Also manche Filme machen es einem wirklich nicht leicht. An und für sich möchte man, dass sie einem gefallen, weil sie viele gute Ansätze enthalten. Andererseits macht es einem ihre Umsetzung alles andere als einfach. Der Director’s Cut von Seed 2, mit dem Regisseur und Drehbuchautor Marcel Walz (RAW 1-3) sein Werk erstmals in chronologischer Abfolge präsentiert, ist so ein Fall. Das Setting, die Schauspieler, die Effekte und die Musikuntermalung wissen zu gefallen, allerdings werden dem Zuschauer immer wieder Steine in den Weg gelegt, die einen konstanten Genussfluss (ich glaube, das Wort gibt’s gar nicht…klingt aber lustig) erschweren. Aber worum geht’s denn eigentlich?

Die Freundinnen Christine (Natalie Scheetz), Olivia (Christa Campbell), Barbara (Sarah Hayden) und Claire (Annika Strauss) sind nach einem feucht-fröhlichen Junggesellinnenabschied in Las Vegas auf dem Weg nach hause. In der Wüste Nevadas kommt ihnen schließlich ein schnuckliger Kerl zu Fuß entgegen und die Mädels entschließen sich, ihn ein Stück mitzunehmen…ein kurzes Stück, denn schon bald stellt sich heraus, dass es sich um einen nicht gerade netten Zeitgenossen handelt. Wenig später begegnen sie einer ziemlich kaputt aussehenden Polizistin (Manoush), die ebenfalls zu Fuß durch die Gegend stapft. Hier sind die werten Damen etwas skeptischer, ob sie der Frau helfen sollen. Diese Zweifel kommen ihnen aber leider zu spät…

Ich muss sagen, dass ich die erste halbe Stunde des Films wirklich positiv überrascht war. Das lag vor allem an der Optik. Die Mischung aus warmen Farben und einem Schuss Retro-Look unterstützt das Wüstensetting sehr gut! Hinzu kommt die leicht unruhige, dabei aber nie störende Kameraführung, die der Szenerie eine gewisse Intensität verleiht. Auch die darstellerische Leistung der vier Mädels ist gut. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Außerdem fand ich es angenehmen, dass der Film nach der recht deftigen Eröffnungsszene erst einmal das Tempo raus nimmt und sich Zeit lässt, um die Charaktere etwas vorzustellen. Der Start gefiel also schonmal…aber dann kam die Polizistin und ein allzu bekannter Nackedei aus der Wüste…

Huch...die kenn ich doch!Huch! Die kenn ich doch!

Das die Qualität des Slashers ab diesem Zeitpunkt zunehmend ins Wanken gerät, liegt allerdings nicht an den zu diesem Zeitpunkt auftretenden Darstellern, wenngleich man sich den etwas deplatzierten Kurzauftritt von Micaela Schäfer hätte sparen können. An und für sich hat der sogar was (gleich mehr dazu), aber das man für diese Mordszene gerade die Dschungelstripperin anheuert, sieht so aus, als hätte man noch irgendwie eine Nacktszene unterbringen müssen und wer kommt da besser infrage, als eine junge Dame, die ohnehin mehr nackig als angezogen herumläuft?

Wo ich gerade bei dieser Szene bin, kann ich dort auch gleich weitermachen, denn sie kann sehr gut als Beispiel für das Problem genommen werden, das der Film

nach ziemlich genau 30 Minuten hat: Es gibt einfach zu viele Situationen, die deplatziert, ja, teilweise fast schon unfreiwillig komisch wirken. Besagte Szene mit Frau Schäfer bspw. steht in keinem Zusammenhang mit dem, was davor und danach passiert. Den Moment an sich hätte man nutzen können, um ein gesundes Chaos in den Film einzubauen, dem Zuschauer storytechnisch den Boden unter den Füßen wegzuziehen und so den Horror schwerer greifbar zu machen. Dafür wirkt es hier und im weiteren Verlauf aber zu wenig beabsichtigt.

Halsschmerzen? Da kenne ich ein Hausmittelchen!Halsschmerzen? Da kenne ich ein Hausmittelchen!

Dann gibt es noch eine Sequenz, in der plötzlich der Sohn des Maskenmörders Max Seed (Nick PrincipeLaid to Rest) auftaucht. Auch er kommt ziemlich zusammenhanglos aus der Wüste dahergeschlendert und es brauchte erst einmal einen Moment, bis ich geschnallt habe, wer das eigentlich ist. Bis dahin fand ich es nur lustig, wieviele Leute scheinbar ziellos durch die Wüste Nevadas stapfen. Seed selbst läuft zwischen diesen Szenen immer wieder hin und her, um die Mädelstruppe zu dezimieren. Vor und nach dem Abspann bekommt man schließlich noch zwei vermeintliche Twists präsentiert, die ihre Wirkung nicht nur verfehlen, sondern im Falle der zweiten Szene sogar noch zusätzlich verwirren. Zurück bleibt ein Gefühl, dass sich am besten so zusammenfassen lässt: „Ähm…?“.

Gleichwohl tue ich mich schwer, dem Film eine so vernichtende Wertung zu geben, wie es viele Kritiker zumindest bei der ursprünglichen Fassung getan haben. Seed 2 ist kein schlechter Streifen, er verschenkt lediglich das Potential, das ihn zumindest zu einem bodenständigen Slasher hätte machen können. Die Zeichen standen ja nicht einmal schlecht: Unter den zu Beginn bereits genannten Punkten sind es vor allem die Effekte, die zu gefallen wissen. Egal ob Nägel durch Hände und Füße getrieben werden oder jemand mit seinem eigenen Darm erwürgt wird, die Mordszenen sind größtenteils klasse inszeniert und sehen gut aus. Ein Pluspunkt ist außerdem, dass man komplett auf CGI-Blut verzichtet und sich lieber dem guten alten Handwerk widmet. Auch das Setting ist klasse gewählt. Ich kann von dieser Wüstenatmosphäre einfach nicht genug bekommen;) Der Film weist leider nur trotz chronologischer Abfolge zahlreiche Ungereimtheiten auf. Möglicherweise war er ursprünglich auch schlichtweg nicht in dieser Schnittfassung gedacht, was das unrunde Bild erklären könnte. Da ich aber die originale Version, welche die Geschichte anachronistisch erzählt, nicht kenne, möchte ich mir darüber kein Urteil erlauben.

Einen wichtigen Punkt möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen: Mit Seed 2 hat Marcel Walz zum ersten mal den Sprung in das internationale Filmgeschäft gewagt. Man darf davon ausgehen, dass er es hier nicht leicht haben wird, zumal seine Filme schon seit jeher stark polarisieren. Es verhält sich hier aber ähnlich, wie bei dem kürzlich von mir rezensierten Dead Shadows: Das Potential ist da, es muss nur ausgeschöpft werden!



Seed 2 - Director's Cut (2015)
Prädikat: Die Saat hat's schwer unter der Wüstensonne...
Story35%
Schauspieler75%
Spannung55%
Blutgehalt80%
61%Gesamtwertung
Leserwertung: (4 Votes)
27%

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