Roulette | Cover ©Maximum Uncut ProductionsSina ist am Ende: Nachdem sie ihre Familie verloren hat, gerät sie an falsche Freunde, wird drogenabhängig und landet schließlich als ein Häufchen Elend auf den Straßen der Hansestadt Hamburg. Hier schläft sie fortan unter der Brücke und findet nur ab und zu ein warmes Plätzchen bei einem der wenigen Menschen, denen wirklich noch etwas an ihr liegt. Doch eines Tages wird ihr von einer alten Bekannten die Möglichkeit eines Neustarts in Aussicht gestellt: Sina soll als Kandidatin beim russischen Roulette teilnehmen, welches regelmäßig von einer zwielichtigen Organisation veranstaltet wird. Warum das Ganze? Einfach nur zur Belustigung hochrangiger Vertreter aus Wirtschaft und Politik. Die Regeln sind denkbar einfach: Wenn Sina drei Runden überlebt, erhält sie 15.000 Euro. Viel Geld für jemanden, der im Grunde nichts mehr zu verlieren hat und so wundert es auch nicht, dass sie ohne lange zu überlegen zusagt. Und zunächst scheint es tatsächlich so, als ginge es endlich bergauf: Sie bekommt von den Veranstaltern (man kann sich schon denken, um welche Landsmänner es sich handelt) ein schickes Hotelzimmer mit frischen Klamotten, einem Fernseher, Snacks und endlich auch mal wieder einem gemütlichen Bett zur Verfügung gestellt. Der Schein trügt jedoch gewaltig, denn zu diesem Zeitpunkt hat Sina sich schon in die grausamen Fänge des skrupellosen Vlad begeben, der in seiner Freizeit gerne an denjenigen herumschneidet, die ihm krumm kommen. Sie steht also auf ganz dünnem Eis, das schon bald unter ihr zu brechen droht…

Mit Roulette – A Game of Chance liefert Regisseur Julian Schöneich nach dem Kurzfilm Lisa und der Tod sein Spielfilmdebüt ab und obwohl ihm hierfür nur arg begrenzte Mittel zur Verfügung standen (auf eine Filmförderung wurde bewusst verzichtet), kann sich das Ergebnis absolut sehen lassen. Dies ist insbesondere der Auswahl der Darsteller zu verdanken, die ausnahmslos eine für den Independentfilm anständige Performance abliefern. Besonders hervorheben möchte ich Lena Steisslinger, die als Sina eine starke Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Man nimmt ihr zu jedem Zeitpunkt sowohl die Rolle der drogenabhängigen Obdachlosen als auch die der schick ge-

kleideten Spielerin im Kreise der feinen Gesellschaft ab. In den Nebenrollen kann vor allem Matthias Unruh als erbarmungsloser Untergrundboss Vlad glänzen. In Sachen Inszenierung gibt es ebenfalls kaum etwas zu bemängeln. Hier fällt gleich zu Beginn der großartige Score von Valentin Boomes auf, welcher mit einem guten Gespür für’s Timing eingesetzt wird und von Hip Hop bis Metal ein bemerkenswertes, abwechslungsreiches Repertoire zu bieten hat. Optisch wurde ich ebenfalls nicht enttäuscht:

Die Settings sind stimmig und lassen kaum Rückschlüsse darauf zu, dass man aufgrund des kleinen Budgets arg eingeschränkt war. Selbiges gilt übrigens auch für die teils überraschend derben Folterszenen. Hier haben die für die Maske und die SFX Verantwortlichen ganze Arbeit geleistet!

Und doch, eine kleine Kritik habe ich: Kurz vor Ende wurde ein Twist eingebaut, der zwar nachträglich manche bis dahin nicht nachvollziehbaren Verhaltensweisen von Sina erklärt, allerdings an dieser Stelle recht künstlich inszeniert wirkt, so als wolle man nun nochmal eine Überraschung einschieben. Die angesprochene Szene ist zwar per se gut, weil recht intensiv, allerdings wäre sie dem dramaturgischen Spannungsaufbau zu Beginn des Films deutlich zuträglicher gewesen. So hätte man den emotionalen Zugang zur Hauptfigur und das Verständnis sowohl für ihre Lage als auch für die daraus resultierenden Entscheidungen verstärken können. 

Dies ändert jedoch nichts daran, dass ich euch Julian Schöneich’s Werk wärmstens empfehlen möchte. Es ist neben den kürzlich besprochenen Planet USA und German Angst ein weiteres Beispiel dafür, dass man ein kleines Budget mit Kreativität und der Liebe zum Film ausgleichen kann. Hinzu kommt, dass es Roulette in einer sehr schicken Hartbox zu kaufen gibt (siehe OFDB), was vor allem für Sammler ein echtes Schmankerl ist!

 

 

Ein guter Schuss Bilder

Eine wirklich schicke Hartbox von Maximum Uncut Productions!

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Sina ist vollkommen am Ende. (Lena Steisslinger)

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Robert will die ganze Russenbande auffliegen lassen. (Gunnar Titzmann)

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So sieht das aus, wenn man aus dem Spiel aussteigen will. (Christina Arndt)

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Das Arbeitswerkzeug eines russischen Untergrundgangsters.

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Die feine Gesellschaft bringt sich für einen "unterhaltsamen" in Stimmung.

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Lasset die Spiele beginnen.

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Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Originaltitel: Roulette – A Game of Chance | Regie: Julian Schöneich | Drehbuch: Leon Graf, Julian Schöneich | Darsteller: Lena Steisslinger, Matthias Unruh, Gunnar Titzmann, Aimée Goepfert | Produktion: Leon Graf, Julian Schöneich | Freigabe: Ungeprüft | Uncut: Ja | Spieldauer: 78 Min. | Verleih: Maximum Uncut Productions | DVD/BD VÖ: 01.10.2013
Roulette - A Game of Chance (2013)
Prädikat: Hochwertiges, deutsches Independentkino mit einem guten Schuss Spannung und Blut!
Story75%
Schauspieler85%
Spannung80%
Inszenierung90%
83%Wertung
Leserwertung: (1 Judge)
100%

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