IRIS | Cover ©OhrenkneiferWillkommen in einer Zukunft, in der Reisen durch das All, Kälteschlaf und die eingehende Erforschung anderer Planeten zum Standard der bemannten Raumfahrt gehören. Hier lernen wir Dr. Iris Ashton (Alianne Diehl) kennen, ihres Zeichens wissenschaftliche Mitarbeiterin auf der orbitalen Raumstation des Jupitermondes Europa. Gerade erst haben sie und ihr Team eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Aus den tiefen Eisschichten des Himmelskörpers konnte man Mineralien mit beeindruckenden Eigenschaften zutage fördern. Man hofft sogar, mit ihrer Hilfe das Nahrungsproblem auf unserem Heimatplaneten ein für alle mal lösen zu können. Dann kommt es jedoch zu seltsamen Vorkommnissen und kaum, dass man realisiert hat, was vor sich geht, bricht auch schon die Hölle über die hier Lebenden herein. Nur wenig später erreicht der Frachter Oshimakuru, an dessen Bord sich der nichtsahnende Captain Hetchenson (Marc Schülert) und sein erster Offizier Lieutenant Forrester (Detlef Tams) befinden, die Raumstation. Und auch sie werden bald am eigenen Leibe erfahren, dass an diesem Ort etwas ganz gewaltig schief gegangen ist.

Man, was war ich happy, als ich von dem Hörspiel IRIS aus dem Hause Ohrenkneifer gelesen habe. Zwar gibt es schon einige Serien, die für Science Fiction-Verrückte wie mich ein gefundenes Fressen sind, aber bislang ist mir noch keines untergekommen, welches das Horrorgenre in der Zukunft bzw. in den großen Weiten des Alls ansiedelt. Die Mark Brandis-Reihe beispielsweise ist großartig (hier findet ihr einige meiner Artikel dazu) und ich bedaure es sehr, dass sie Mitte letzten Jahres zuende gegangen ist, aber sie ist eben auch sehr bodenständig und beschäftigt sich mit ernsten Problemen, welche schon in unserer Gegenwart sehr real sind. Iris geht da sehr viel mehr ins Fantastische und liefert akustisches Kopfkino, dessen Story man wunderbar zwischen solchen Filmgrößen wie Ridley Scott‘s Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden WeltJohn Carpenter‘s The Thing und dem Videospielschocker Dead Space einordnen kann. Wer diese Werke kennt und mag, der wird sich auch hier ziemlich schnell wohl fühlen.

Was die Inszenierung angeht, gibt es ebenfalls nichts zu beklagen. Da wären zunächst die Sprecher, welche allesamt einen guten Job machen und deren Interpretation der Figuren ich immer wieder gerne zuhöre. Dies betrifft insbesondere Marc Schülert, der neben seiner Rolle als “Hetch” auch für Schnitt, Regie, Script und Sounddesign verantwortlich zeichnete, Detlef Tams und Dirk Hardegen als “Paps” bzw. “Beepop”. Mit Alianne Diehl hat man darüber hinaus auch noch eine versierte und im Gamingbereich nicht ganz unbekannte Stimme gewinnen können. Sie spricht nämlich in den Point & Click Adventures Edna bricht aus und Harvey’s neue Augen von Daedelic die Rolle der Edna. Vielen wird das vielleicht nichts sagen, aber besagte Spiele erfreuen sich vor allem auf dem PC

einer riesigen Fangemeinde. Zu dieser zählt auch meine Nerdigkeit, weshalb ich auf diesen Querverweis nicht verzichten möchte;) Aber zurück zur Inszenierung: Was den Ton angeht, schafft man es, dass ich mich gedanklich immer wieder auf’s Neue sofort in den Weltraum begebe. Gerade hier müssen die Macher von Hörspielen gute Arbeit leisten, da die Sounds letztlich einen Großteil der Bilder im Kopf des Hörers entstehen lassen. Somit steht und fällt ein Projekt nicht selten mit der Qualität eben dieses Aspekts. Dass Iris damit aber überhaupt kein Problem hat, möchte ich an folgendem Beispiel veranschaulichen: Kürzlich hörte ich die CD zum ersten Mal mit meiner Freundin. Irgendwann, es war so nach gut 20 Minuten, merkte ich, dass sie äußerst still geworden war. Also fragte ich, ob ihr vielleicht langweilig ist. Sie winkte sofort ab und meinte nur: “Ich bin gerade komplett im Weltall!”. Auch sie war also komplett gepackt von der Atmosphäre.

Darüber hinaus bin ich bei jedem neuen Hördurchgang (und das waren schon so einige) erneut von dem zwar plötzlichen, aber gerade deshalb sehr konsequenten Ende begeistert.

Danach sollten Käufer der CD übrigens nicht abschalten, denn auf der Scheibe gibt es noch einen zusätzlichen Track, in dem Marc Schülert uns durch ein 10-minütiges Making-Of führt, das meinetwegen auch gerne noch länger hätte sein können. Hier erzählt er u.a. etwas darüber, wie er auf die dem Hörspiel zugrunde liegende Kurzgeschichte Im Auge des Jupiters von Sven Hüsken gestoßen ist und welche Inspirationsquellen es für ihn gab. Außerdem erfährt man noch Einiges über die eingebauten Querverweise auf andere Werke. Ebenfalls sehr schön: Seine Erläuterungen lässt er immer wieder von den Charakteren aus Iris kommentieren, was herrlich amüsant ist.

Mein einziger Kritikpunkt gilt dem Cover, dessen Artwork ich als nicht sonderlich ansprechend empfinde. Das ist allerdings bei diesem Medium generell eher die Regel, als die Ausnahme. Hätte man beispielsweise das Bild des Planeten im Vordergrund etwas schärfer gestaltet und noch besagte Raumstation, in der sich ja ein Großteil der Geschichte abspielt, eingebaut, wäre schon viel gewonnen und man würde vielleicht auch diejenigen, die sonst nicht so viel mit Hörspielen anfangen können, dazu bewegen, sich das Werk einmal näher anzuschauen. Denn wie sagt man so schön: Das Auge hört mit (oder so ähnlich). So wird der innere Wert, welcher ohne Frage sehr hoch ist, optisch nicht nach außen transportiert. Umso mehr hoffe ich, dass ich euch Iris schmackhaft machen konnte. Falls dem so ist, dann schaut doch mal im Shop von Ohrenkneifer vorbei. Hier gibt es nicht nur eine Hörprobe, sondern natürlich auch die CD zu einem mehr als fairen Preis zu erstehen.

 

Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Regie: Marc Schülert | Drehbuch: Marc Schülert | Sprecher: Marc Schülert, Detlef Tams, Dirk Hardegen, Alianne Diehl | Freigabe: Empfohlen ab 16 Jahren | Uncut: Ja | Spieldauer: 60 Min. + 10 Min. Making Of (nur auf CD) | Verleih: Ohrenkneifer (Alive) | CD VÖ: 13.05.2016 | Link zum Shop: Ohrenkneifer
IRIS (2016)
Prädikat: Im Weltall hört dich niemand schreien! Spannend, unterhaltsam und mit einer tollen Atmosphäre!
Story85%
Sprecher87%
Sounddesign93%
Artwork55%
80%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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