The Stranger 3D | Cover ©Tiberius FilmPeter und seine Mutter Monica wohnen in einem ruhigen Vorort. Sie ist Krankenschwester im hiesigen Hospital, er ein zurückhaltender Teenager, der gerne mal Häuserwände besprüht und einen durchzieht. Dieses scheinbar normale Leben gerät jedoch völlig aus den Fugen, als eines späten abends ein Unbekannter vor ihrer Haustür steht. Der bärtige Typ wirkt recht verwirrt und wird schnell wieder abgewimmelt. Die zwei denken sich erst einmal nichts weiter dabei, doch sie werden dem mysteriösen Mann nicht das letzte Mal begegnet sein. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen kann: Der Fremde trägt eine Krankheit in sich und es dauert nicht lange, bis sich die Ersten bei ihm anstecken. 

Ach verdammt, am liebsten hätte ich über den Inhalt von The Stranger gar nichts verraten, denn diese Geschichte erlebt man am besten möglichst unvoreingenommen selbst. Guillermo Amoedo (Regie, Drehbuch) inszeniert die Story um seine titelgebende Figur, die man später noch als Martin (toll gespielt von Cristobal Tapia Montt) kennenlernen wird, zwar ruhig und recht actionarm, allerdings alles andere als langweilig. Die Spannung entsteht schon alleine dadurch, dass eine ganze Weile unklar bleibt, was genau mit dem Kerl nicht stimmt, wo er herkommt und was ihn antreibt. In Form von Rückblicken werden diese Fragen Stück für Stück beantwortet und nach der Hälfte der Laufzeit dürfte dann wohl auch jedem Genrefreund klar sein, was hier los ist. Während des Rätsels Lösung im Kern allerdings nicht wirklich neu ist, wartet das Drehbuch mit einigen wirklich innovativen Ideen auf, die durch eine großartige und emotionale Inszenierung veredelt werden. Gemeint ist vor allem die Vorgeschichte von Martin sowie seine Charakterzeichnung, die von hohen, ja fast schon destruktiven Moralvorstellungen geprägt ist und ihn ein ums andere Mal vor die Wahl zwischen

Leben und Tod stellt, wobei er sich immer für Letzteres entscheiden “muss” – welch Ironie des Schicksal. Seine Verbindung zu den anderen Figuren, insbesondere zu Peter (Nicolás Durán) und Monica (Alessandra Guerzoni), ist ein weiteres Kernelement und wird von allen Darstellern mit Bravour in Szene gesetzt. Hinzu kommt der abstoßend unsympathische Antagonist Caleb (Ariel Levy) und sein Vater Lieutenant De Luca (Luis Gnecco), die ebenfalls beide einen großartigen Job machen.

Die also schon alleine durch das nuancierte Schauspiel intensive Atmosphäre, wird von Manuel Riveiro‘s Soundtrack noch verstärkt.

Bereits in den ersten Minuten wird klar, dass der Komponist hier ganze Arbeit geleistet hat und dieser Eindruck hält sich bis zum krassen wie gefühlvollen Finale. Wer sich übrigens für die 3D-Version interessiert, der darf beruhigt zugreifen. Die Tiefenschärfe haut einen zwar nicht aus den Socken, ist aber durchaus nett anzusehen. 

The Stranger ist anders, als ich erwartet habe und vielleicht hat er mich gerade deswegen so positiv überrascht. Eli Roth (Cabin Fever) hat nach Clown erneut ein gutes Händchen bei der Produktionsauswahl eines Films bewiesen. Empfehlenswert sind übrigens auch die wenigen aber informativen Extras. Hier präsentiert Guillermo Amoedo u.a. auf sehr unterhaltsame Weise “Chilewood”, eine amerikanisch-chilenische Kooperation, deren Früchte Namen wie The Green Inferno oder Aftershock tragen. Eine tolle Idee, die man einmal im Auge behalten sollte.

 

 

Bilderstrecke

Unsympathisch, brutal, skrupellos: Caleb (Ariel Levy)

©TiberiusFilm

The Stranger: Martin (Cristobal Tapia Montt)

©TiberiusFilm

Ist Monica's Angst stärker, als die Sorge um ihren Sohn? (Alessandra Guerzoni)

©TiberiusFilm

Ein besorgter Vater kann gefährlich werden...

©TiberiusFilm

...besonders, wenn er Polizist ist. (vlnr. Luis Gnecco, Aaron Burns)

©TiberiusFilm

Die Lage spitzt sich zu...

©TiberiusFilm

...und droht alle ins Verderben zu stürzen. (Nicolás Durán)

©TiberiusFilm

Zusatzinfos | Herkunftsland: Chile | Originaltitel: The Stranger | Regie: Guillermo Amoedo | Freigabe: FSK 18 | Uncut: Ja | Spieldauer: 92 Min. | Verleih: Tiberius Film | DVD/BD/3D BD VÖ: 04.05.2016
The Stranger (2014)
Prädikat: Bekanntes Subgenre neu verarbeitet - funktioniert sehr gut!
Story80%
Schauspieler80%
Spannung80%
Inszenierung85%
81%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
0%

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.