Mark Brandis - Der Pandora-Zwischenfall | CoverHeute ist es nun also soweit: Mit Der Pandora-Zwischenfall findet die Mark Brandis-Reihe und damit auch ein brillantes Stück Hörspielgeschichte ein Ende. Leider habe ich erst recht spät einen Fuß in diese Welt gesetzt und bis jetzt auch noch nicht alle Folgen gehört. Dennoch erlaube ich mir das Urteil, dass Interplanar und Folgenreich mit dieser Serie neue Maßstäbe im akustischen SciFi-Genre gesetzt haben. Nur können sie ihr Werk auch zu einem würdigen Abschluss bringen?

In Folge 32 reist unser Titelheld mit seiner Frau Ruth O’Hara zur Station Pandora auf Kallisto, einem Jupitermond. Hier soll er die Leitung eines geheimen Gemeinschaftsprojekts der Union und der Republiken übernehmen. Ziel dessen ist es, gezüchtete Menschhybriden, sogenannte Astraliden, für eine Reise zu den Sternen und als Botschafter für die Menschheit gegenüber außerirdischem Leben auszubilden. Das Projekt läuft jedoch nicht ohne Komplikationen und schon bei seiner Ankunft auf Kallisto erfährt Brandis von zwei Todesfällen. Viel Zeit bleibt ihm jedoch nicht, um sich ein Bild von der Lage zu machen, denn nur wenig später kommt es zu einer weiteren Katastrophe – und auch sie soll nicht die letzte sein. Alles deutet darauf hin, dass jemand das Projekt sabotieren und damit die Reise der Astraliden verhindern möchte. 

Die Geschichten um den Weltraumnotretter sind für mich vor allem deswegen so groß, weil ihre Aussagen nicht nur für die von ihnen gezeichnete Zukunft, sondern auch für unsere Gegenwart Gültigkeit haben.

Als ich von der Story der abschließenden Folge hörte, hatte ich Hoffnung auf ein letztes großes Kapitel. Wird die Erzählung um die Astraliden dazu genutzt, um philosophisch zu ergründen, was den Menschen ausmacht (wie bereits schon oft im Kino gesehen)? Oder greift man die Thematik der feindlich gesinnten Einstellung gegenüber allem „Andersartigen“ auf? Das waren ein paar Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Ok, genug drüber nachgedacht – Kopfhörer auf und „Play“ drücken…

Schon nach wenigen Minuten hatte ich mehrfach eine Gänsehaut bekommen. Während der Einleitung beispielsweise fragt Mark seine Ruth, ob sie mit ihm nach Kallisto fliegt und beschreibt die geplante Mission der Astraliden mit den Worten „Hinaus aus dem Sonnensystem und hin zu den Sternen“. Klingt nach einem epischen Spektakel. Kurz darauf hört man, was diversen Erdenbürgern bei dem Namen Mark Brandis einfällt und der abschließende Kommentar („Woran du glaubst, dafür sollst du leben und sterben“) scheint nicht nur den Charakter des Titelhelden auf den Punkt zu bringen, sondern ebenfalls zu verdeutlichen, dass sich hier etwas Großes dem Ende neigt. Nach dem ersten Durchhören folgte jedoch zunächst die Ernüchterung. Sollten meine Erwartungen vielleicht zu hoch gewesen sein? Auf jeden Fall schien mir Der Pandora-Zwischenfall schlicht zu oberflächlich, zu gewöhnlich. Anstatt Tiefgang erlebte ich einen durchschnittlichen Scifi-Krimi. Hm…na gut, nochmal von vorn…Während des zweiten, dritten und vierten Durchlaufs konnte ich mir nach und nach ein Bild davon machen, wohin die Folge 

