Scenic Route | Cover | © Capelight / A!IVEZwei Kerle prügeln sich inmitten einer steinigen Wüste. Der eine trägt einen wilden Irokenschnitt und könnte einem Endzeitfilm entsprungen sein, der andere wirkt hingegen wie ein nerdiger Sammler von Actionfiguren. Diese ersten Bilder, mit denen Scenic Route – Kein Weg zurück beginnt, könnten etwas Komödiantisches haben, wenn es hier nicht um Leben und Tod gehen würde. Aber warum in drei Teufels Namen gehen die beiden sich unter der brütend heißen Sonne an die Gurgel? Haben die nichts Besseres zu tun? Wasser suchen zum Beispiel. Ein Rückblick gibt schließlich Aufschluss darüber, was hier vor sich geht und wie es zu der Auseinandersetzung gekommen ist: Tatsächlich handelt es sich bei dem scheinbar ungleichen Gespann um Freunde. Doch nicht nur äußerlich unterscheiden sich die beiden: Mitchell (der mit dem Iro, Josh DuhamelTransformers 1-3) hat sich für ein Leben mit festem Job, Frau, Kind und den damit einhergehenden Kompromissen entschieden, während Carter (der ohne Iro, Dan FoglerFanboys) den “Traum” des arbeitslosen Freigeistes gewählt hat. Und wie das oftmals so ist, haben die Zwei sich mit den Jahren immer mehr entfremdet. Die Reise in die Wüste sollte der Freundschaft wieder neuen Auftrieb geben, allerdings bleibt die Karre an einer kaum befahrenen Straße liegen und auch sonst scheint das nicht der beste Tag für die beiden zu werden. Damit wären wir nun also bei der eingangs beschriebenen Szene, aber noch lange nicht am Ende…

Scenic Route ist eines dieser Werke, die den Zuschauer zunächst im vermeintlich wohligen Gefühl reiner Unterhaltung wiegen, bevor sie ihn dann in den letzten Minuten mit voller emotionaler Wucht umhauen. Über einen Großteil der Laufzeit fand ich den Streifen erst einmal nur spannend und lustig, was vor allem an den beiden großartig agierenden Hauptdarstellern liegt, die den Film quasi im Alleingang tragen. Josh Duhamel und Dan Fogler tänzeln zwischen Wahnsinn und Glückseligkeit äußerst agil durch zahlreiche Gefühlsregungen und haben mich dabei sowohl zum Grübeln, als auch, nicht selten im direkten Anschluss, zum Lach-

en gebracht. Dies gelingt aber nicht zuletzt auch dank dem Drehbuch von Kyle Killen sowie der Regiearbeit der Gebrüder Kevin und Michael Goetz. Die beiden liefern hier ihren ersten Spielfilm ab und landen damit direkt einen Volltreffer. Ihr Gespür für’s Timing und ihr punktgenauer Einsatz verschiedener Genre Elemente ist bemerkenswert. 

Das Zusammenwirken dieser Komponenten sowie das stark reduzierte Setting und die fast unmerklich, aber permanent im Hintergrund mitschwingende Frage des “War wäre wenn?” entwickeln somit einen Sog, dessen Kraft sich erst am Ende voll und ganz entfaltet.

Das soll jedoch keineswegs heißen, dass der Rest langweilig ist; ganz im Gegenteil, denn ohne diesen unverzichtbaren Weg, den man zusammen mit den beiden Hauptfiguren beschreitet, würde auch das Finale nicht funktionieren. Es ist eben wie im echten Leben: Manche Erfahrungen muss man erst gemacht haben, um aus den getroffenen Entscheidungen lernen zu können. Genauso verhält es sich mit diesem Film: Man muss ihn gesehen haben, um einen Eindruck von dem zu bekommen, was ich hier zu beschreiben versuche;)

Es gibt nicht viele Werke, die es schaffen, eine solch unscheinbare, dafür aber umso effektivere Intensität aufzubauen. Der kürzlich erst von mir besprochene Enemy ist so ein Fall, doch während dessen Abhandlung über die innere Zerrissenheit eines Mannes inszenatorisch ein echter Mindfuck ist, geht es Scenic Route deutlich lockerer an und weiß damit sowohl zu unterhalten, als auch zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Man sollte sich natürlich auch darauf einlassen können, um das ganze Potential der Streifens mitzunehmen und damit einen Roadmovie der ganz besonderen Art zu erleben. 

 


Bilderband statt Wüstensand

Die schöne, weite Wüste kann sehr befreiend sein...

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...aber einen Motorschaden sollte man nicht haben.

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Wartet auf Hilfe: Mitchell (Josh Duhamel)

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Sieht auch nicht so glücklich aus: Carter (Dan Fogler)

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Erinnerungen an das Leben, das man führt(e).

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Ohne Wasser wird's in der Wüste...

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...immer krasser.

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Ein letzter Versuch noch, hier rauszukommen.

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Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: Scenic Route | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 86 Min. | Verleih: Capelight / A!IVE | DVD/BD VÖ: 15.08.2014
https://www.youtube.com/watch?v=mBdRTegTzVw
Scenic Route - Kein Weg zurück (2013)
Prädikat: Kommt langsam, aber dann mit voller Wucht...ein emotionaler Roadtrip, der im Gedächtnis bleibt!
Story85%
Schauspieler90%
Spannung85%
Inszenierung85%
86%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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