Wenn man sich samstagabends mit Freunden einen Film anschaut und danach nicht umhin kommt, die durch das eben gesehene Werk transportierten Ideen ausgiebig zu diskutieren, dann handelt es sich ohne Frage um etwas Besonderes. Lucy ist so ein Film. Nicht nur, dass er sich mit einer äußerst interessanten Thematik befasst, er schafft es zudem, diese in einem ganz eigenen Stil zu transportieren und regt zum Nachdenken an. Aber ganz von vorn…

Der Mensch nutzt nur 10% seines Gehirns. Auf dieser Annahme basierend, erzählt Regisseur und Drehbuchautor Luc Besson (Léon – der Profi) die Geschichte von Lucy, die unfreiwillig zur Schmugglerin einer neuen, höchst effektiven Droge wird. Ein Beutel dieser Substanz, kurz CPH4 genannt, wird ihr einoperiert und so soll sie das blaue Granulat nach Frankreich importieren. Auf dem Weg dorthin wird sie jedoch von ein paar finsteren Zeitgenossen eher unsanft behandelt und infolge dessen reißt der Beutel in ihrem Bauch. Ein Teil von CPH4 gelangt in ihren Körper, wodurch sie innerhalb weniger Stunden Zugang zu 100% Hirnleistung erhält.

Was nun folgt, ist ein Rausch für die Sinne, eine Story, die viele Zuschauer ähnlich geflasht zurückgelassen haben dürfte, wie einst Matrix

Nachdem sich die erste Euphorie wieder etwas zur Vernunft gelegt hat, bin ich einmal auf Stöbertour durch das Internet gegangen. Meine Mission war es herauszufinden, ob die These des Films überhaupt noch irgendeine wissenschaftliche Relevanz hat. Die gefundenen Quellen ergeben eine ziemlich klare Sicht der Dinge, nämlich, das laut aktuellem Stand der Hirnforschung diese Behauptung ziemlicher Unfug ist. Nicht nur, dass Aussagen von Albert Einstein, auf denen eben jene These u.a. beruht, scheinbar falsch interpretiert wurden, es gibt auch sonst kaum nachvollziehbare Belege für die Theorie. Und die, die es gibt, wurden mittlerweile widerlegt. Man darf also davon ausgehen, dass, rein wissenschaftlich gesehen, der Film auf sehr wackeligen Füßen steht.

Das soll ihm aber nicht zum Verhängnis werden. Zum einen hatte Luc Besson die Idee zu seinem Werk nämlich schon vor 10 Jahren und wer weiß, ob die Hirnforschung damals schon so weit war. Wer würde dann eine so tolle Idee über den Haufen werfen, nur, weil einem die Wissenschaft einen Strich durch die Rechnung macht? Nee. Aber selbst, wenn man dem Film jedes fachliche Fundament entzieht, bleibt immer noch ein überdurchschnittlich guter Streifen. Über die Leistung von Scarlett Johansson (The Avengers) als Lucy sowie Morgan Freeman (Olympus has fallen) als Hirnforscher brauche ich sicher keine weiteren Worte verlieren. Die Action des Films ist solide und selbst, wenn es mal nicht kracht oder die Effektkeule ausgepackt wird, kann von Langeweile keine Rede sein. Ganz im Gegenteil! Gerne wäre ich noch etwas mehr in die Atmosphäre und die Fiktion eingetaucht, die

Lucy sehr gut zu vermitteln weiß. Während die Titelfigur sich zunehmend weiterentwickelt und man durch kurze Einblendungen gezeigt bekommt, bei wieviel Prozent ihre Leistung nun ist, fragte ich mich stets, zu was sie als nächstes imstande ist. Der Film hält den Zuschauer also zu jeder Zeit gut bei der Stange. Gleichwohl hätte man noch etwas mehr in die Materie einsteigen, sich erklären können.

Warum handelt Lucy bspw. immer weniger nach menschlichen Moral-vorstellungen, während sie doch zunehmend intelligenter wird?

Anstatt im Zuge einer Autoverfolgungsjagd auf die Verstärkung der Polizei zu setzen, verursacht sie Unfälle am laufenden Band. Wird hier nur Effekthascherei betrieben oder hat man sich etwas dabei gedacht? Es gibt gerade zum Ende hin Ansätze, die interessante Interpretationen zulassen. Eine wäre zum Beispiel die Idee, dass ein Wesen, das immer gottähnlicher wird, weil es quasi keine Grenzen mehr kennt, eben nicht mehr die gleichen Ziele verfolgt, wie das „unterentwickelte“ Menschengeschlecht. Auch, dass Lucy plötzlich in der Lage ist, Materie zu beeinflussen wirkt erst einmal extrem weit hergeholt. Aber wie war das noch gleich mit der Ausschüttung von Pheromonen und die damit einhergehende Beeinflussung unserer Umwelt? Wir sind also faktisch in der Lage, durch Abgabe bestimmter Stoffe eine Veränderung bei anderen hervorzurufen. Ist der Gedanke, den der Film hier behandelt dann wirklich noch so weit entfernt?

Bevor das nun in eine philosophische Abhandlung ausartet: Ich möchte sagen, dass der Streifen sehr interessante Ideen vermittelt, die zum Nachdenken anregen. Der o.g. Vergleich zu dem Science Fiction Meilenstein der Wachowski-Brüder liegt also nahe. Während Matrix sich jedoch thematisch ganz klar im SciFi-Genre bewegt, gibt Lucy zumindest vor, auf wissenschaftlich begründetem Fundament zu stehen. Ob man die fehlenden Erklärungen vermisst oder ob man sich den Film einfach nur zur Unterhaltung anschaut, ist natürlich Geschmackssache. Wer gerne noch etwas mehr Hintergrundinfos haben möchte, dem seien die Extras ans Herz gelegt. Diese fallen zwar recht mager aus, jedoch gibt es unter anderem ein Interview mit einem Mann vom Fach, der Stellung zu der Idee des Films bezieht. Auch hier gilt allerdings: Nicht alles glauben, was einem gesagt wird;)

Aber egal, von welcher Seite man Lucy letzten Endes betrachtet, trotz kleiner Schwächen ist es ein bildgewaltiges und einfach mal wieder anderes Blockbustererlebnis.

Quellen: dasgehirn.infoSWRWDR

 

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Lucy (2014)
Prädikat: Wissenschaftskino á la Hollywood.
Action75%
Schauspieler86%
Story92%
Spannung86%
85%Gesamtwertung
Leserwertung: (3 Votes)
72%

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