Geheimdienste gibt es zwischenzeitlich ja wie Sand am Meer und gerade die USA sind da ganz groß im Geschäft: NSA, CIA, NRO, FBI und NGA – die Liste liest sich wie ein bekannter Song von den Fanta 4. Aber aufgepasst, denn all diese Organisationen sind nichts gegen den neuesten Geheimdienstshit: Die Kingsman. Zum Glück gibt es Matthew Vaughn (Kick-AssX-Men: Erste Entscheidung), der uns in seinem aktuellen Streifen über die Aktivitäten der Gentleman aufklärt. Diese sind nämlich immer dann zur Stelle, wenn es in einem der zahlreichen Krisenherde wieder mal richtig Stunk gibt, um den bösen Jungs anständig den Kopf zu waschen. Ganz aktuell ermitteln sie im Falle des stinkreichen, etwas seltsam sprechenden und stets ziemlich amüsant gekleideten Valentine (Samuel L. Jackson), der irgendetwas im Schilde zu führen scheint. Gleichzeitig suchen die Herrschaften neue Mitarbeiter und haben sich zu diesem Zweck eine Gruppe junger Nachwuchsagenten in die Zentrale geholt. Diese müssen nun das äußerst harte Ausbildungsprogramm bestehen, an dessen Ende sich nur einer von ihnen als neuer Kingsman um die Instandhaltung der Weltordnung kümmern darf. Der von Agent Galahad (großartig: Colon Firth) vorgeschlagene Gary, auch bekannt unter seinem Straßennamen Eggsy (Taron Egerton), ist ein heißer Kandidat für diese Stelle, obwohl er so gar nicht ins Bild der edlen Weltenretter passt. Während diese nämlich stets auf die einem Gentleman gerechte Etikette achten, pflegt der junge ‚Homeboy‘ sich eher einfach zu kleiden und auszudrücken. Doch wo andere einen völlig unqualifizierten Bewerber sehen, vermutet Galahad ein immenses Potential in dem jungen Mann…

Kingsman – The Secret Service hat mich zuerst überhaupt nicht interessiert. Das lag zum einen an dem ziemlich nichtssagenden Titel und zum anderen an dem Trailer, der zwar ganz nett aussah, allerdings konnte ich mich nie so recht mit Filmen anfreunden, in denen geleckte Agenten in schicken Anzügen die Hauptrolle spielen. Warum ich mir das Teil dann doch im Kino angeschaut habe, lag einerseits daran, dass die guten Plätze für Fast & Furious 7 gnadenlos ausverkauft waren (ein Bericht dazu folgt aber noch in der nächsten Woche). Außerdem hatten die Rocket Beans den Film nur wenige Tage zuvor auf ihrem Twitchkanal schwer gelobt.

Also gab ich ihm eine Chance…zum Glück, denn sonst hätte ich einen wirklichen feinen Titel auf der großen Leinwand verpasst.

Die sehr auf Etikette bedachten Protagonisten gibt es zwar auch hier, allerdings wird dieser Aspekt durch zahlreiche Überraschungen aufgelockert. Ohne zu spoilern kann ich zumindest verraten, dass alleine Samuel L. Jackson ein dermaßen großartiges Schauspiel abliefert, dass nahezu jede Szene mit ihm zum Abfeiern einlädt. Sein karikatives Auftreten samt Sprachfehler steht in krassem Gegensatz zu den Kingsman. Dann kommt Eggsy, den man sich mit seinem Gangsterstyle auch eher schlecht in einem schicken Zwirn vorstellen kann.

Stilgetreu gibt er gerne mal einen lässigen Kommentar auf zuvor wohlformulierte Sätze von Galahad ab und demontiert damit dessen feines Gehabe, was genauso gegen den Strich gebürstet wie saukomisch ist! Den Vogel schießen aber die Kingsman selbst ab, wenn es zum Kampf kommt. Dann lassen sie nämlich jeden guten Benimm sausen. Zwar bedienen sie sich dabei auch einiger Agentengadgets, größtenteils wird aber noch mit guter alter Handarbeit ans Werk gegangen. Hier liegt auch, neben dem Humor und den schrägen Charakteren, die ganz große Stärke des Films: Die Kampfchoreographien sehen schlichtweg umwerfend aus. Das liegt vor allem an der Kameraarbeit von George Richmond (Wanted), der die Action auf eine sehr erfrischende Art und Weise einzufangen vermag. Während Actionfilme heutzutage ja eher dadurch „glänzen“, dass Kampfszenen bis zur Unkenntlichkeit verwackelt werden, schafft Richmond es ganz nah am Geschehen zu bleiben und gleichzeitig jede Bewegung so zu filmen, dass sie für den Zuschauer noch nachvollziehbar ist. Hinzu kommt, dass der Streifen auch in Sachen Brutalität alles andere als zimperlich ist:

Es gibt haufenweise Kopfschüsse, Hände werden in Zeitlupe abgeschnitten und einen spitzen Holzstock weiß Galahad ebenso effektiv einzusetzen wie Kerzenständer (!).

Die Rocket Beans erwähnten in ihrer Show ständig eine Kirchenszene und so war ich entsprechend gespannt darauf, was damit gemeint war. Bei besagter Stelle kam ich nicht umhin, laut zu jubeln und auch andere Kinobesucher haben diese Sequenz extrem gefeiert. Sowas habe ich bislang in dieser Form einfach noch nicht gesehen und wie seinerzeit schon bei Shoot ‚em up gibt es auch hier zahlreiche Momente, bei denen man erstmal gar nicht glauben kann, was da auf der Leinwand abgeht. Zunächst fand ich es lediglich etwas schade, dass die Kampfszenen etwas spärlich gestreut sind, im Nachhinein bleiben sie aber gerade deswegen in Erinnerung, weil es eben nicht von Anfang bis Ende nur knallt.

Es gibt wahrlich wenig Schlechtes über den Film zu berichten. Lediglich die Story ist…naja, sie wird dem Popcornkino gerecht, aber mehr sollte man hier auch nicht erwarten. Abgesehen davon ist Matthew Vaughn hier ein großartiges Werk gelungen, welches sowohl ruhige, als auch actionreiche Momente hat. Beide haben ihre Daseinsberechtigung und während eventuelle Längen gekonnt mit Humor umschifft werden, heißt es bei den Actionszenen anschnallen und die Kinnlade festhalten! Laut dem Regisseur ist bereits eine Fortsetzung in Planung, was eine ebenso gute wie wenig überraschende Nachricht ist, scheint der Streifen doch ziemlich eingeschlagen zu haben. Abgesehen davon hoffe ich aber, dass sich zukünftige Actionfilme wenigstens eine kleine Scheibe von Kingsman – The Secret Service abschneiden, auf das wir bald auch mal wieder sehen, wer da wem auch die Schnauze haut…

Zusatzinfos | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 129 Min. | BR/DVD VÖ: 31.07.2015
Kingsman: The Secret Service (2014)
Prädikat: Kein Geheimnis mehr - die Kingsman rocken!
Story60%
Schauspieler85%
Optik92%
Action92%
82%Gesamtwertung
Leserwertung: (1 Judge)
86%

2 Responses

  1. Fynn

    Das klingt beeindruckend ! Hatte den auch schon die ganze Zeit im Auge, also danke für die Besprechung ! 🙂

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