Skin Trade | Cover ©Ascot EliteMenschenhandel ist eines der widerlichsten Geschäfte, die man sich überhaupt vorstellen kann. Doch gerade in einigen Ländern Osteuropas und Asiens floriert das Business nach wie vor. Insbesondere junge Mädchen und Frauen werden entweder verschleppt oder mit der Aussicht auf ein vermeintlich besseres Leben ihrem Zuhause entrissen, anschließend unter Drogen gesetzt und verkauft, um die niedersten Fantasien irgendwelcher kranken Kerle zu befriedigen. In Ekachai Uekrongtham‘s (Coffin – Lebendig begraben) Regiewerk Skin Trade ist der russische Gangsterboss Viktor Dragovic (Ron “Hellboy” Perlman) einer derjenigen, die in diesem Markt ganz groß Kasse machen. Ihm auf der Spur ist NYC Detective Nick Cassidy (Dolph LundgrenUniversal Soldier), der im Zuge seiner Ermittlungen jedoch schon bald selbst ins Fadenkreuz des höchst skrupellosen Kriminellen gerät. Nach einem verheerenden Angriff auf seine Familie, ist Cassidy schließlich auf sich allein gestellt, was ihn aber nicht daran hindert, einen privaten Rachefeldzug gegen seinen Widersacher und dessen gesamte Organisation zu starten. Hierfür verschlägt es ihn nach Bangkok, wo er auf Tony Vitayakul (Tony Jaa) trifft, welcher ebenfalls gegen Dragovich ermittelt. Doch obwohl es sich bei den Zweien eigentlich um Verbündete handelt, verläuft ihr erstes Aufeinandertreffen alles andere als kollegial.

Das Unterfangen, an dem sich Skin Trade versucht, ist kein Einfaches: Die bedrückende Thematik soll ernst genommen, gleichzeitig aber mit zahlreichen Feuergefechten und knüppelharten Martial Arts Kämpfen aufgelockert werden. Dies gelingt dem Streifen, für dessen Drehbuch und Produktion u.a. Dolph Lundgren selbst verantwortlich zeichnete, vor allem am Anfang überraschend gut. Gerade die ersten Minuten, in denen die gnadenlose Entführung einer Thailänderin dargestellt wird, zeigen, dass man hier nicht nur unterhalten will. Im späteren Verlauf entwickelt sich der Film dann aber doch wieder zu einem fast schon trashigen Actionfeuerwerk, in dem die beiden Hauptdarsteller einmal mehr ihre physische Präsenz unter Beweis stellen können. Allerdings hätte ich mir gerade von Tony Jaa’s Auftritten etwas mehr Wucht erhofft. Wer den extrem genialen Ong Bak oder den kaum weniger großartigen Revenge of the Warrior gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Während in diesen beiden Werken mit vollem Körperkontakt gekämpft wird, geht es Skin Trade deutlich sanfter an. Für die Dar-

steller ist das natürlich um einiges angenehmer, für mich als Zuschauer wirkt es hingegen umso inszenierter und “glatter”. Um dennoch wenigstens einen Bruchteil dessen zu zeigen, was der Thailänder drauf hat, werden mitunter deplatziert wirkende Szenen eingebaut, in denen er beispielsweise bei einer Verfolgungsjagd plötzlich akrobatische Kunststücke hinlegt. Das hätte man sich wirklich sparen können. Anders war das bei den o.g. Streifen, die aber auch keinen Hehl daraus gemacht haben, dass sie Jaa’s Talent in den Vordergrund rücken wollen. Selbst die Wiederholung einzelner Aktionen des Darstellers aus mehreren Blickwinkeln wirkten da nicht unpassend, sondern schlichtweg faszinierend. Im hier besprochenen Film wäre an dieser Stelle weniger mehr gewesen. Gleiches gilt im Übrigen für die Feuergefechte: Als Liebhaber von 80er Jahre Werken mit Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger oder Chuck Norris ist man es ja eigentlich gewöhnt, dass die “bösen Buben” scheinbar nie gelernt haben, mit ihrer Wumme auch mal was zu treffen.

Gefühlt finden da gerade mal 0,000001% der Kugeln ihr Ziel und das nur dann, wenn es der Dramatik zugute kommt. Die Helden jedoch beweisen nicht selten die Zielsicherheit eines Lucky Luke.

Das ist auch ok so und dient dem Trashfaktor. In Skin Trade wird das Ganze aber auf die Spitze getrieben. Da stellt sich ein Dolph Lundgren auf’s offene Feld, wird von einer Wagenladung Gangster unter Beschuss genommen und fängt sich nicht einen Treffer ein! Er hingegen zerlegt die Herrschaften in ihre Einzelteile. Klaro! Man kann es auch etwas dezenter inszenieren…

All dies kommt dem Streifen auch dann nicht unbedingt zugute, wenn man sein Hirn vor Sichtung fein säuberlich auf dem Klodeckel platziert hat. Fairerweise möchte ich Ekachai Uekrongtham’s Arbeit (meine Fresse, ist das ein schwerer Name!) dennoch einen gewissen Unterhaltungswert zusprechen. Dies ist insbesondere den Hauptdarstellern und der, trotz einiger Kritikpunkte, qualitativ hochwertigen Inszenierung zu verdanken. Insbesondere Actionfans dürfen also beruhigt zugreifen…

Erinnerungsfotos aus Bangkok

Tontaubenschießen für echte Männer! (Dolph Lundgren)

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"Guck mal was ich kann!" - "Uuuuui!"

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Mit dem Moped durch Bangkok (aber die Frise sitzt!).

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"Wer hat mein T-Shirt geklaut?! WEEEEEEER?!?!" (Tony Jaa)

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Zusatzinfos | Herkunftsland: Kanada, Thailand, USA | Originaltitel: Skin Trade | Regie: Ekachai Uekrongtham | Drehbuch: Dolph Lundgren, Steven Elder, Gabriel Dowrick | Darsteller: Dolph Lundgren, Tony Jaa, Ron Perlman | Produktion: Michel Selby, Dolph Lundgren, Craig Baumgarten | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 96 Min. | Verleih: Ascot Elite | DVD/BD VÖ: 07.07.2015
Skin Trade (2014)
Prädikat: Vier Fäuste mischen Bangkok auf...BUMM!
Story75%
Schauspieler80%
Spannung70%
Inszenierung75%
75%Wertung
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