Jurassic World Logo

2015 ist ohne Frage das Jahr der Dinosaurier. Das die vor 65 Millionen Jahren ausgestorbenen Reptilien erneut in aller Munde sind, liegt an einem Film, an den die Erwartungen so hoch sind, wie an kein anderes Werk in diesem Jahr. Nach zahlreichen Spekulationen und Drehbuchentwürfen grenzt es dabei schon fast an ein Wunder, dass das 1993 von Steven Spielberg gestartete Franchise tatsächlich nochmal einen Nachfolger spendiert bekommt. Die Rede ist natürlich von Jurassic World, der seit vergangenem Donnerstag über die deutschen Kinoleinwände stampft. Natürlich durfte ich mir dieses Teil nicht entgehen lassen und so wurden frühzeitig Karten reserviert. Trotz des sommerlichen Wetters begab ich mich dann also doch lieber in einen abgedunkelten Kinosaal, um mir selbst ein Bild von Colin Trevorrow’s Werk zu machen. Zuvor gab es allerdings noch eine kleine Überraschung…

Geplant war ein Double Feature: Erst San Andreas (Bericht folgt), dann Jurassic World. Eine knappe Stunde vor Start des ersten Films betrat ich das Gebäude und wurde an der Kasse von einer sehr langen Besucherschlange begrüßt. Oha! Naja gut, dachte ich mir, wenn zwei Blockbuster gleichzeitig laufen, dann ist eben einiges los. Also stellte ich mich auf zwei gut besuchte Vorstellungen ein. Aber Fehlanzeige. Der Kinosaal, in dem San Andreas lief, war gähnend leer. Gerade einmal um die zwanzig Zuschauer hatten es sich bequem gemacht. Also konnte der Zuschauerandrang nur auf den Start von Jurassic World zurückzuführen sein. Und tatsächlich, die zweite Vorstellung war brechend voll. Angesichts dieses Bildes stelle ich also jetzt schon einmal die Behauptung auf, dass der Streifen die Kinokassen mal so richtig klingeln lässt. Aber ist das auch berechtigt? Zweiflern, die den Film noch nicht gesehen haben, kann ich Entwarnung geben: Jurassic World ist klasse!

Hauptgrund dafür ist, dass man den Originalen so treu bleibt wie möglich und dennoch ein paar neue Ideen einbaut, die das Dino Franchise allerdings nicht ad absurdum führen.

Zur Story gibt es kaum mehr zu sagen, als schon die Trailer verraten: Der Film spielt, ebenso wie Teil eins, auf der Insel Isla Nublar, wo vor einigen Jahren auf den Trümmern des ersten Parks ein neuer erbaut wurde. Zwischenzeitlich haben die Riesenechsen allerdings an Reiz verloren, insbesondere beim jüngeren Publikum. Um die Besucherzahlen dennoch auf einem stets steigenden Level zu halten, werden im Labor einfach Dinosaurier-Hybriden gezüchtet. Die neueste Attraktion ist ein Ungeheuer mit dem witzigen Namen Indominus Rex. Dieser ist noch größer als der artverwandte T-Rex, hat mehr Zähne und noch ein paar weitere Fähigkeiten, die hier aus Spoilergründen jedoch nicht verraten werden. Bei dieser Züchtung hat man sich allerdings etwas übernommen und so kommt es, wie es

kommen muss: Das Vieh bricht aus und macht Halli Galli. Während im Park die Panik ausbricht versucht Owen (Chris Patt), seines Zeichens Dinowärter und -dresseur (!), die Katastrophe in den Griff zu bekommen. Ihm zur Seite steht dabei Claire (Bryce Dallas Howard), deren beiden Neffen Gray (Ty Simpkins) und Zach (Nick Robinson) gerade als Besucher im Park unterwegs sind und schon nach kurzer Zeit im dicksten Schlamassel stecken. Parallel mischt schließlich auch noch das Militär mit und versucht die Einsatzmöglichkeit von Dinos als Kriegswaffe zu testen…

Gerade die Ideen mit dem Militär und der Züchtung von Hybriden könnten für einige kritische Stimmen sorgen. Die Leute, die sich darüber beschweren, sind aber wahrscheinlich die gleichen, die sich als erste darüber erbost hätten, wären diese neuen Aspekte nicht vorhanden. „Ist ja nur eine Kopie des Originals“ würde es dann wohl heißen. Meine Meinung: Man hätte aus diesem Film nicht mehr machen können. Natürlich muss man dem Publikum etwas Neues bieten und wenn ich an solche Ideen denke, wie Dinos mit Waffen auszurüsten (zwischenzeitlich wurde ja selbst von Drehbuchentwürfen mit solch beklopptem Inhalt gemunkelt), dann sind die letztlich umgesetzten Innovationen doch sehr bodenständig geraten. Der Indominus Rex könnte viele enttäuschen, sieht er doch nicht allzu „speziell“ aus, aber auch das fand ich sehr angebracht, weil er zweifelsohne mehr Dinosaurier als Monster ist. Ebenso finde ich es klasse, dass die Rolle des Militärs relativ klein geraten ist und man sich recht schnell wieder auf die Riesenechsen konzentriert.

