80 Jahre ist es her, als der genauso geniale wie verrückte Doctor Victor Wolffenstein (Mika Metz) versuchte, ein Serum herzustellen, welches ihn unsterblich werden lässt. Nach unzähligen Versuchen in seinem Labor gelang ihm dies sogar, allerdings hatte das hergestellte Mittelchen eine unschöne Nebenwirkung: Wolffenstein infizierte sich mit Nekrose und in der Folge starben nach und nach seine Körperteile ab. Dies war jedoch noch lange kein Grund aufzugeben. Stattdessen bediente er sich einfach an den Körpern der Dorfbewohner. Diese wiederum fanden das gar nicht lustig und brachten ihn kurzerhand bei lebendigem Leibe unter die Erde. Alright, holde Maid, ab in die Gegenwart:

Die fünf Freunde Emily (Isabelle Aring), Mike (Roland Freitag), David (Robin Czerny), Jenny (Stephanie Meisenzahl) und Tina (Julia Stenke) machen sich auf den Weg zu einer großen Raveparty. Unterwegs findet der Trip jedoch ein jähes Ende, als die Karre den Geist aufgibt. Zum Glück befindet sich ganz in der Nähe ein Anwesen samt Autowerkstatt. Die Mechaniker Gunnar (Mika Metz in seiner zweiten Rolle) und Benny (Mario Zimmerschitt) erklären nach zahlreichen Flüchen, dass die Reparatur etwas länger dauern wird. Also brauchen die Freunde eine Übernachtungsmöglichkeit…praktisch, denn das Anwesen bietet auch ein „Motel“. Leider wissen sie jedoch nicht, dass Doctor Wolffenstein wieder auferstanden ist und in einem blutgetränkten Keller seine Experimente fortführt. Frische Opfer kommen ihm dabei mehr als gelegen…

Mit „The Ultimate Experience in Violence & Gore“ verspricht Marc Rohnstock’s (Necronos, Dark Awakening) neuer Streifen ein Splatterfest deluxe und was soll ich sagen: Man hat nicht zuviel versprochen!

Wo zahlreiche genreverwandte Filme regelmäßig damit werben, „der härteste Film aller Zeiten“ oder „voller Blut und Gedärm“ zu sein, da kommt die relativ kleine Produktion um den wahnsinnigen Doctor mal eben um die Ecke und zeigt all diesen Streifen, wo der Hammer hängt. Ich schaue mir ja gerne und oft blutigen Kram an, aber soviel roten Lebenssaft wie hier habe ich wahrlich selten gesehen. Das Blut spritzt und fließt in wortwörtlichen Strömen und wo man sich bei anderen Filmen fragt, wo denn jetzt bitte die vielen „Guts & Gore“-Effekte gewesen sein sollen, da fragt man sich hier, wo denn genau mal kein Blut zu sehen war. Von der ersten Minute an schnellt der Bodycount in rekordverdächtige Höhen und gipfelt zwischenzeitlich in sekundenschnellen Splatterszenen, die ein Fest für jeden Fan solcher Filmkost sein dürften. Abgesehen davon wartet The Curse of Doctor Wolffenstein auch noch mit sehr viel nackter Haut auf und geht hier ebenso wenig Kompromisse ein, wie bei der Gewaltdarstellung. Ein Projekt, das so explizit mit Brutalität und nackter Haut umgeht, braucht vor allem eines: Ein Team, das

mit ganz viel Herzblut (höhö…’tschuldigung) dabei ist und das Genre nicht nur liebt, sondern auch lebt. Marc Rohnstock hat hierfür über die letzten Jahre ein Team um sich versammelt, das genau diese Kriterien erfüllt. Zu nennen wären vor allem Mario Zimmerschitt (Regie- und Special Make-Up Assistent, Requisiten, Dekorationen, Kostüme, Creature Design sowie neben Martin Rüdel und Nadine Rohnstock auch Co-Produzent), die Produzenten Dominik Ruf (der auch für die Kameraarbeit verantwortlich war) und Lars Rohnstock als auch Martin Rüdel, der für die musikalische Untermalung zuständig war.

The Curse of Doctor Wolffenstein hat aber noch viel mehr vorzuweisen, als bloß Hektoliter an Kunstblut und reichlich Innereien.

Auf der Premiere am gestrigen Samstag überraschte der Film vor allem durch einige unerwartete Witzeinlagen, die das ganze Kino grölen ließen. Es soll an dieser Stelle jedoch nicht zuviel verraten werden, außer, dass der Streifen nicht nur 2 Stunden pures Gemetzel zu bieten hat, sondern auch eine Menge Abwechslung in Form von Slapstickeinlagen, die den Zuschauer mal kurz in ein ganz anderes Genre entführen. Apropos anderes Genre: Einen Ausflug in die Gefilde des Creature Horror gibt es auch, dabei bleibt jedoch stets der rote Faden erhalten, was alleine schon Grund für ein fettes Lob ist!

