Ach herrlich, lange nicht mehr so einen geilen, absoluten kranken und dabei so genial bekloppten Film gesehen wie “Team America – World Police”. Dabei hat meine anfängliche Erwartungshaltung mir den Film fast etwas kaputt gemacht. Ursprünglich dachte ich nämlich das, ausgehend vom Cover, es sich hierbei um eine Comedy mit Knetfiguren im Stile des irrsinnig komischen “Disaster – The Movie” oder á la “Robot Chicken” handelt. Dann kam aber erst einmal etwas Ernüchterung: Das sind ja Marionetten?! Na, die fand ich ja bislang eher ziemlich langweilig. Können die wirklich das gleiche Humor-Level erreichen wie Knetfiguren? Mit denen kann man ja bekannt so ziemlich alles machen…aber mit Marionetten? Die sind da doch eher unflexibel. Um es gleich vorweg zu nehmen: Marionetten sind in der Tat anders und erstmal gewöhnungsbedürftig, wenn man bislang wenig Berührungspunkte damit hatte und sich dann gleich einen gut 90-minütigen Film mit den Püppchen reinfährt. Aber – ja, ein großes Aber – sie sind nicht minder cool und lustig! Ganz im Gegenteil. Dadurch, dass hier nicht, wie bei Knetfiguren ja üblich, per Stop-Motion-Technik gedreht wurde, wirken gerade die Bewegungen der Figuren oftmals unbeholfen und ungenau…und exakt das, neben vielem, vielem Anderen, haben sich die Macher von “Team America” zunutze gemacht und einen knuffigen Film geschaffen, der es aber dermaßen faustdick hinter den Ohren hat, dass einem schon einmal das Lachen im Halse stecken bleibt.

Das fängt schon da an, dass man die Story gar nicht wirklich zusammenfassen kann ohne zwangsläufig auch die ganzen bitterbösen Bezüge, die der Film verwendet, mit aufzugreifen. Aber hier dennoch einmal in aller Kürze:

Die Welt wird bedroht. Von wem? Na von barttragenden Terroristen natürlich, wie sollte es anders sein im 21. Jahrhundert. Zum Glück gibt es ja Team America, die sofort an Ort und Stelle sind um den bösen, bösen Dschihadisten den Hals umzudrehen. Leider ist unsere Weltpolizei (man kennt das ja) genauso gut im weltweiten Frieden proklamieren wie darin, Dinge kaputt zu machen und Krieg zu führen. So fallen sie ganz schnell in Ungnade…vorher schalten sie aber noch die mutmaßlichen Drahtzieher (und nebenbei halb Ägypten) aus…was sie nicht wissen: Kim Jong Il ist der eigentliche Übeltäter hinter den Kulissen und die Welt steht schon kurz dem Abgrund…

So, geht dann doch relativ kurz (im Vergleich zu meinen sonst üblichen “Zusammenfassungen”).

HackfressenDie Marionetten sind toll ausgearbeitet…na, wer erkennt die Hackfressen?

Während sich das noch relativ hollywood-lastig und “normal” anhört ist bereits nach wenigen Minuten klar: Hier ist nix normal! Das zeigt sich schon in der ersten Sequenz, wo Terroristen in Paris gesichtet werden. Da kommen unsere 4 Weltpolizisten und mähen das Gesindel einfach mal ohne Rücksicht auf Verluste nieder. Zivilisten? Scheiß drauf, aus dem Weg da! Gebäude? Die sind doch da um niedergerissen zu werden! Der Eifelturm? Haha, der war mal! Und das ist noch mit die normalste Sequenz! Hier wird wirklich so ziemlich alles an aktuellen Themen rund um die Weltpolitik durch den Dreck gezogen – und da kommt keiner gut bei weg. Schon gar nicht die Amerikaner! Die werden als waffenschwingende Rambos mit null Respekt vor anderen Kulturen dargestellt, die es geil finden den Bösen “in den Arsch zu ficken”. Aber auch die Dschihadisten bekommen ihr Fett weg. Die sind einfach nur strunz dumm und zwar anders aber nicht besser als die Amis. Kim Jong Il ist ein einsamer Tyrann, der doch eigentlich nur geliebt werden will und eine Welt haben möchte in der alle gleich sind. Auch die bekanntesten Größen Hollywoods werden als dämliche, fast schon hippie-mäßige Vollspacken dargestellt, die eigentlich überhaupt keinen Durchblick haben und einfach nur in die Kamera lächelnd irgendwelche Zeitschriften zitieren um auf der Welle des aktuellen Anti-Amerika-Trends mitzuschwimmen. Jaja, Frieden über alles, jeder hat den anderen lieb und das erreichen wir bitte ohne Waffengewalt. Das absolute Kontra-Programm zu Team America (“Fuck Yeah!”).

Hinzu kommt die teils sehr derbe Sprache, eine unerwartet drastische Brutalität (gerade zum Ende hin fliegen Gedärme, Blut und Köpfe im Minutentakt über die Puppenaufbauten) und ein ausgeprägter Hang sexistische Anspielungen bis zum äußersten zu treiben. Dafür bietet der Film aber auch eine der besten Kotz-Szenen, die ich jemals gesehen habe (mir ist vor Lachen fast die Luft weggeblieben!) und eine Sex-Szene, die wir so in Hollywood mit echten Schauspielern niemals zu Gesicht bekommen würden…

Auffallend ist aber neben aller Drastik vor allem die Qualität und die Liebe zum Detail mit der sowohl Figuren als auch Kulissen ausgearbeitet wurden. Bei Ersteren wirkt es zwar anfänglich so als wären die Bewegungen nicht sonderlich fein ausgearbeitet, aber mit der Zeit wird klar: das ist alles Absicht! Die fabelhaften Umgebungen tragen ihren Teil zur Atmosphäre bei und ich bin mir sicher, wenn man den Film öfter sieht, fallen einem hier auch noch einige Querverweise auf…generell habe ich den Eindruck noch lange nicht alle Kleinigkeiten von “Team America” mitgenommen zu haben…mehrmaliges Anschauen lohnt sich also sicherlich!

Broadway-KulisseGroßartige Kulissen, wie hier der Broadway!

Außerdem seien noch die teils sehr bekannten Synchronstimmen genannt, die da wären: Simon Jäger (Matt Damon, Josh Hartnett), Benjamin Völz (Keanu Reeves, Matthew McConaughey), Melanie Hinze (ehem. Brittany Murphy), Manja Doering (Natalie Portman), Peter Flechtner (Ben Affleck) und viele mehr…sie alle machen einen exzellenten Job und steigern das Filmvergnügen nochmals immens!

Zu Guter Letzt sei noch erwähnt, dass hier der gleiche Regisseur verantwortlich zeichnet wie auch schon für “South Park” (Trey Parker)…das erklärt dann auch so Einiges.

Also, klare Empfehlung: Bier kaufen, Freunde einladen und party on!

Euer /anawak

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