Kinder des Zorns III| Cover ©capelightDer junge Eli und sein großer Bruder Joshua haben es nicht leicht: Die Mutter ist nicht mehr und ihr Vater macht ihnen im Suff ein ums andere mal das Leben zur Hölle. Kein Wunder also, dass die beiden sich viel lieber draußen in der Natur herumtreiben, anstatt die Launen des Familienoberhauptes zu ertragen. Ein Glück grenzt an ihre Behausung, ein heruntergekommener Wohnwagen nahe der Stadt Gatlin, ein großes Maisfeld an, in dem man allerlei Unfug anstellen kann. Und genau dies ist der Ort, an dem der cholerische Daddy eines Nachts auf brutale Art und Weise ermordet wird. Seine beiden Burschen werden daraufhin von William und Amanda Porter adoptiert. Das Ehepaar wohnt in Chicago, wo die Uhren ein wenig anders ticken, als es die Landeier Eli und Joshua gewohnt sind. Doch während Letzterer sich zunehmend an die neuen Gegebenheiten gewöhnt und erste Freunde findet, weigert sich sein kleiner Bruder vehement gegen das Großstadtleben. Das klingt ja erstmal nachvollziehbar, zumal er so Einiges durchgemacht hat, doch die Ursache dafür, dass er sich mehr und mehr wie ein ausgewachsenes Arschlochkind verhält, liegen keineswegs in einem psychischen Trauma begründet. Nein, der Sprössling ist nämlich alles andere als ein normaler Junge…und genau das werden die Porters schon bald auf äußerst unangenehme Art und Weise zu spüren bekommen.

Ich will gar nicht lange drum herum reden, zumal es ja auch kein großes Geheimnis ist: Filme, die auf den Büchern von Horrorautor Stephen King basieren, genießen nicht den besten Ruf. Klar, es gibt Ausnahmen wie The Green Mile oder Der Nebel, doch gerade in den 80er/90er Jahren ist auf Grundlage seiner Geschichten auch eine Menge billig produzierter Kram auf Zelluloid gebannt worden. Ich kann mir die meisten dieser Werke zwar sehr gut nebenbei anschauen und bin der Meinung, dass einige von ihnen zu Unrecht einen schlechten Ruf genießen, aber bei aller Liebe: Hochwertige Filmkost sieht wahrlich anders aus. Und dennoch sind immer neue Leinwandauftritte seiner Romane selbst heutzutage nicht wegzudenken. So schlägt in Kürze das Remake von ES und die (meinerseits lang erwartete) Erstverfilmung von Der Schwarze Turm in den Lichtspielhäusern auf. Da kommt die Anfang des Jahres erfolgte De-Indizierung des 1995er Streifens Kinder des Zorns 3 – Das Chicago-Massaker gerade Recht. Doch genau genommen handelt es sich hierbei nicht einmal um eine waschechte Adaption eines Stephen King Buches. Nein, das trifft nur auf den Erstling anno 1984 zu. Was danach an Se- und Prequels kam (wenn ich richtige gezählt habe, waren es ganze 7 an der Zahl, plus ein TV-Remake des Originals) basiert lediglich auf der ursprünglichen Idee. Sogar der Autor selbst hat sich von all dem distanziert, was nach dem ersten Teil gedreht wurde. Aber was bedeutet das nun für den zweiten Nachfolger, welcher ab kommendem Freitag erstmals komplett uncut in den hiesigen Läden stehen wird? Ist er wirklich so schlecht, wie es bspw. die durchschnittliche Bewertung auf IMDB (4/10) befürchten lässt? Ich gebe auf so etwas bekanntlich nicht viel und mache mir stattdessen lieber selbst ein Bild.

