The Monster | Cover ©Koch MediaDas Verhältnis zwischen der alleinerziehenden Kathy und ihrer Tochter Lizzy könnte, gelinde gesagt, besser sein. Die junge Mutter ist ihrer Aufgabe sowie der damit einhergehenden Verantwortung offensichtlich nicht gewachsen und ihre Neigung zur Alkoholabhängigkeit machen das nicht gerade besser. Für Lizzy bedeutet dies die Hölle auf Erden, denn obwohl sie geistig reifer wirkt als ihre Mom, ist sie eben doch noch ein Kind, dessen seelische Barrieren noch nicht massiv genug sind, um sie vor den Problemen von Erwachsenen zu schützen. Kein Wunder also, dass sie sich auf ein paar ruhigere Tage mit ihrem Vater freut. Als Kathy sie jedoch nachts dorthin fahren möchte, verursacht ein vor den Wagen gelaufener Wolf einen Unfall. Die beiden haben noch Glück im Unglück, denn keinem ist etwas passiert. Die Karre will allerdings nicht mehr anspringen, also müssen sie auf den Pannendienst warten. Und da stehen sie nun: Im Regen, mit schlechter Laune und zu wenigen Worten, um die Konflikte aus dem Weg zu räumen. Was die Zwei nicht wissen: Schon sehr bald werden sie mehr denn je aufeinander angewiesen sein. Nicht, um den Alltag über die Bühne zu bekommen, sondern um einfach nur zu überleben. Denn sie sind nicht auf irgendeiner x-beliebigen, verlassenen Straße gestrandet: Dies ist das Jagdrevier einer gewaltigen, unbekannten Kreatur, die bereits ihre Fährte aufgenommen hat…

Es gibt nicht viele Drehbuchautoren und Regisseure, die den mutigen Schritt wagen, Creature-Horror mit zwischenmenschlichem Drama zu verknüpfen und dabei den Schwerpunkt vor allem auf letzteres zu legen. Es mag ein lustiger Zufall sein, dass gerade der fast gleich betitelte Monsters von Gareth Edwards anno 2010 mit Bravour bewies, dass eben diese Mischung fantastisch funktionieren kann. Sein Film zeigte kaum etwas von den namensgebenden Kreaturen und konzentrierte sich stattdessen auf das Verhältnis seiner beiden Protagonisten. Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt Bryan Bertino mit seinem Werk The Monster. Die Kreatur dient hier in erster Linie als Mittel zum Zweck, um die Entwicklung der beiden Hauptfiguren und ihr Verhältnis zueinander in Szene zu setzen.

Von dementsprechend hoher Bedeutung ist es natürlich, eben diese zwei anständig zu besetzen. Mit Zoe Kazan (Das perfekte Verbrechen) als scheinbar verantwortungslose Mutter und Ella Ballentine (The Captive – Spurlos verschwunden) als ihre Tochter wurde hier eine sehr gute Wahl getroffen.

Die beiden verstehen es, die über weite Strecken ruhigen 90 Minuten Laufzeit quasi im Alleingang zu stemmen. Ihr Schauspiel ist gefühlvoll, mitunter tieftraurig und hat mich emotional gepackt.

Das dies so gut funktioniert und, bis auf wenige Ausnahmen, keine Längen aufkommen, liegt aber auch an der Atmosphäre, die vor allem von der verregneten Kulisse, dem zurückhaltenden, mal wunderschönen, mal bedrohlichen Score aus der Feder von Tom Hajdu und Andy Milburn (The Mothman Prophecies – Tödliche Visionen) sowie dem richtigen Gefühl für’s Timing inszeniert wird. Letzteres trifft insbesondere für die wenigen, dafür aber treffsicheren Jump Scares zu. Bryan Bertino, der mit seinem Erstlingswerk The Strangers ja bereits einen grandiosen Horrorthriller ablieferte, weiß nämlich ganz genau, dass bei einem Film mit solchem Titel und Cover irgendwann auch noch eine zähnefletschende Bestie ins Spiel kommen muss. Hierauf konzentriert er sich schließlich im letzten Drittel und beweist mit einer handgemachten Kreatur ohne CGI-Schnick Schnack, dass er diesen Part genauso ernst nimmt, wie das Verhältnis zwischen Kathy und Lizzy.

Man sollte sich The Monster am besten ohne oder zumindest mit den richtigen Erwartungen anschauen. Wir haben es hier nicht mit einem actionreichen Splatterstreifen zu tun, sondern mit einem emotionalen Werk, welches mit minimalistischen Mitteln und viel Liebe für’s Detail eine tolle Stimmung kreiert.

Bilder einer schicksalhaften Nacht

Eine Fahrt durch die regnerische Nacht...

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Nach der Panne ist guter Rat teuer.

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Die Beute im Jagdgebiet (vlnr.): Ella Ballentine, Zoe Kazan

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Na Kleine, wie geht's denn so?

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Zusatzinfos | Herkunftsland: USA | Originaltitel: The Monster | Regie: Bryan Bertino | Drehbuch: Bryan Bertino | Darsteller: Zoe Kazan, Ella Ballentine, Aaron Douglas, Chris Webb | Produktion: Bryan Bertino, Adrienne Biddle, Aaron L. Ginsburg | Freigabe: FSK 16 | Uncut: ja | Spieldauer: 88 Min. | Verleih: Koch Media | Produktionsjahr: 2016 | DVD/BD VÖ: 23.03.2017

 

The Monster (2017)
Prädikat: Gegen den Strich inszenierter Creature Horror mit Niveau!
Story85%
Schauspieler83%
Spannung70%
Inszenierung85%
81%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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