Erinnerungen. Sie sind Fluch und Segen zugleich. An manche denken wir gerne zurück, andere würden wir am liebsten aus unserem Gedächtnis streichen. Aber egal ob es sich um beflügelnde oder belastende Erinnerungen handelt, sie alle sind ein integraler Bestandteil dessen, was uns zu dem Menschen macht, der wir sind. Wie wäre es nun, wenn jemand in diese unsere Vergangenheit eindringen und alle Erinnerungen miterleben könnte, als wäre er selbst dabei gewesen? Man kann sich das so ähnlich vorstellen, wie Leonardo DiCaprio es in Christopher Nolan’s Meisterwerk Inception getan hat…nur eben nicht mit Träumen, sondern mit Erinnerungen. Tom (Sasha Roiz) hat ein Gerät für genau diesen Zweck entwickelt und versucht dieses nun an den Mann zu bringen. Natürlich bekommt die Regierung Wind von dem Projekt und macht ihm ein lukratives Angebot. Mit seiner Erfindung möchte man in die Erinnerungen von Verbrechern eindringen und so herausfinden, ob sie wirklich schuldig sind. Die erste Vorführung geht allerdings ganz gewaltig nach hinten los und Tom ist fortan in den Erinnerungen des drogenabhängigen Anthony (Dominic Bogart) gefangen. In der Realität liegt er indes für über 4 Jahre im Koma, während keiner der Außenstehenden weiß, dass er immer noch “da drin” ist. Toll, und jetzt?! Eines vorweg: Memory Effect macht erst gar keine großen Anstalten das interessante Thema auf eine philosophische oder tiefenpsychologische Ebene zu heben. Die Handlung, die Erklärungen und letztlich auch die Auflösung bewegen sich allesamt auf recht oberflächlichem Niveau. Es werden also keine tiefgründigen “Was wäre wenn”-Theorien aufgezogen, stattdessen konzentriert sich der Film darauf zu unterhalten. Das soll aber keineswegs heißen, dass er platt ist…er verdreht einem eben nur nicht so sehr die Hirnwindungen, wie Inception. Das macht ihn jedoch auch sehr viel angenehmer zu schauen.

Erinnerungen...Einfach mal etwas in Erinnerungen schwelgen…

Nir Paniry’s erster abendfüllender Spielfilm ist aber trotz seiner etwas einfachen Herangehensweise interessant, spannend und er schafft es, dass man über die Laufzeit von knapp 1 1/2 Stunden voll bei den Protagonisten ist. Das man insbesondere über den vermeintlichen Mörder Anthony, in dessen Erinnerungen ein Großteil des Films spielt, sehr viel erfährt, liegt natürlich in der Natur der Thematik. Das man aber so sehr mit ihm und seinem unfreiwilligen Begleiter Tom mitfühlt, ist nicht selbstverständlich. Das liegt ohne Frage an der großartigen Leistung der Hauptdarsteller, deren Figuren beide Gefangene sind: Der eine sitzt im Gefängnis und der andere ist in dessen Kopf gefangen. Insbesondere Dominic Bogart beweist ein sehr gutes Gespür für das richtige Timing und macht es dem Zuschauer alles andere als einfach, sich ein Urteil über ihn zu bilden. So muss das sein! Obwohl Memory Effect weniger action- denn dialoglastig ist, wurde mir zu keinem Zeitpunkt langweilig und zum Ende hin hatte ich tatsächlich nochmal eine Gänsehaut. Auf jeden Fall bin ich gespannt, welche Filme Nir Paniry uns in Zukunft noch so serviert, wenn bereits das Langfilmdebüt so mitreißen kann.

 

Zusatzinfos | Originaltitel: Extracted | Freigabe: FSK 16 | Uncut: ja | Spieldauer: 89 Min. | Studio (Verleih): Tiberius Film | BR/DVD VÖ: 05.12.2013

Memory Effect (2012)
Prädikat: Ein Film, an den man sich noch eine Weile erinnern wird.
Story87%
Schauspieler90%
Spannung83%
87%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.