Planet USA | Cover ©Schröder MediaDie USA sind groß, mächtig und geil! Kurzum: Die Weltmacht und -polizei hat’s einfach drauf. Das gilt nicht nur für ihre Innen- und Außenpolitik, ihr allumfassendes Wissen über alles, was sich außerhalb des eigenen Landes abspielt sowie ihre großartigen Geheim- und Nachrichtendienste, sondern auch und vor allem für’s Kino. Die ultimativ stärksten Streifen kommen aus den Vereinigten Staaten. Im Jahre 2008 jedoch schickte sich ein Student aus unserem Nachbarland Österreich an, dem Filmgiganten das Zepter aus der Hand zu reißen und ihm dabei all die o.g. (selbstverständlich in höchstem Maße ironischen) Aussagen dick unter die Nase zu reiben und sei es nur, um dem Zuschauer ein fast zweistündiges Dauergrinsen zu bescheren. Die Rede ist von Regisseur und Drehbuchautor Flo Lackner, der in 4 Jahren ein Werk auf die Beine gestellt hat, wie man es in dieser Form selten zu Gesicht bekommt. Dabei ist es nicht einmal nur das Endprodukt an sich, sondern auch dessen Entstehungsgeschichte, die aus Planet USA einen Streifen macht, welcher mich regelrecht aus den Socken gehauen hat. Warum, wieso und weshalb erläutere ich euch in folgendem Artikel…

George Conrad (David Hofer) ist die Karikatur eines stolzen, patriotischen Majors: Immer die Zigarre zwischen den Lippen und einen flotten Spruch auf der Zunge, den er seinem Gegenüber (gespickt mit einer Beleidigung, die Aussagen „unter der Gürtellinie“ wie ein Kompliment aussehen lassen) im militärischen Befehlston entgegenbellt. Ja, so jemandem vertraut man doch gerne die Rettung der Welt an, weshalb der Ex-Präsident der USA den Burschen auch damit beauftragt, unsere (westliche) Gesellschaft vor dem Erdölkollaps zu retten (natürlich). Das schwarze Gold wird im Jahre 2014 nämlich echt knapp, aber zum Glück hat man auf dem Mond (?!) große Quellen entdeckt, die man nun anzapfen möchte. So eine Weltraummission kostet aber, also holt man sich zwei Scheichs (Gunther GillianTim Seyfi) aus dem mittleren Osten an Bord, die das Projekt gerne unterstützen (??!!). Mit deren Kohle lässt sich die Mission stemmen und nachdem man den Russen noch schnell den nötigen Sprengstoff geklaut hat, mit dem man die Ölquelle freilegen möchte, setzt man Conrad und sein Team von Spezialisten (Ingo Kowatsch als Lt. Warren Magnus, Christian Köfer als Billy Queen und Daniel Leeb als Charly Miles) in eine Rakete und schießt sie ins All. Die Mission läuft allerdings nicht nach Plan, denn viele der Beteiligten sind nicht die, die sie zu sein vorgeben. 

Die Story klingt nicht nur so bekloppt, wie einst die Nazis vom Mond in Iron Sky, sie wurde auch in gleichem Maße grandios umgesetzt. Flo Lackner erzählt seine Story unfassbar unterhaltsam und haut einem die Gags in so einer hohen Dichte um die Ohren, dass man beim Lachen kaum dazu kommt Luft zu holen. Die Sprüche sind derb, politisch so inkorrekt, wie es nur geht und egal ob Russen, Araber oder Amerikaner: Hier bekommt wirklich jeder sein Fett weg. Die Figuren sind passenderweise extrem klischeebehaftet und völlig überzogen, was von allen Darstellern in einer schauspielerischen Qualität umgesetzt wird, die in diesem Genre und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (dazu gleich noch mehr) alles andere als selbstverständlich ist. Hinzu kommt, dass Planet USA nicht mit Actionszenen und abwechslungsreichen Drehorten geizt: Autos und Hütten werden in die Luft gejagt, es gibt eine Mondlandung, hier und da einen Splattereffekt und selbst auf Feuergefechte sowie Nahkämpfe muss man nicht verzichten. Technisch wurde das Meiste davon (deutlich mehr, als man meinen würde) in Handarbeit umgesetzt, doch auch, wenn man sich mal mit CGI aushelfen musste, liefert man ein Ergebnis ab, dass sich sehen lassen kann. Im Grunde ist also alles am Start, was einen guten und unterhaltsamen Film ausmacht. Was aber ist an diesem hier nun so besonders?

Ganz einfach: Zahlreiche Aspekte des Films werden als etwas Anderes und deutlich mehr ausgegeben, als es eigentlich der Fall ist. Da nämlich für Planet USA quasi keine Mittel zur Verfügung standen, war Flo Lackner nicht nur ausschließlich auf Drehorte in Österreich beschränkt, er musste sich auch sonst in nahezu allen Punk-

ten seines Werkes eine kreative Lösung einfallen lassen, was ihm schließlich auch gelungen ist. So wurden manche Locations mehrfach verwendet und im Film als ganz unterschiedliche Örtlichkeiten eingebaut. Dies fällt aber überhaupt nicht auf, wenn man nicht bewusst darauf achtet. Darüber hinaus wurde die Mondlandung in einer Kiesgrube gedreht, für den Start der Rakete hat man ein Miniaturmodel in einem Museum abgefilmt und die Aufnahmen von Düsenjets sind während einer Flugshow entstanden. Lackner’s Begeisterung, ohne die ein solches Werk nie hätte zustandekommen können, riss auch andere mit sich und so konnte er nach und nach immer mehr Leute für seinen Film gewinnen. Erst dadurch wurden letztlich der visuelle Feinschliff, der richtige Schnitt und die hochwertige Nachvertonung ermöglicht. Insbesondere was letzteren Punkt angeht, konnte Planet USA mich in seiner Machart und in seinem Ergebnis vollends überzeugen. Jedes kleine Geräusch wurde in mühevoller Detailarbeit nachträglich aufgenommen und in den Film eingebaut!