 

möchte. Nun könnte man sagen, dass man natürlich etwas findet, wenn man nur lange genug sucht. Es passt aber in meinen Augen, wenn man die Story als kleinen Appell an unseren Umgang mit der Zukunft versteht. Und was ist letztlich unsere Zukunft, wer sind unsere Botschafter an „die da draußen“? Unsere Kinder. Ausgehend von diesem Gedanken, fällt es dann auch nicht mehr sonderlich schwer, den Plot dieser Folge als Bild für unsere Gegenwart zu verstehen. Ebenso wie die Astraliden, wird auch unser Nachwuchs heute immer mehr auf Leistung, auf Wissen anstatt auf emotionale Reife hin erzogen.  Ich möchte jedoch nicht zuviel vorwegnehmen. Für sich genommen dürft ihr euch aber definitiv auf diese Folge freuen. Ein geschickter Abschluss der Reihe ist sie jedoch nicht…

Warum? Ich hätte mir vor allem vom Ende etwas mehr erhofft. Da bietet die Geschichte schon die Möglichkeit eines richtigen und endgültigen Abschieds von Mark Brandis und dann bleibt es doch irgendwie offen. Das mag an den Buchvorlagen liegen, denn hier geht die Reise noch weiter (nähere Infos dazu, warum nicht alle Bücher vertont wurden, findet ihr hier). Gleichwohl hat man sich schon vorher die Freiheit genommen, hier und da von den Büchern abzuweichen. Warum also nicht hier? Mir drängt sich das Gefühl auf, dass man sich noch ein Hintertürchen für eine Fortsetzungen offenhalten möchte. Das diese kommt, glaube ich zwar nicht, aber laut einem offiziellen Blog zum Hörspiel (klick) soll es in den nächsten Tagen „erfreuliche Nachrichten“ geben (?!). Vielleicht hört man Mark Brandis in anderer Form wieder?  Bei dieser Gelegenheit könnte und sollte man auch die noch immer offenen Handlungsstränge abschließen.  

Was ist beispielsweise aus den außerirdischen Artefakten vom Wanderplaneten Ikarus geworden und wie geht es mit den Spannungen zwischen der Union und den Republiken weiter? Das man diese wichtigen Eckpunkte nicht zuende erzählt  ist sehr bedauerlich.

Außerdem hätte ich mir  gewünscht, dass man sich in irgendeiner Form von den Fans verabschiedet und sei es nur durch ein nettes Gimmick wie Outtakes (das gab es schonmal bei John Sinclair und ich habe es extrem abgefeiert) oder ein paar kurze Worte von einem der Sprecher. So hat man am Ende des Abspanns einfach den üblichen Satz „Die Abenteuer von Mark Brandis gehen weiter…“ entfernt sowie einen längeren und zugegebenermaßen sehr starken Song eingebaut. Das ist aber einfach zu wenig! Selbst im Booklet steht nichts davon, dass die Reise hier nun zuende ist. Das hätte man feinfühliger lösen können, gerade bei einer so tiefgründigen Serie. Vielleicht hebt man sich diesen Abschied aber auch für den Zeitpunkt auf, wenn die Vorgeschichte Mark Brandis Raumkadett zu einem Ende kommt (diese wird ja noch weitergeführt). 

Zurück bleibt eine Serie, mit der Interplanar und Folgenreich den Hörspielfans zahlreiche unvergessliche Stunden beschert haben und obwohl die letzte Folge für sich genommen sehr stark ist, sehe ich sie nicht als den Abschluss, den Mark Brandis und die Hörer verdient haben.

 
Zusatzinfos | Laufzeit: 79:00 Min. | Label: Folgenreich (Universal Music) | Altersempfehlung: ab 12 Jahren | VÖ: 24.07.2015
Mark Brandis - Der Pandora-Zwischenfall
Prädikat: Eine weitere große Folge aber ein enttäuschender Abschluss einer bedeutenden Hörspiel-Ära!
Sprache96%
Inhalt85%
Spannung75%
Ton90%
Verabschiedung der Serie35%
76%Wertung
Leserwertung: (1 Judge)
89%

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