Night Moves | CoverJosh (Jesse Eisenberg, The Social Network), Dena (Dakota Fanning, Krieg der Welten) und Harmon (Peter Sarsgaard, Orphan – Das Waisenkind) sind Umweltaktivisten und sie wollen ein Zeichen setzen. Daher planen sie, einen Staudamm zu sprengen und sich ungesehen davon zu machen, in der Hoffnung, dass die Menschen ins Grübeln kommen. Dass sich jedoch mit dieser Aktion das Leben der drei radikal verändern soll, merken sie erst, als es bereits zu spät ist…

Es lässt sich schwer verbergen: Night Moves kommt nicht gerade mit einer ausgefeilten Story daher. Tatsächlich liegt die eigentlich Stärke des Films nicht in dem, was man sieht, sondern in dem, was man nicht sieht. Eigentlich ziemlich bekloppt, wenn es um ein audiovisuelles Medium geht, oder? Dass man aber auch mit wenig Handlung und spärlichen Dialogen einen intensiven und vor Spannung knisternden Film schaffen kann, haben bereits vor Kelly Reichardt (Auf dem Weg nach Oregon) einige Regisseure und Drehbuchautoren bewiesen, zuletzt beispielsweise Jeff Nichols mit seinem genialen Take Shelter (hier geht’s zum Bericht: Klick). Während Letzterer jedoch die innere Zerrüttung seines Protagonisten noch mit fantastischen Visionen unterstützte, verlässt sich Night Moves voll auf die schauspielerischen Fähigkeiten seiner Hauptdarsteller, allen voran Jesse Eisenberg als Josh, den man nach der Sprengung des Staudamms begleitet. Ebenso wie die anderen beiden macht auch ihm der durch ihre Aktion ausgelöste Kollateralschaden mächtig zu schaffen. Der Wunsch, nach außen hin ein Zeichen zu setzen, muss plötzlich dem eigenen Gewissen weichen, das zunehmend an ihm nagt. Da aber Geschehenes bekanntermaßen nicht rückgängig zu machen ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als nach vorn zu blicken und sich für einen Weg zu entscheiden, um mit der aufgeladenen Schuld umzugehen und sich die Frage zu stellen, ob er zu dem Fehler steht, oder Maßnahmen ergreift, um seine eigene Haut zu retten. 

Dieses Ringen mit der Moral, der Angst und den Zweifeln in einem Mikrokosmos der Gefühle darzustellen und dabei vollends auf Unterstützung seitens der Bildsprache verzichten zu müssen dürfte vielen Schauspielern schwer fallen.

Jesse Eisenberg, Dakota Fanning (mit leider viel zu wenig Screentime) und Peter Sarsgaard (mit leider noch weniger Screentime) meistern diese Aufgabe jedoch ohne Probleme und teils so intensiv, dass die inneren Konflikte der Protagonisten durch den Raum vor der Mattscheibe zu knistern scheinen. Nun könnte man meinen, dass die Darsteller eigentlich nicht viel tun, ja, während der fast zwei Stunden so gut wie nichts passiert. Aber auch das muss das Medium Film und seine Darsteller erst einmal schaffen: Die Vermittlung einer Situation, die die menschliche Moral sowie die seelische Stabilität auf die Probe stellt, ohne sich irgendeiner Effekthascherei zu bedienen, nur, um die Massen zu unterhalten – und das bedeutet in vorliegendem Fall sogar, auf ausufernde Dialoge zu verzichten. „Na und, ist doch langweilig!“ mögen manche nun sagen und diese Meinung sei ihnen selbstverständlich zugestanden. Für mich schafft der Film es jedoch gerade durch seine konzentrierte Ruhe, die Situation so realistisch darzustellen, wie es andere Werke nicht vermögen. Man stelle sich einmal vor, dass eine unfassbar große Schuld auf einem lastet – dann hat man eben keine Lust, sich ständig zu unterhalten, zieht sich unter Umständen immer weiter in sich zurück. Und das zeigt der Film in teils ungewohnt langen Einstellungen, in denen die Protagonisten ihren Blick durch die Gegend treiben lassen, in Gedanken versunken herumsitzen oder wie unter Verfolgungswahn leidend umherblicken. Das ist dann nicht langweilig, sondern realistisch. Untermalt wird das Ganze von einem sehr zurückhaltenden und daher umso passenderen Soundtrack.

Eines kann man dem Film schließlich dann aber doch vorwerfen: Er demontiert durch die von Anfang an ziemlich gedankenlose Aktion der drei Umweltaktivisten teils seine eigene Spannung und Tiefe. Womit bitte haben sie denn gerechnet? Wenn man so etwas plant und durchführt, muss man davon ausgehen, dass es böse ausgeht. Da hätte man sich in Sachen Drehbuch vielleicht ein paar mehr Gedanken über den Aufhänger machen müssen, damit die Figuren des Films auch zu Recht überrascht sein dürfen, wenn ihre Aktion zwar glückt, aber zugleich auch gravierend schief gelaufen ist. 

Abgesehen davon bekommt man mit Night Moves einen anständigen Herbstfilm geliefert, der ein wenig nachdenklich macht, zum Ende hin gar etwas gruselig wird, vor allem aber eine dichte Atmosphäre aufweist, die mich für knapp zwei Stunden ziemlich gefesselt hat. 

 

 


Zusatzinfos | Freigabe: FSK 12 | Uncut: Ja | Spieldauer: 112 Min. | Verleih: Ascot Elite Home Entertainment | BR/DVD VÖ: 17.02.2015

Night Moves (2013)
Prädikat: Stille Wasser sind tief.
Story60%
Schauspieler88%
Spannung83%
Inszenierung90%
80%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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