Verloren | Poster ©Marco PultkeSeit dem Tod seiner Frau vor 3 Jahren ist Tom Wieland (Benno Lehmann, Im Alter von Ellen) nicht mehr Derselbe. Die Trauer sitzt tief und scheint noch nicht ansatzweise verarbeitet. Zwar bieten ihm sein Kumpel Gunnar (Kris Santa, Nulllinie) und seine unorthodoxe sowie leicht schrullige Therapeutin Tabea (Annika Strauss, German Angst) seelische Unterstützung, aber ein gebrochenes Herz heilt nunmal nicht so schnell. Hinzu kommt, dass er sich neben dem Job als Professor an der freien Universität Berlin nun alleine um das kleine Töchterlein Romina (Aurora Nedzipi) kümmern muss. Zumindest ihr versucht er, in Gedenken an seine verstorbene bessere Hälfte, ein glückliches Leben zu ermöglichen. Umso schwerer trifft es ihn, als auch sie eines Tages spurlos verschwindet. Tom’s Welt droht endgültig in die Brüche zu gehen und alles, was ihn noch auf den Beinen hält, ist die Hoffnung, dass die Polizei seine Tochter wiederfindet. Als er wenig später völlig erledigt nachhause kommt, trifft ihn der Schlag: Eine nur allzu bekannte Person steht da plötzlich vor ihm. Der junge Mann glaubt vollends seinen Verstand zu verlieren. Doch das ist erst der Anfang von einer Reihe rätselhafter Ereignisse, in deren Verlauf die Grenze zwischen Realität und Einbildung zunehmend zu verschwinden droht…

Gerade einmal etwas über 3.000 € standen Marco Pultke für seinen Mystery Thriller Verloren zur Verfügung. Das somit extrem schlanke Budget merkt man dem im Jahr 2015 uraufgeführten Werk aber kaum an, was vor allem daran liegt, dass der Regiedebütant genau weiß, wie er die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen einzusetzen hat. So gibt sich der Film optisch sehr bodenständig, verzichtet größtenteils auf visuelle Spielereien und setzt stattdessen voll auf Atmosphäre, deren Grundpfeiler die Schauspieler, der Score, die Sets und natürlich die Story sind. Erstere liefern dabei eine (für solch finanzielle Breitengrade) überraschend authentische Performance ab. Egal ob die bereits genannten Darsteller oder beispielsweise eine Juliane Hundt (Nulllinie) als Marion, ein Thomas Petruo (Die unendliche Geschichte III) als Wolfgang oder eine Anne Lohs (Living an American Dream) als Tom’s Frau, die alle im späteren Verlauf noch eine größere Rolle spielen: Die Leistung des gesamten Cast konnte mich bis in die kleinste Nebenrolle überzeugen. Alleine hieran scheitern ja schon zahlreiche Independentwerke und machen es dem Zuschauer dadurch schwer, sich in die Geschichte einzufühlen. Dieses Problem hatte ich bei Verloren in keiner Sekunde. Besonders gefallen hat mir übrigens der (leider nur sehr kurze) Auftritt von Schau-

spielerin und Synchronsprecherin Luise Lunow als Elsbeth Treysisacker, die mit ihrem Hund Richard ein herrlich schräges Pärchen abgibt (achte bei ihrem Auftritt unbedingt auf den Vierbeiner…mir wäre es fast entgangen;). Auch die zunächst vielleicht etwas überzogene Darstellung der Therapeutin durch Annika Strauss kann ich aus eigener Erfahrung so unterschreiben. Ja, es gibt sie, die „Seelenklempner“, die etwas…eigen wirken.

Dann hätten wir noch den Score, welcher voll im Dienste der gezeigten Bilder steht und diese akustisch sehr passend untermalt.

Im Übrigen wurden alle Songs von Marco Pultke selbst komponiert und damit nicht genug: Drehbuch, Schnitt und Kamera hat der Bursche auch gleich noch übernommen (wenn man schonmal dabei ist).

Lediglich den Gesangspart für den Titelsong Lost & Found hat er Kev Santa, welcher auch eine kleine Rolle im Film hat, überlassen. Des gesamten Soundtrack kann man sich übrigens auf der Webseite von Verloren anhören. Diese Übernahme zahlreicher Kernaufgaben mag einer der Gründe dafür sein, dass der Streifen wie aus einem Guss wirkt, was dementsprechend auch auf die Sets zutrifft. Jeder dieser Aspekte scheint direkt auf die spannende und abwechslungsreiche Story  zugeschnitten worden zu sein. Allerdings sollte man vor allem zu Beginn und gegen Ende sehr gut aufpassen, da die Geschichte, vor allem hinsichtlich ihres Mystery Parts, sonst schnell verwirren kann. Das hat mir jedoch keineswegs den Spaß daran genommen, selbst mit zu rätseln und zu versuchen, auf die Lösung des Ganzen zu kommen, denn, und dafür gebührt Pultke nochmal besonderes Lob, ab einem gewissen Punkt traut man seinem Script einfach alles zu. Das zu schaffen, ohne, dass es zu abgehoben, zu fantastisch wirkt, ist sicher kein leichtes Unterfangen.

Abschließend möchte ich dir den Streifen auf jeden Fall empfehlen. Leider gibt es ihn noch nicht im Einzelhandel, dafür jedoch online zum kaufen oder leihen auf Vimeo. Wenn du also mal wieder Bock auf einen anständigen Genrebeitrag aus deutschen Landen hast, dann weißt du ja nun, wo du diesen findest;)

Gefunden: Filmbilder

Elsbeth Treysisacker und ihr Hund Richard: Ich mag sie!

©Marco Pultke

Um Aufklärung bemüht: Kommissar Reuter.

©Marco Pultke

Gibt's wirklich: Den Studiengang zum Thema Puppenspiel.

©Marco Pultke

Die MCs (Mystery Catcher)...eine Art moderne Version der Ghostbusters.

©Marco Pultke

Echte Freunde gehen gemeinsam durch dick und dünn.

©Marco Pultke

Zusatzinfos | Herkunftsland: Deutschland | Originaltitel: Verloren | Regie: Marco Pultke | Drehbuch: Marco Pultke | Darsteller: Benno Lehmann, Juliane Hundt, Annika Strauss | Produktion: Otto Stiegler, Gregor Woiwode, Victoria Fels | Freigabe: t.b.a. | Uncut: ja | Spieldauer: 96 Min. | Verleih: t.b.a. | Produktionsjahr: 2014 | Video on Demand Veröffentlichung: 13.08.2015 | Film Kaufen/Leihen: Vimeo  | Webseite: Verloren – Der Film

 

Verloren (2015)
Prädikat: Ein ambitioniertes, spannendes und sehr lobenswertes Independentwerk!
Story87%
Schauspieler88%
Spannung83%
Inszenierung75%
83%Wertung
Leserwertung: (0 Votes)
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