Michael (K)ein harter Vampirfilm | Cover ©José HidalgoDas Subgenre des Vampirfilms ist, ähnlich wie die immer wieder auf’s Neue durch das (Heim-)Kino watschelnden Untoten, nicht mehr aus der cineastischen Medienlandschaft wegzudenken. Das Spektrum ist dabei sehr breit gefächert: Von familienfreundlichen Flicks für „die Kleinen“ über Splatterstreifen, welche die Kunstblutindustrie so richtig florieren lassen, bis hin zu Arthaus Werken, die das Thema intellektuell aufarbeiten. Da ist so ziemlich für jeden etwas dabei. Doch gerade aufgrund dieser Fülle an stets neuem Nachschub frage ich mich immer wieder, wann die blutsaugende Welle ein Ende nimmt und ob neu erscheinende Filme überhaupt noch mit innovativen Ideen überzeugen können. Tja, und dann kommen Streifen wie José Hidalgo’s neuester Output Michael (K)ein harter Vampirfilm und zeigen, dass es gar nicht unbedingt einer komplett ausgefallenen Idee braucht…nein, oft reicht es schon, wenn man mit kleinen Mitteln ein Werk schafft, das vor Herzblut strotzt (haha…Herzblut…in einem Vampirfilm…du verstehst schon…haha;) und auf äußerst sympathische Weise seine Ecken und Kanten vergessen lässt. Doch bevor ich ins Detail gehe, hier erstmal ein kurzer Abriss der Story:

Michael (Jörn Guido) ist ein Macho wie er im Buche steht und hat dementsprechend ganz „stilecht“ nur eines im Kopf: In welches Weiblein kann er seinen Johnny als nächstes stecken? Doch seine Libido wird ihm eines Tages zum Verhängnis, als er erschrocken feststellen muss, dass sein bestes Stück nicht mehr gen Himmel zeigen will. Verzweifelt wendet er sich an seinen Kumpel Mumu (José Hidalgo) und dessen Freundin Lola (Simone Kaufmann). Die sind auch erst einmal ratlos und schleifen den Kerl zum Doc, welcher nach einer kurzen Untersuchung feststellt, dass das erschlaffte Glied bei weitem nicht Michael’s größtes Problem ist, denn alle Werte lassen darauf schließen, dass er…nun ja…untot ist. Aber noch scheint Zeit zu sein, um eine Lösung für das Problem zu finden…

Bereits die ersten Minuten des Films zeigen, dass dem Regisseur, welcher u.a. auch als Drehbuchautor, Produzent und Sänger des Titelsongs verantwortlich zeichnet, für sein Werk nur stark begrenzte Mittel zur Verfügung standen. Dies merkt man sowohl an den Effekten, welche klugerweise nur vereinzelt eingebaut wurden, dem Schauspiel und den Requisiten.

Gleichwohl gelingt es José Hidalgo, diese Kritikpunkte durch eine, im Rahmen seiner Möglichkeiten, charmante Inszenierung sowie (im positiven Sinne) komplett bekloppte Dialoge sehr schnell in den Hintergrund zu drängen.

Gerade der letztgenannte Aspekt hat mich davon überzeugt, dass ich es hier mit einer liebevoll umgesetzten und verdammt lustigen Independentproduktion zu tun habe, deren Gagdichte mich mitunter regelrecht überrollt hat. Kaum ein Satz und kaum eine Szene vergehen, ohne, dass irgendein Wortspiel rausgehauen oder das teils irrwitzige Verhalten der Figuren zum Besten gegeben wird. Hinzu kommt, dass man hier und da die vierte Wand durchbricht und direkt zum Zuschauer spricht bzw. diesen anschaut. Noch großartiger finde ich es, wenn nur eine der anwesenden Personen in die Kamera blickt und alle anderen scheinbar nicht raffen, was hier gerade abgeht. Herrlich!

Man sollte natürlich einen Zug zu leicht abgedrehtem Humor haben und sich auf einen Streifen einlassen können, der sich nicht um Hochglanz schert, sondern vielmehr darum, dem Zuschauer über gut 90 Minuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das ist es letztlich auch, was ich bei vielen neuzeitlichen, millionenschweren Komödien vermisse, wodurch Hidalgo’s Werk bei mir definitiv einen Stein im Brett hat (autsch!).

Bildeindrücke einer alles andere als steifen Komödie

Testet Michael's gesteigerte Geruchssinne: Professor Johansson (Georg Gröling-Müller)

©José Hidalgo

Ölt seine Keule: Michael (Jörn Guido)

©José Hidalgo

Weiß mit Vampiren (und Frauen) umzugehen: Pfarrer Engelbert (Klaus Thiel-Klenner)

©José Hidalgo

Krisensitzung auf der Couch (v.l.n.r.): José Hidalgo, Simone Kaufmann, Jörn Guido

©José Hidalgo

Auf der Suche nach göttlichem Beistand.

©José Hidalgo

Eine (un)anständige Scharade.

©José Hidalgo

Auf in den letzten Kampf.

©José Hidalgo

Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Originaltitel: Michael (K)ein harter Vampirfilm | Regie: José Hidalgo | Drehbuch: José Hidalgo, Kirsten Rusche | Darsteller: Jörn Guido, Simone Kaufmann, José Hidalgo | Produktion: José Hidalgo, Anne Helen, Kirsten Rusche | Freigabe: t.b.a. | Uncut: t.b.a. | Spieldauer: 92 Min. | Verleih: t.b.a. | Produktionsjahr: 2016 | VÖ Deutschland: Ende 2017
Michael (K)ein harter Vampirfilm (2017)
Prädikat: Eine liebevoll umgesetzte, abgedrehte Vampirkomödie, die unheimlich Spaß macht.
Story82%
Schauspieler55%
Unterhaltung90%
Inszenierung82%
77%Wertung
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