„Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, und seines Propheten Mohammed, Friede sei mit ihm. Mein Name ist Yusuf Atta Mohammed, mein früherer Name ist Stephen Arthur Younger. Das ist Standort Nr. 1. Einige von Ihnen werden das hier erkennen. Es ist eine Bombe. Ich habe 3 Bomben in 3 amerikanischen Städten deponiert. Alle 3 sind identisch, alle 3 stehen in Ballungsgebieten und alle 3 sind Atombomben. Ich habe Forderungen, denen Sie entweder nachkommen, oder diese Bomben werden explodieren. Ich werde ihnen diese Forderungen noch mitteilen.“

Ein Erpresservideo mit diesem Inhalt wird dem Militär und dem FBI überstellt und versetzt diese sofort in höchste Alarmbereitschaft. In gerade einmal 2 ½ Tagen sollen die Bomben detonieren. Der Mann, der in dem Video zu sehen ist wird schon nach kurzer Zeit in einem Einkaufszentrum festgenommen und in eine unbekannte Einrichtung gebracht. Als Vertreterin des FBI soll Agent Helen Brody (Carrie-Anne Moss) den hier stattfindenden Verhören beiwohnen. Diese werden von Henry Harold Humphries, kurz „H“ (Samuel L. Jackson) durchgeführt. Was Brody nicht weiß: „H“ ist ein auf Folter spezialisierter Verhörspezialist, der sich die FBI-Agentin schon bald als moralischen Anker zunutze macht…denn Younger aka Mohammed ist selbst mit den ausgefeiltesten und brutalsten Folterungen nicht beizukommen. Ganz im Gegenteil: Er scheint mit seinem Peiniger zu spielen und treibt diesen zu immer schmerzhafteren Methoden. Dann findet man Mohammeds Familie und „H“ geht zum Äußersten – dem Undenkbaren („Unthinkable“)…

"H" und MohammedMohammed und sein Folterer…

Gregor Jordan, der als Regisseur auch schon für eine Folge der beliebten TV Serie „Numb3rs – Die Logik des Verbrechens“ und den 2008 entstandenen „The Informers“ verantwortlich zeichnete, bringt uns einen Film der heftigen Art, der viele moralische Fragen aufwirft. Nach dem relativ zügigen Einstieg spielt der Großteil des Films in besagtem Gebäude in dem der Terrorist verhört wird. Sehr lobenswert ist hierbei, dass die Foltersequenzen meist nicht explizit inszeniert sind und man so nur das Notwendigste sieht um eine Vorstellung davon zu bekommen, was „H“ da gerade eigentlich tut. Dadurch kann sich der Zuschauer ganz dem eigentlichen Thema widmen: Was würde man tun um das Leben vieler Millionen Menschen zu retten? Als Identifikationsfigur dient Helen Brody, die mit den besten Moralvorstellungen in das Verhör geht, jedoch zunehmend den Boden unter den Füßen verliert. Was der Film wunderbar hinbekommt ist, dem Zuschauer das gleiche Gefühl zu vermitteln, sodass er über die FBI-Agentin einen einfachen Einstieg in eine Spirale der Gewalt bekommt. Immer wieder versucht sie eine Verbindung zu Mohammed (Michael Sheen) aufzubauen, der ihre sanfteren Methoden lediglich dazu nutzt um Zeit zu schinden…und diese wird immer knapper. Das Militär und Regierungsbeamte versuchen sich durch vage Aussagen aus der prekären Situation zu winden und stets die Verantwortung an „H“ zu übergeben. So eine Szene in der der Gefangene knapp 24 Std. vor Ablauf der Zeit seine gar nicht so unsinnigen Forderungen preis gibt und die Frage im Raum steht, ob man dennoch mit den Verhören fortfahren soll, denn – mit Terroristen wird schließlich nicht verhandelt. Die Antwort: „Vorbehaltlich dessen, wie sich die Dinge entwickeln, gehen wir davon aus, dass die offenen Verhörmethoden solange fortgesetzt werden bis eine neue Order erfolgt“. Also Leute, als ich das gehört habe hätte ich gerade mal kotzen können. „H“ fasst es dann wunderbar zusammen: „Sie sagen mir also, machen Sie auf Ihre Art weiter, ohne mir das ausdrücklich zu sagen“.

Dennoch, er macht weiter und geht dabei soweit bis selbst er an seine Grenzen zu stoßen scheint. Die harte Schale des routinierten Folterers beginnt zu bröckeln und Brody soll die Stütze sein auf seinem Weg in die Finsternis. Sie wiederum ist mit der übertragenen Verantwortung vollkommen überfordert. Gegen Ende dann scheint das moralische Wertgebilde aller Anwesenden in Schutt und Asche zu liegen und keiner weiß, was zu tun ist…bis Brody ihre letzte moralische Barriere findet.

Der Film ist definitiv nichts für schwache Gemüter. Die explizite Gewalt hält sich zwar in Grenzen, dennoch wird die Lage mehr als deutlich vermittelt. So deutlich, dass es mich als Zuschauer selbst aus der Bahn geworfen hat. Darf man wirklich alles tun um das Leben so vieler Menschen zu bewahren? Würde man alle moralischen Werte über Bord werfen, all das, was uns angeblich von den Tieren unterscheidet? Diese Fragen sind spätestens dann nicht mehr so leicht zu beantworten, wenn die Umstände schleichend eintreten. Um das zu vermitteln zieht „Unthinkable“ den Strick langsam enger…würde man nur das Ende des Films sehen und gefragt werden, ob dieser Gedanke, der da im Raum steht, richtig ist – die Antwort wäre ein klares „Nein“. Über die 1 ½ Stunden Laufzeit hinweg wird man aber auf fast schon hinterhältige Art und Weise an diese Frage herangeführt, sodass man letzten Endes immer noch zu wissen glaubt, was richtig und was falsch ist…aber wirklich sicher ist man sich nicht mehr. In diesem Moment zeigt der Film wie angreifbar unser tiefstes, moralisches Inneres ist. Das er die Konsequenz der letzten Endes getroffenen Entscheidung in ihrer ganzen Härte zeigt ist genau richtig und dürfte auch dem Letzten noch den Boden unter den Füßen wegziehen.

Ich persönlich bin jetzt, direkt nach dem Film, immer noch stark verunsichert. Das zu schaffen ist aber nicht nur der sehr guten Inszenierung, sondern auch den gut bis sehr guten Schauspielleistung, insbesondere von Michael Sheen zu verdanken. Er schafft es, dass man gleichermaßen Hass und Mitleid auf Mohammed verspürt. Die Intensität, mit er die letzten Szenen spielt ist teils nur schwer zu ertragen…eine große Leistung! Samuel L. Jackson und Carrie-Anne Moss spielen routiniert was in ihrem Fall aber schon über Durchschnitt liegt. Alle anderen Rollen sind eher untergeordneter Natur.

Am Ende bleibt ein Film, der zum Nachdenken anregt und einen nicht sofort wieder in die Realität entlässt. Ich kann ihn sehr empfehlen, allerdings nicht gerade, wenn es draußen regnet und die Stimmung ohnehin schon getrübt ist…

Bis demnächst,

euer .anawak

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