10 Filmjahre nach dem Vorgänger wurde die Menschheit in Planet der Affen – Revolution nahezu ausgerottet. Ziemlich dumm gelaufen, denn der Grund dafür ist ein eigentlich gegen Alzheimer entwickeltes Medikament, dessen Wirkung mal sowas von nach hinten losging. Die Nebenwirkung: Bei Affen bewirkt das Mittel einen Anstieg der Intelligenz, sodass diese nicht nur anfangen zu sprechen, sondern auch die untergehende Zivilisation der Menschen verlassen und sich in den Wäldern ein neues Zuhause aufbauen. Mittlerweile zweifelt King Louie, äh Caesar (Andy Serkis) und sein Clan daran, dass die Menschheit überhaupt noch fortbesteht. Auch die wenigen verbliebenen Exemplare unserer Spezies haben die überdurchschnittlich intelligenten Affen vergessen. So haben es sich beide Gruppen in unterschiedlichen Teilen unserer Welt gemütlich gemacht und alles hätte eigentlich ganz schön sein können. Dann verschlägt es jedoch eine kleine Gruppe Menschen in die von Affen bewohnten Wälder und das erste Zusammentreffen endet alles andere als glücklich. Dennoch versuchen Caeser und Familienvater Malcom (Jason Clarke) den auf beiden Seiten aufkeimenden Konflikt zu verhindern. Der Versuch einer Koexistenz trägt erste Früchte, sehr zum Missfallen Einzelner, die im Hintergrund einen Krieg heraufbeschwören, der irgendwann unvermeidlich scheint…

Ich muss ehrlich zugeben, dass der Vorgänger Planet der Affen – Prevolution mein erster Berührungspunkt mit der Filmreihe war. Eigentlich hat mich die Thematik bis 2011 auch nicht so wirklich interessiert, aber dann hat es mich doch gepackt. Planet der Affen – Revolution war also Pflichtprogramm, wenngleich ich meine Zweifel hatte, dass dieser mich ebenso begeistern kann. Die Trailer sahen doch einen Tick zu sehr nach oberflächlichem Triple A Actionkino aus. Aber ich lasse mich ja gerne vom Gegenteil überzeugen…glücklicherweise hat der Film genau das geschafft und tatsächlich hat mich lange kein Blockbusterfilm mehr so mitfiebern lassen, wie dieser hier. Das liegt vor allem daran, dass Revolution eben kein plumper Actionstreifen, sondern im Kern ein recht intensives Drama ist. Bereits zu Beginn nimmt sich der Film die Zeit um in aller Ruhe die einzelnen Charaktere der Affen vorzustellen. Charaktere? Häh? Ganz richtig, denn nach Gollum und King Kong sind die per motion capture zum Leben erweckten Affen die wohl intensivsten Animationen, die ich kenne, allen voran Caesar. Im Übrigen stand Andy Serkis für alle drei Figuren vor der Kamera. Auf Seite der Menschen bekommt man gutes bis sehr gutes Schauspiel geboten. Insbesondere Gary Oldman (The Dark Knight-Trilogie) bietet eine tolle Leistung bei leider viel zu wenig Screentime.

Generell hat man offensichtlich großen Wert auf die Tiefe der Figuren gelegt, wobei der Schwerpunkt ganz klar zugunsten der behaarteren Spezies ausfällt…klar, der Film heißt schließlich auch nicht Planet der Menschen. Sehr intensiv inszeniert wurde der innere Konflikt von Caesar, der sich emotional auf einem sehr schmalen Grat bewegt. Soll er den Menschen dabei helfen, den in seinem Terrain befindlichen Staudamm wieder in Betrieb zu nehmen, damit Malcolm und seine Leute die Stadt wieder mit Strom versorgen können? Oder soll er sie zum Teufel jagen, wie es ihm sein Freund Koba rät, der für Menschen aufgrund seiner schlechten Erfahrungen nur Hass und Misstrauen übrig hat? Einen richtigen Weg scheint es für Caesar nicht zu geben. Um so beeindruckender ist dieser an sich nicht neue Konflikt, da die Affen im Film zwar sehr menschliche Züge aufweisen, es aber dennoch geschafft wurde, sie als Tiere darzustellen, sie also nicht zu sehr zu vermenschlichen. So verständigen sie sich gerade zu Beginn ausschließlich mit Zeichensprache – wer der tierischen Version dieser Ausdrucksweise nicht mächtig ist, für den gibt es übrigens Untertitel;) Auch die Rangordnung im Affenclan wird immer wieder in den Vordergrund geschoben. Was dem Einen oder Anderen vielleicht etwas sauer aufstoßen könnte ist, dass die Affen im Laufe des Films mit Maschinengewehren um sich schießend durch die Stadt reiten. Ohne die alten Filme zu kennen, vermute ich jedoch einfach einmal, dass dies originalgetreu ist. Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege.

Ach ja, noch etwas: Die Computeranimationen sind absolut atemberaubend. Sie sind so gut, dass ich zwischenzeitlich nicht mehr das Gefühl hatte, dass die Affen animiert sind. Klasse! Schenken kann man sich dagegen die 3D-Effekte. Nice to have, aber man hat auch nicht unbedingt etwas verpasst, wenn man die günstigere Kinokarte ohne Brille wählt.

Ich kann und möchte Planet der Affen – Revolution uneingeschränkt empfehlen. Obwohl es ausreichend KNALL-BUMM-BÄNG gibt, ist es nicht der Actionstreifen, den sich mancher aufgrund der Trailer vielleicht erhofft. Es handelt sich auch um keine Charakterstudie oder gar einen Arthouse Film, der mit außergewöhnlich hohem künstlerischem Mehrwert zu punkten weiß. Eines ist er aber ganz sicher: Ein packender Film mit interessanten Charakteren, einer spannenden Story, bei der man mitfiebert und state of the art Animationen. Wer den Vorgänger mochte, wird vom zweiten Teil nicht enttäuscht sein, aber auch allen anderen sei der Film wärmstens empfohlen.

Prädikat: Affenstark!

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