Eines darf man bei dem Projekt allerdings nicht erwarten: Ein vor Glamour und Überproduktion strotzendes Filmchen, welches das hollywoodverwöhnte Publikum mit Samthandschuhen anfasst. Der Streifen ist roh und dreckig, findet dabei aber genau den richtigen Mittelweg zwischen Qualität und Independentlook. Man sollte keine oscarreife Darstellerleistung erwarten, wenngleich die Schauspieler eine gute Performance abliefern, allen voran Mika Metz in einer Doppelrolle, Isabelle Aring, die hier ihre erste Filmrolle hat (Hut ab!) und Mario Zimmerschitt als Mechaniker mit Hang zum Voyeurismus.

Als der Abspann gestern zuende war, konnte ich es kaum glauben, dass ein so kleines Team, bei dem fast jeder überall mit angepackt hat, ein solch großes Projekt zu stemmen vermag und dann auch noch dieses Ergebnis abliefert! Die Effekte, welche übrigens alle handgemacht sind, sehen klasse aus, das Setting weiß zu gefallen und von Langeweile ist weit und breit trotz der langen Laufzeit keine Spur. The Curse of Doctor Wolffenstein ist aber „ganz nebenbei“ auch ein sehr wichtiger Beitrag zum deutschen Genrekino, welches, ich kann es nicht oft genug erwähnen, ja leider noch in den Kinderschuhen steckt. Da kommt ein Film, der einfach mal richtig auf die Kacke haut, gerade richtig. Ich bin sehr gespannt, was das Infernal Films-Team in den nächsten Jahren noch so abliefert. Ganz sicher kommt da noch einiges auf uns zu!





Marc Rohnstock's The Curse of Doctor Wolffenstein (2015)
Prädikat: Violence & Gore plus ganz viel nackte Haut? Check!
Blutgehalt100%
Schauspieler75%
Spannung85%
Story74%
84%Gesamtwertung
Leserwertung: (6 Votes)
22%

2 Responses

  1. Dirk

    Das ist unfassbar. Seit wann sind solche Filme ein „sehr wichtige Beiträge zum deutschen Genrekino“? So ein Film ist eher ein sehr wichtiger Beitrag zum deutschen Amateurfilm. Alleine im Trailer sieht man schon, dass der Film in keinem Fall mit dem handelsüblichen deutschen Kino (oder auch Independent-Kino) gleichzusetzen ist. Er zeigt, dass auch Amateurfilme abendfüllende Filme machen können, aber zum klassischen deutschen Genrekino gehört das definitiv nicht – denn da sollten wir schon einen gewissen handwerklich qualitativen Anspruch stellen.

    Da müssen eher Filme wie RADIO SILENCE, URBAN EXPLORER, HELL, BUKAREST FLEISCH oder WIR SIND DIE NACHT genannt werden. Sowas allerdings nicht.

    Antworten
    • Alan Ripley

      Erst einmal Danke für das Feedback!

      Natürlich ist gerade so ein Film immer Geschmackssache. Die Aussage, dass es sich um einen wichtigen Beitrag zum deutschen Genrekino handelt, bezog sich darauf, dass selbiges meines Erachtens immer noch sehr zaghaft mit expliziter Darstellung umgeht. The Curse of Doctor Wolffenstein erweitert hier einfach die Grenzen und zeigt, dass auch deutsches Kino derbe und dreckig sein kann. Sicher gab es schon andere inländische Independentproduktionen, die in eine ähnliche Kerbe schlugen. Das schmälert aber nicht die von mir gemachte Aussage und die Wertschätzung, die ich dem Film hier zukommen lasse.

      Die von dir genannten Filme (wobei ich Radio Silence und Bukarest Fleisch nicht kenne) sind m.E. auch alle sehr gut (Urban Explorer, Hell) bzw. gut (Wir sind die Nacht). Gleichwohl spielen sie doch rein produktionstechnisch auf einem anderen Level und meiner Meinung nach sollte sich The Curse of Doctor Wolffenstein nicht mit solchen Beiträgen messen müssen. Bei den 3 Filmen, die ich gesehen habe, stand ein viel größeres Team und augenscheinlich auch mehr Geld dahinter. Ich denke, man muss hier einfach einmal die Relationen betrachten. Dann ist es schon beachtlich, was die Jungs und Mädels von Infernal Films geschafft haben. Ich möchte das jetzt nicht gleichsetzen, aber auch ein Peter Jackson hat einmal sehr roh angefangen…man sollte den Dingen einfach Zeit geben, sich zu entwickeln und ich sehe hier eine Menge Potential.

      Auch, wenn ich das etwas anders sehe, ist mir das Feedback wichtig. Was mich nur interessieren würde: Hast du den Film am Samstag denn gesehen?

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