Unfriend | Cover ©Warner HomeFreundschaft. Dieser einst so starke Begriff ist in unserer digitalisierten und von sozialen Medien geprägten Welt bei Vielen einer deutlich weiter gefassten und damit aber auch instabileren Definition gewichen. Manch einem reicht es da schon, wenn er auf Facebook mit einer Person „connected“ ist oder diese einem auf Twitter bzw. Instagram folgt. Ein Klick reicht und schon ist man befreundet. Doch wie gut kennt man den Menschen auf der anderen Seite der Leitung? Diese Überlegung hätte auch Laura (Alycia Debnam CareyInto the StormFear the Walking Dead) anstellen sollen, bevor sie die Freundschaftsanfrage von Marina (Liesl Ahlers) annahm, zumal es eigentlich schon offensichtlich war, dass ihre introvertierte und stets schwarz gekleidete Kommilitonin nicht viel mit ihr gemeinsam hat. Ein bisschen ist es aber auch Mitleid, weshalb Laura sich ziemlich unbedarft dazu hinreißen lässt, auf „annehmen“ zu klicken, denn Marina steht nicht nur im echten Leben ziemlich alleine da: Nicht einmal auf Facebook hat sie einen „Freund“…aber das hat sich ja nun geändert. Darüber ist das Gothic Mädel, welches in seiner Freizeit so großartige wie verstörende Videos erstellt, dermaßen erfreut, dass sich daraus ein regelrechter Wahn entwickelt. Ständig schreibt sie Laura im Netz Nachrichten, will sich mit ihr treffen und bezeichnet sie sogar schon als ihre beste Freundin. Das wird der beliebten und eigentlich immer fröhlich aufgelegten Studentin dann auch irgendwann zuviel und so nutzt sie eine kleine Notlüge, um etwas Abstand von Marina zu gewinnen. Doch in Zeiten des Internets lässt sich nur noch wenig geheimhalten und so kommt es zu einer Katastrophe, die nicht nur Laura erst erschüttert und kurz darauf mit einer so unerwarteten wie tödlichen Gefahr konfrontiert, sondern auch ihre Familie und engsten Freunde in den Abgrund zu reißen droht. 

Als ich vor einigen Monaten kurz hintereinander erst von Levan Gabriadze’s Unknown User und dann von Simon Verhoeven’s Unfriend erfuhr, fragte ich mich im ersten Moment, ob da vielleicht ein bisschen voneinander abgeguckt wurde. Doch weit gefehlt, denn bis auf die Grundthematik, die den Grusel auf die sozialen Medien stützt, und dem paranormalen Einschlag haben beide Werke wenig miteinander gemein. Während beispielsweise erstgenannter Streifen vor allem durch den außergewöhnlichen Found Footage Stil bestechen konnte, da er sich ausschließlich auf dem Bildschirm eines Laptops 

abspielt, bleibt Verhoeven bei Unfriend auf dem Boden klassischer Kameratechnik. Das dürfte vor allem diejenigen freuen, die sich zwar für das Thema interessieren, mit der Wackelkamera Optik allerdings wenig anfangen können. Umso erfreulicher ist es, dass sich beide Werke trotz der unterschiedlichen Umsetzung in nichts nachstehen und jeder auf seine Weise punkten kann. 

Unfriend gelingt dies vor allem durch den klasse Spannungs- und Gruselaufbau sowie die überraschend gut gelungenen Jump Scares. Die Inszenierung ist zwar nicht sonderlich innovativ, erinnert in den besten Momenten aber zumindest an den großartigen Mirrors von Alexandre Aja…ich denke, dass es da03 deutlich schlechtere Vorbilder gibt.

Wirklich erfrischend wird das Werk dann aber erst in Kombination mit der noch recht unverbrauchten Thematik rund um Facebook & Co, die hier wunderbar eingeflochten wurde. Hinzu kommen einige Momente der Marke „krasse Scheiße“, die vor allem aufgrund des gekonnten Einsatzes von Computer- und Smartphonebildschirmen sowie den atmosphärischen Licht- und Schatteneffekten sehr gut funktionieren. Zu guter Letzt hätten wir noch die passend ausgesuchten Schauspieler, die den Plot gekonnt mit Leben füllen. Hier hätte ich mir jedoch neben der attraktiven Alycia Debnam Carey etwas mehr Screentime für Liesl Ahlers gewünscht, die als depressiver Gegenentwurf zur Hauptfigur eine tolle Leistung abliefert. Neben diesen beiden Damen hätten wir dann u.a. noch William Mosely (Die Chroniken von Narnia), Connor Paolo (Vampire Nation), Brit Morgan (The Frozen), Brooke Markham und Sean Marquette, die allesamt klasse spielen. 

Summa Summarum kann euch euch Unfriend also voll und ganz empfehlen, wenn ihr euch mal wieder gut gruseln möchtet – gerne auch mit der evtl. zarter besaiteten besseren Hälfte, denn dafür ist er dann doch nicht zu heftig;)

 

Bilder aus dem Netz

Noch lachen sie: Brit Morgan, Alycia Debnam-Carey.

©Warner Home

Irgendwo hier sollte doch ein Pokémon sein!

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Sie sucht doch nur eine beste Freundin... (Liesl Ahlers)

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...und da ist sie schon - allerdings nur für kurze Zeit.

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Vorbereitungen auf einen lustigen Abend.

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Weniger lustig: Völlig verängstigt durch den Wald latschen. (links: Connor Paolo)

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Da recherchiert es sich am PC doch deutlich angenehmer (links: William Moseley)

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Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Originaltitel: Friend Request | Regie: Simon Verhoeven | Drehbuch: Matthew Ballen, Philip Koch, Simon Verhoeven | Darsteller: Alycia Debnam-Carey, William Moseley, Connor Paolo, Brit Morgan, Brooke Markham, Sean Marquette, Liesl Ahlers | Produktion: Quirin Berg, Max Wiedemann, Matthew Ballen, Stefan Gärtner, Mark Popp, Patrick Noel Simon, Giselher Venzke, David Vogt | Freigabe: FSK 16 | Uncut: Ja | Spieldauer: 92 Min. | Verleih: Warner Home | DVD/BD VÖ: 23.06.2016

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Unfriend (2016)
Prädikat: Spannend, überraschend und bis zum Ende konsequent!
Story83%
Schauspieler80%
Spannung87%
Inszenierung85%
84%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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