Genau dieses folgt nun;) Um es gleich vorab auf den Punkt zu bringen: Ich fand Kinder des Zorns 3 keineswegs miserabel…aber genauso wenig ist er richtig gut. Auf der Pro-Seite stehen die insgesamt gute Produktion inklusive vereinzelten, handgemachten Splattereffekten, bodenständige Darsteller und vor allem der überraschend gute Score von David Licht. Doch bis auf den letztgenannten Aspekt, muss ich bei jedem anderen dieser Punkte auch ein „Aber“ einwerfen.

Während die SFX beispielsweise über weite Strecken zu überzeugen wissen, hat man es gerade im sonst recht ansehnlichen Finale geschafft, mich mit zwei unfreiwillig komischen, weil schlecht umgesetzten Sequenzen zum mitleidigen Schmunzeln zu bewegen.

Selten habe ich es gesehen, dass Stop-Motion mit Miniaturfiguren so mies kaschiert wurde. Ähnlich verhält es sich bei einer Ekelszene am Essenstisch, wo die Mampfenden plötzlich Kakerlaken anstelle des Abendbrots im Mund haben. Da hält der Familienvater sich schreckerfüllt die Hand vor selbigen und „spuckt“ schließlich das Viehzeug aus, wobei offensichtlich wird, dass er eben dieses lediglich aus den Griffeln fallen lässt. Das Lob an den Schauspielern muss ich ebenfalls relativieren: Während nämlich Ron Melendez (bekannt aus Nebenrollen in diversen Kriminalserien wie bspw. NCIS: New Orleans) als Joshua, Jim Metzler (L.A. Confidential) in der Rolle des Adoptivvaters und Nancy Lee Grahn (u.a. aus der TV-Serie General Hospital) als seine Frau sowie die sonstigen Nebendarsteller alle einen guten Job machen, trifft dies gerade auf Daniel Cerny, welcher die Schlüsselfigur Eli verkörpert, nicht zu. Allerdings kann man ihm nur bedingt einen Vorwurf machen, da seine Rolle so unfassbar anstrengend und nervig geschrieben wurde, dass man ihm mit seinem religiösen Gebrabbel am liebsten 24/7 den Hintern versohlen möchte. Alter Verwalter! Ein teuflisches Kind, das es auf Erwachsene abgesehen hat, kann man wirklich glaubwürdiger inszenieren (siehe bspw. Harvey Stephens als Damien in Das Omen oder Isabelle Fuhrmann als Esther in Orphan).

Wäre dieser mitunter sehr anstrengende Aspekt nicht gewesen, hätte ich dem Streifen guten Gewissens eine deutlich bessere Wertung verpasst. Denn obwohl er trashig ist und seine nicht zu verleugnenden Schwächen hat, liefert er auch das Flair jener klassischen Horrorfilme vom Ende des letzten Jahrtausends, welche ich mir immer wieder gerne anschaue, vor allem, weil sie nicht so überladen sind, wie es bei vielen Genrewerken unserer Zeit der Fall ist. Aufgrund dieses Punktes sowie der handwerklich guten Inszenierung und den im Großen und Ganzen anständigen Schauspielern kann ich letztlich auch eine Empfehlung (mit den genannten Einschränkungen) aussprechen. Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt;)

Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Children of the Corn: Urban Harvest | Regie: James D.R. Hickox | Drehbuch: Matt Greenberg, Dode B. Levenson | Darsteller: Daniel Cerny, Ron Melendez, Jim Metzler, Nancy Lee Grahn | Produktion: Gary DePew, Brad Southwick, Jim Begg | Freigabe: FSK 16 | Uncut: ja | Spieldauer: 91 Min. | Verleih: Capelight Pictures | Produktionsjahr: 1995 | Uncut VÖ Deutschland: 19.05.2017
BMTH Classics #05: Kinder des Zorns 3 - Das Chicago-Massaker (1995)
Prädikat: Adoptiveltern vs. Arschlochkind des Grauens in bodenständigem Gewand - nicht mehr und nicht weniger.
Story60%
Schauspieler70%
Spannung70%
Inszenierung70%
68%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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