Der junge Randall, den Rick, Glenn und Hershel nach der Auseinandersetzung mit der anderen Gruppe gerettet und mit auf die Farm gebracht haben soll hingerichtet werden, da befürchtet wird, dass er, wenn man ihn freilässt, seine Leute informiert und sie zu der Farm führt. Ein schwere Entscheidung, gegen die sich lediglich Dale stellt und versucht andere in der Gruppe davon zu überzeugen, dass es nicht richtig ist einen Menschen für etwas zu töten, was er noch gar nicht getan hat. Überraschenderweise bekommt der gerade von Andrea als Einziger Unterstützung. Dennoch scheint die Entscheidung getroffen…und dann kommt es zum tödlichen Zwischenfall.

Gott, diese Folge hat mich jetzt echt mitgenommen. Die Gruppe um Rick scheint zunehmend zu entmenschlichen und Dale ist das zerbrechliche Bollwerk gegen die Brandung der Lynchjustiz. Kann ich die Entscheidung verstehen. Ja und nein. Es darf vermutet werden, dass die andere Gruppe plündernd und vergewaltigend durch die Lande zieht und den auf der Farm Lebenden zahlenmäßig überlegen ist. Das allerdings gesteht der Junge erst unter der Folter von Daryl. Aber soll man das Risiko wirklich eingehen? Nach Allem, was Ricks´ Leute schon jetzt durchgemacht haben liegen die Nerven blank und man findet einfach keine Zeit um sich zu fangen. Gleichzeitig ist da noch Shane der die Gruppe untergräbt und immer wieder Öl ins Feuer gießt indem er ausschließlich für die gewaltsame Lösung argumentiert. Versetze ich mich also in die Lage der Überlebenden kann ich es irgendwo nachvollziehen, warum man diese Lösung als die einzig richtige sieht und selbst Dales´ Vorschlag, dem Jungen eine Aufgabe auf der Farm zu geben oder ihn zumindest nochmal eine Weile gefangen zu halten, ablehnt. Zu oft hat schon der kleinste Fehler zum Tod von Menschen geführt, die man zu beschützen versucht hat.

Gleichwohl merkt man als Außenstehender: Das kann nicht richtig sein und so steigert sich die Abneigung gegen das, was dort getan wird in der Hinrichtungsszene ins Unerträgliche, bis die einzig richtige Entscheidung getroffen wird.

“The Walking Dead” behandelt hier in seiner ganz besonderen und in einzigartigen Intensität ein ganz essenzielles Thema unserer Zeit: Was macht die Sozialgesellschaft, wie wir sie kennen eigentlich aus? Und wann hört sie auf in der Form zu existieren? Oder hat sie das bereits? Soziale Aspekte fallen zugunsten einer stabilen Wirtschaft zunehmend der Grauzone zum Opfer. Wieviele Menschen werden in ihrem Job ausgebeutet bis hin zum seelisch/emotionalen Kollaps, nur aus Angst keine Arbeit zu haben? Ich stelle jetzt mal die gewagte Behauptung auf, dass vielen Menschen heutzutage genauso der Revolver an die Birne gehalten wird wie in der vorliegenden Folge “The Walking Dead” – nur auf eine viel perfidere Art und Weise und ohne, dass die, welche die Waffe in der Hand haben einem dabei in die Augen sehen. Dieser kurze Vergleich zeigt, wie aktuell die Thematik der Serie an vielerlei Stellen ist.

Aber zurück zur Story. Gegen Ende kommt es nochmal zum großen Schock: Eine der wichtigsten Personen wird von einem Zombie attackiert und ist nicht mehr zu retten. Eine traurige Szene, die noch dadurch unterstrichen wird, dass im Abspann keine Musik läuft…absolute Stille. Wieder ein Zeichen dafür wie wichtig den Machern der Serie die Charaktere sind.

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