Für die Stimmen konnten der Regisseur und sein Freund sowie Unterstützer Charles Rettinghaus (u.a. Darsteller in diesem und weiteren Filmen als auch die deutsche Stimme von Jean-Claude van Damme/Robert Downey Jr./Jamie Foxx) eine Riege aus den besten Synchronsprechern Deutschlands um sich versammeln. 

Zu hören sind hier zum Beispiel Salma Hayek/Monica Bellucci (gesprochen von Christin Marquitan), Jon Bernthal/Channing Tatum (Martin Kautz), Sam Rockwell/Daniel Craig (Dietmar Wunder) und Ryan Reynolds/Chris Evans (Dennis Schmidt-Foss). Die Liste der bekannten Stimmen komplett aufzuführen würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen, es lohnt sich aber, sich diese einmal in der Synchronkartei anzuschauen. Es ging Flo Lackner bei dieser prominenten Besetzung aber keineswegs nur darum, seinem Film zu einer gewissen Popularität zu verhelfen. Er wollte den Sprechern damit auch die längst überfällige Bühne verleihen, um sich einmal selbst zu präsentieren. In meinen Augen eine grandiose Idee. Hierzulande ist man nämlich unheimlich verwöhnt, wenn es um diesen Aspekt geht, zumal man insbesondere in hochbudgetierten Streifen einfach davon ausgeht, dass die Synchroabteilung schon einen guten Job macht. In Planet USA jedoch haben fast ausschließlich unbekannte Darsteller plötzlich Stimmen, die man „doch von irgendwoher kennt“. Das erhöht das Interesse und vielleicht schlägt der Eine oder Andere auch mal nach, wer denn hier spricht. So steigt (hoffentlich) der Bekanntheitsgrad derjenigen, die seit Jahr und Tag für das deutsche Filmpublikum so eine fantastische Arbeit leisten. 

Bei all dem überschwänglichen (und verdienten) Lob sollte man jedoch eines nicht vergessen: Flo Lackner’s Werk ist kein Transformers und kein Armageddon, wenngleich es zahlreiche Verweise auf diese und weitere Streifen der Marke Hollywood aufweist (was übrigens ebenfalls sehr amüsant ist, weil es nicht geklaut, sondern vielmehr wie ein Fingerzeig auf das oftmals immer gleiche amerikanische Kino wirkt). Angesichts des Budgets, welches dem Team zur Verfügung gestanden hat, ist es aber umso erstaunlicher, dass man das Projekt optisch so gut hinbekommen hat und jeder, der ein wenig mit der Filmographie eines Michael Bay oder eines Jerry Bruckheimer vertraut ist, die entsprechenden Versatzstücke deutlich wiedererkennen dürfte. Man merkt dem Streifen einfach in jeder Sekunde an, dass hier ganz viel Herzblut drin steckt. All dies macht aus Planet USA einen außergewöhnlichen, sympathischen und sehr empfehlenswerten Film. Daher geht auch meine klare Empfehlung raus, sich das Teil zu kaufen (bspw. bei Amazon) und damit einen Filmemacher zu unterstützen, von dem man in Zukunft sicher noch viel hören wird.

 


Bilder von der Weltenrettung

Na, kommt das jemandem bekannt vor? (Michael*hust*Bay)

©Schröder Media

Ein stolzer Amerikaner! (David Hofer)

©Schröder Media

Einsatzbesprechung. (vlnr.: Ingo Kowatsch, Charles Rettinghaus, Christian Köfer)

©Schröder Media

Ein Waise, der nur noch sein Land hat...und seine Garage. (Daniel Leeb)

©Schröder Media

Die Flagge ist allgegenwärtig.

©Schröder Media

Eigentlich ganz liebe Kerle. (vlnr.: Gunther Gillian, Tim Seyfi)

©Schröder Media

Der Sternenhimmel und eine Wasserpfeiffe...was für ein Leben!

©Schröder Media

Wenn nur alle Low Budget Filme so toll aussehen würden...

©Schröder Media

Es geht auch hinauf ins All...

©Schröder Media

...und auf den Mond.

©Schröder Media

Zusatzinfos | Herkunftsland: Österreich | Originaltitel: Planet USA | Regie: Flo Lackner | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 105 Min. | Verleih: Schröder Media | DVD/BD VÖ: 05.06.2014 | Direkt einkaufen?: Amazon
Planet USA (2013)
Prädikat: Unterhaltsam, sympathisch und verdammt lustig - ein klarer Kaufbefehl!
Story82%
Schauspieler87%
Spannung75%
Inszenierung95%
85%Wertung
Leserwertung: (4 Votes)
91%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.