will: Da kommt noch sehr, sehr viel auf Euch zu, denn über ein Dutzend Projekte sind schon in der Postproduktion. Die Zombiekomödie “Z-OFFICE” habe ich gerade abgedreht. Die Kinofilme “Der Staat gegen Fritz Bauer” mit Burghart Klaussner und “Sex & Crime” mit Wotan Wilke Möhring starten im Herbst. Aktuell läuft noch vereinzelt “Tod den Hippies, es lebe der Punk”, in dem ich nen kleinen Part neben Tom Schilling hatte. Am 8. August könnt Ihr mich in einer noch geheimen Pro7-Show sehen. Am 25. oder 26. Dezember in dem Weihnachtsmärchen “Die Salzprinzessin” in der ARD, außerdem läuft Mitte August im ZDF “Miss Sixty” mit mir in einem kleinen Part neben Iris Berben, ebenfalls ein Auftritt in “Alarm für Cobra 11”. Dann könnt Ihr Euch auf die DVD-Veröffentlichungen von Timo Roses “Reeperbahn”, “CAEDES” und mit “Schugada” auf eine bayerische Mafiakomödie freuen. Dann folgen noch “Der schwarze Nazi”, “Montrak” von Stefan Schwenk, in dem ich neben einer tollen Starbesetzung zu sehen bin, und noch einiges mehr! In Preproduction sind “Grindlwald”, ein aufregender österreichischer Horrorfilm von Patrick Haischberger, ein Western namens “Lone Wolf” von und mit Olaf Kraetke im nächsten Jahr und der Virenthriller “Inside me” finanziert sich hoffentlich auch bald. Auch in der aufwendigen Kriegsserie “No Hate” von Jakob Gisik und Benjamin Bechtold darf ich dabei sein, nur weiss ich leider noch nicht wie groß mein Part sein wird ;-).
 
Anawak: Zuletzt eine Frage, die die Leser von BMTH sicher auch interessiert: Schaust du selbst eigentlich gerne Horrorfilme und wenn ja, welchen würdest du besonders empfehlen:
 
Nikolai Will: Mein Geheimtipp ist “Eden Lake”, einfach weil er so unglaublich realistisch ist. Nicht so viel anfangen kann ich mit Streifen wo es nur um Splatter geht oder auch “The Human Centipede” ist mir zu eklig. Ganz klasse finde ich Horrorreihen, wie die “Nightmare on Elmstreet-“Filme oder “Halloween”, auch, wenn natürlich solche Streifen von Folge zu Folge immer schwächer werden, aber ich steh drauf :-).
 
Anawak: Vielen Dank für das Interview. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei denen zukünftigen Projekten!
 
Nikolai Will: Wohin soll ich das Geld jetzt überweisen ;-)?
 
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