Was viele Kenner des Originals freuen dürfte, sind die vereinzelten Verweise auf Jurassic Park. Schließlich sind es sogar die größten Momente des Films, wenn (mittlerweile natürlich von der Natur zurückeroberte) Orte besucht werden oder das bekannte Theme eingespielt wird. Da werden Erinnerungen wach und die Nackenhaare bedanken sich mit Standing Ovations. Aber selbst ohne diese Bezüge fühlte ich mich wieder in die Zeit zurückversetzt, als ich den Park zum ersten mal „besuchte“. Das gesamte Design orientiert sich sehr stark an der ursprünglichen Idee. Hinzu kommt die Rolle der beiden Kids, zahlreiche Lacher, die auch wirklich zünden, sowie die familientaugliche Action – all dies ist sehr typisch für einen Spielberg Film, was als großes Lob zu verstehen ist. Der Altmeister war in dieses Projekt übrigens als ausführender Produzent eingebunden, was ob des Ergebnisses kaum verwundert.

Jurassic World ist weder mehr noch weniger als das, was ich mir erhofft hatte. Selbst manche Actionszenen, die doch ein wenig zu sehr over the top sind, können den positiven Gesamteindruck nicht schmälern. Die 3D-Effekte sind anständig, haben mich jetzt aber nicht komplett vom Hocker gehauen. Bei einer Zweitsichtung würde mir die normale Variante voll ausreichen. Am Ende ist es ein Film, der zu keinem Zeitpunkt langweilig wird, da er selbst dann, wenn es einmal nicht kracht, mit witzigen und größtenteils sympathischen Charakteren zu punkten weiß. Manch einer wird ihn sicherlich auch öfter auf der großen Leinwand anschauen – und mit was? Mit Recht!



Zusatzinfos | Freigabe: FSK 12 | Uncut: Ja | Spieldauer: 124 Min. | Studio: Universal Studios | BR/3D BR/DVD VÖ: voraussichtl. 30.12.2015

Jurassic World (2015)
Prädikat: Erwartungen voll und ganz erfüllt!
Story83%
Schauspieler88%
Inszenierung88%
Spannung85%
86%Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
94%

11 Responses

  1. Fynn

    Also sicherlich war der Streifen okay, aber gleichzeitig auch der schlechteste der Reihe. Mir gefiel ja immer der 3. recht gut, aber den mögen viele auch nicht. Klar, die ganzen Verweise werden, – zu Recht – immer wieder gelobt, aber mir persönlich ging es dann doch selbst für Hollywood – Verhältnisse zu weit wenn da ein „Dino Züchter“ mit seiner Peitsche durch die Gegend läuft, die Tiere parieren wie Opas Dackel wenn sie Kohldampf haben und letztlich im Dutzend neben Chris Pratt neben dem Motorad herlaufen. Dieses dann auch noch als DVD Motiv zu verwenden finde ich äußerst ungünstig. Ansonsten war der Film gut gemacht. Das 3-D allerdings war beim 1. Teil um Längen besser ! Trotzdem im Allgemeinen gute Unterhaltung.

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    • Alan Ripley

      Hallo Fynn,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Natürlich bleibt es am Ende Geschmackssache und der Film ist sicher nicht frei von Aspekten, die man kritisieren könnte. Da hat mich das Finale schon eher gestört, als die handzahmen Raptoren [ACHTUNG SPOILER]: Als der T-Rex und Chris Pratt nach dem siegreichen Kampf gegen die neue Dino-Gattung in Frieden auseinandergingen, fehlte eigentlich nur noch, dass sie sich kurz und ganz lässig zunicken. Wenn man bei dieser Art Film nur einen Funken Realitätsanspruch hätte, müsste man mindestens davon ausgegangen sein, dass Ersterer den Schönling zu Hackfleisch verarbeitet. Aber wenn man es einmal rein auf der Unterhaltungsebene sieht (und genau darauf basierte meine Erwartungshaltung und ergo auch meine Review), dann konnte er m.E. auf ganzer Linie überzeugen. Ich kann aber deine Kritikpunkte voll und ganz nachvollziehen…mich haben sie nur weniger gestört;)

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